Referate halten, Klausuren schreiben und nebenher noch ein Unternehmen managen – das ist nicht einfach. Diesen acht Gründern gelingt der Spagat.

Von Jule Zentek

Ein paar Mal die Woche in die Uni, ansonsten viel Freizeit – diese Vorstellung vom Studentenleben entspricht längst nicht mehr der Realität. Ein Studium ist ein Vollzeitjob: Klausurvorbereitung, Referate, Hausarbeiten – doch für einige scheint das noch nicht genug.

Denn es gibt auch kreativen und innovativen Köpfe unter den Studenten. Aus spontanen Ideen, entwickeln sie erste Konzepte und Geschäftspläne. Doch den Schritt zum eigenen Start-up wagt nicht jeder. Ein Leben zwischen Hörsaal und Business-Meetings? Das klingt nach Risiko und großem Aufwand.

Gründungsförderung an Hochschulen nimmt zu

Der „Gründungsradar 2016“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und der Heinz Nixdorf-Stiftung zeigt: 6.401 Projekte wurde 2016 von deutschen Hochschulen betreut. Etwa 1.615 tatsächliche Gründungen entstanden – und damit mehr als noch 2012 (1.145). Außerdem steigt die Relevanz der Gründungskultur innerhalb der Hochschullandschaft: An rund 80 Prozent der 194 teilnehmenden Hochschulen spielt Gründungsförderung eine zentrale Rolle.

Auch das BMWi will die Gründerkultur an deutschen Hochschulen unterstützen. Dazu bietet es seit 1998 die EXIST-Programme an. Über 1.500 Stipendien wurden seitdem vergeben. Unter anderem das Start-up „Blogbox“ profitierte von der Finanzspritze. Das Unternehmen gehört zu den folgenden acht Start-ups, die von Studenten gegründet wurden.

Five north Chocolate

Wenn es um das Thema Fair Trade geht, ist BWL-Student Benjamin Conard direkt Feuer und Flamme. Der Amerikaner ist Gründer von “Five North Chocolate” – einem sozial- und umweltbewussten Schokoladen-Unternehmen. 2016 startete das Start-up mit einem Online- Shop und dem Verkauf in Cafés in den USA. Die Idee: Schokolade aus gesunden Inhaltsstoffen, die aus nachhaltigen Kooperationen mit Farmern aus aller Welt stammen. Denn der Name des Start-ups steht für den Breitengrad auf dem das Hauptanbaugebiet von Kakao in Afrika liegt. Dort werden die Kakaobauern noch immer ausgebeutet. Der 22-Jährige verfolgt daher ein weiteres Ziel: Er will den Lebensstandard der Produzenten erhöhen.

Zur Umsetzung erhielt er von seiner Universität, der State University of New York at Geneseo (SUNY Geneseo) 3.000 Dollar als Seed Capital. Momentan ist er Gaststudent in Deutschland: An der Fachhochschule Münster studiert er Business Administration und Management. Mit seinem Konzept gewann er den deutschen Vorentscheid für die Global Student Entrepreneur Awards (GSEA) – dem weltweiten Wettbewerb für studentische Gründer.

Caregaroo

Die Suche nach einem Babysitter kann schwierig sein. Nicht nur zwischen Kind und Betreuer muss es passen – auch die Eltern müssen Vertrauen haben. Danilo Labarile, Marc Becker und Felix Stahmer gründeten daher noch im Studium die Plattform “Caregaroo”. Ihr Motto: Kinderbetreuung ist mehr als nur ein Job. Sie wollen die Suche in Zukunft leichter machen. Per Online-Anmeldung wird zunächst geprüft, ob man als Babysitter oder Tagesmutter oder – vater geeignet ist. Caregaroo sorgt schließlich für ein Match zwischen dem Bewerber und einer Familie. Rund zehn Prozent des Lohns von der Kinderbetreuung gehen schließlich an das Start-up.

Unterstützung bekam das Start-up durch das Entrepreneurship Zentrum Witten. Das Businesswissen brachten die drei Gründer aus ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften mit. Doch für die technische Umsetzung fehlte das Know-How. An ihrer Uni, der TU Dortmund fanden sie durch ein Casting ihren Entwickler Jörn Depenbrock. Zu viert verfolgen sie nun ein Ziel: Caregaroo soll bald eine deutschlandweiten Service anbieten.

Lian & Mez

Eine Uhr sollte nicht nur schick aussehen, sondern auch nachhaltig sein. Das fanden zumindest die beiden Dortmunder Studenten Julian Stechert und Feramez Durmus. Die passende Idee kam ihnen 2015: Eine vegane Uhr aus Ananas-Blättern, das sogenannte Pinatex. Das Design bestimmen die beiden Gründer – die Anfertigung übernehmen deutsche Manufakturen. Passend dazu ihre Botschaft: Sie wollen ein Zeichen der Nachhaltigkeit und gegen Tierversuche und Umweltverschmutzung setzen. Zur Finanzierung der ersten Kollektion starteten sie ein Crowdfundingprojekt über die Plattform “Kickstarter”. Mit über 29.000 Euro wurde das Ziel von 25.000 Euro deutlich übertroffen.

