Big Data made in Germany: Zeotap hilft Unternehmen dabei, ihre Kunden zielgenauer anzusprechen. Jetzt konnte das Start-up erneut Millionen einsammeln.

Wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr, hat das Berliner Daten-Start-up Zeotap seine Serie C-Finanzierungsrunde um fast 16 Millionen Euro auf mittlerweile rund 50 Millionen Euro  erweitern können. Geldgeber ist die Risikokapitalgesellschaft SignalFire. In der Vergangenheit investierten unter anderem Neue Capital, coparion, MathCapital und TTCER Partners in das 2014 von Daniel Heer (CEO) und Projjol Banerjea (CPO) gegründete Unternehmen.

Mit seiner Software will das Start-up Werbetreibenden helfen das Verhalten ihrer Kunden besser voraussagen zu können. Um es den Marken zu ermöglichen den Nutzern ihrer Websites zukünftig passgenaue Anzeigen bereitzustellen, werden nach Zustimmung der jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer beim Surfen unter anderem Angaben wie Alter, Geschlecht, Standortdaten sowie Informationen über Interessen und Kaufabsichten gespeichert.

Alternative zu umstrittenen Cookies

Das frische Kapital soll in die Weiterentwicklung der Plattform und der Produkte fließen und die Einführung der Plattform in den bereits 14 aktiven Märkten vorantreiben.

Das Angebot des Start-ups stellt eine Alternative zu den unter Datenschützern umstritten Cookies da, die über die Webbrowser der Computer gespeichert werden und das Surfverhalten der Nutzer teilweise ungefragt dokumentieren, so dass sie bei einem erneuten Besuch der Webseite wieder ausgelesen werden können. Solche sogenannten Third-Party-Cookies, die von Drittanbietern stammen, die beispielsweise Werbung auf der besuchten Seite schalten, werden von Apple seit März dieses Jahres in der jüngsten Version des Browsers bereits blockiert. Auch Google Chrome will bald nachziehen.

Eine Entwicklung, von der Zeotap, das eigenen Angaben zufolge auf solche Methoden verzichtet und somit einen besseren Schutz der Privatsphäre verspricht, profitiert  – gerade zu Zeiten weltweiter Einschränkungen durch die Pandemie.  

Corona als Wachstumstreiber

„Corona hat einen Wandel im Marketing-Mix initiiert, in dem Marken in ihre Daten und Kompetenzen investieren, um traditionelle TV-Budgets auf effektivere Kanäle umzuleiten“, lässt sich Chris Scoggins, Venture Partner bei SignalFire zitieren.

Tatsächlich habe sein Unternehmen unter Corona nicht gelitten – im Gegenteil, so CEO Daniel Heer. „Die Konsumenten sind verstärkt digital unterwegs und das merken auch unsere Kunden, die die Nutzer zukünftig noch gezielter erreichen wollen.“ Vor allem in den  Bereich E-Commerce und Retail, Food Delivery und Telekommunikation habe man in den letzten Monaten viele langfristige Verträge abschließen können.

Zeotap beschäftigt rund 160 Mitarbeiter und unterhält Büros in Berlin, Paris, London, Madrid, Mailand, New York City, Mexico City, Bangalore und Mumbai. Eigenen Angaben zufolge arbeitet das Start-up mit Marken, Agenturen und Verlagen in einem Dutzend Ländern in Europa, Nord- und Lateinamerika sowie im Asien-Pazifik-Raum zusammen, darunter N26, Mercedes, Vodafone und Red Bull.