Die Summe fließt ab Juli nicht nur in den Verkauf: Die beiden planen bereits weitere Produkte wie Taschen, Schuhen und Gürtel aus Pinatex.

Signavio

Eine Plattform für webbasierte Geschäftsprozessmanagement ist die Business Transformation Suite von „Signavio“. Die Cloud-Software entwickelten Torben Schreiter, Gero Decker, Mathias Weske und Nicolas Peters 2006 noch während ihres Studiums am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Die Idee: Unternehmen erhalten einen Überblick über mögliche Veränderungen durch zukünftige Entscheidungen. Das Management soll so leichter Entscheidungen fällen können.

Nach der Gründung 2009 brachte das Start-up zunächst seine erste Software auf den Markt. Es folgten viele weitere Entwicklungen bis schließlich die kollaborative Software für Unternehmen kam. 2015 erhielt das Start-up 31 Millionen Euro vom US-Kapitalgeber Summit Partners. Damit wurden Wachstumspläne umgesetzt: Mittlerweile hat Signavio weitere Standorte in Kalifornien, Singapur, Australien, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien.

Mumukuba

Vom Lehramtsstudium zur eigenen Produktionsfirma – das ist die Geschichte von Timur Örge. 2014 studierte Örge noch Englisch und Sport an der TU Dortmund. Während seines Auslandssemesters in Seattle fand er seine Leidenschaft: die Filmproduktion. Gemeinsam mit seinem Freund Deniz Berk Özgören gründete er dort „Mumukuba“ – ein Netzwerk aus Filmemachern und Schauspielern. Schon mit einem der ersten Kurzfilme landete Start-up auf einem Horror Film Festival. Ein anderes Projekt erhielt den Publikumspreis beim 48 Hour Film Project. 2015 ging das Start-up nach Seattle: Dort gewann Mumukuba beim Filmfestival in Washington zwei Preise. Mittlerweile ist Örge zurück in Deutschland: Hier produziert er nun Musikvideos für Künstler, sowie Werbespots und Image-Videos für Unternehmen.

My Boo

Fair, sozial und nachhaltig – dafür steht das Start-up „My Boo“ aus Kiel. Das Unternehmen verkauft Fahrräder aus Bambus. Die Idee dazu stammt aus Ghana und wurde von den BWL- Studenten Jonas Stolzke und Maximilian Schay auf den deutschen Markt gebracht. Erste finanzielle Unterstützung seit der Gründung Ende 2012 erhielten sie durch den Inhaber einer mittelständischen Firmengruppe. Nach ihrem Markteintritt 2014 finanzierten sie sich größtenteils aus dem Cash-Flow.

Dem Start-up geht es dabei nicht nur um Profit: Mit ihrem Projektpartner „The Yonso Project“ wollen sie den Lebensstandard und die Bildungschancen in dem Dorf Yonso, nahe Kumasi erhöhen. Ihr „Bike to School Programm“ wurde vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef unterstützt. Dort werden die Bambus-Rahmen handgefertigt. Für rund 900 Euro verkauft my Boo die Rahmen. In ihrer Manufaktur in Kiel entstehen dann die Fahrräder. Das nächste Ziel der Gründer: Die Etablierung ihrer Produkte auf dem Markt und die Einführung eines E-Bikes – natürlich aus Bambus.

Eike San

Zuerst eine Ausbildung zum Speditionskaufmann, dann ein Wirtschaftsstudium. Zum Ausgleich ein paar Stunden an der Nähmaschine. Weil seine Näharbeiten auch anderen gefielen, gründete Student Eike Lange 2014 einen Online-Shop. Unter dem Label „Eike San“ verkauft er seitdem Fair Trade-T-Shirts und handgemachte Taschen. Rund 50 bis 70 Produkte verkauft er monatlich – und kann davon mittlerweile leben. Bisher betreibt er sein Unternehmen jedoch allein, doch das soll sich in Zukunft ändern. Auch ein eigenes Studio soll bald folgen – momentan näht der Bielefelder noch in seinem WG-Zimmer.

Content Captain

Einen Überblick über relevante Social Media-Inhalte bekommen – dabei hilft der „Content Captain“ von Blogbox. Unternehmen erhalten durch das Programm Empfehlungen zu Beiträgen, die sie weiterverarbeiten können. Das Konzept entstammt aus einer App-Idee für ein individualisiertes Online-Magazin aus Blogeinträgen. Noch während ihres Studiums an der TU München entwickelten Moritz Orendt, Bernhard Hering, Marco Eisenack und Samy Ateia die App. 2013 kam sie schließlich auf den Markt. Doch Blogbox scheiterte: Der Gewinn war zu gering.

Die Gründer dachten jedoch weiter: Ihr Fokus lag fortan auf dem Content Marketing. Als Kurations- und Aggregationsdienstleister entwickelten sie 2014 aus der Blogbox-Technik neue Produkte für Unternehmen – den Content-Aggregationsservice „Content Captain“. Auch die Bundesregierung wurde aufmerksam: Ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sorgte 2013 für das nötige Startkapital. Ihr Ziel seitdem: Sie wollen Content Marketing auch für kleine Unternehmen möglich machen.