Mit einem Miet-Modell für Praxis-Geräte will das Start-up Zahnärzte überzeugen. Das kapitalintensive Geschäft birgt Hürden.

Vorbilder aus anderen Branchen gibt es einige: Lendis etwa vermietet Büromöbel, Grover verleiht Smartphones und Laptops. Das Start-up Zahnarzt-Helden aus Bielefeld legt nun mit einem Miet-Modell für Medizingeräte und Praxis-Ausstattung nach: Zahnärzte sollen über die Online-Plattform beispielsweise Behandlungsstühle vergleichen und anschließend gegen monatliche Gebühr in die Praxis holen können. Zusätzlich wirbt die 2017 gegründete Firma mit einem Service-Abo, das die Wartung, Reparatur und Ersatzteile für Zahnarzt-Praxen abdeckt.

Um mit einem größeren Team die Online-Plattform weiterentwickeln zu können, stecken mehrere Investoren um den halbstaatlichen Frühphasenfinanzierer High-Tech Gründerfonds (HTGF) nun einen Millionenbetrag in das Start-up. Beteiligt sind außer dem HTGF insgesamt neun private Geldgeber, sogenannte Business Angels. Die genaue Höhe dieser ersten Finanzierungsrunde will Geschäftsführer Carsten Janetzky mit Blick auf Wettbewerber nicht nennen.

Vergleichsportal für Zahnarzt-Stühle

Über das Internetportal können sich Arztpraxen über neue und gebrauchte medizinische Ausstattung informieren und sich ein Angebot anhand eines kurzen Fragebogens erstellen lassen. Bislang ging der Weg für Zahnärzte über klassische Fachhändler – dagegen bietet die Plattform der Bielefelder mehrere Hersteller zum Vergleich an und soll künftig detailliertere Entscheidungshilfen liefern. Deshalb arbeitet das Team nach Aussage des Geschäftsführers derzeit insbesondere daran, das Online-Portal mit Inhalten zu füllen. Beratung findet am Telefon oder vor Ort statt. Für die Installation und den Service kooperiert Zahnarzt-Helden mit 80 Technikern deutschlandweit.

In Zukunft will Janetzky verstärkt eigene Techniker einstellen. Im kommenden Jahr sei geplant, das Team von derzeit 35 Mitarbeitern auf mindestens 50 aufzustocken, sagt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Die Personalsuche am Standort Bielefeld könnte zur Herausforderung werden, wie der Geschäftsführer bestätigt: „Bei den Service-Technikern sehe ich momentan den engsten Flaschenhals, allerdings bekommen wir bereits viele Bewerbungen“, so Janetzky. Neue Mitarbeiter etwa für Sales zu finden, schätzt er als weniger problematisch ein.

Banken auf Abstand

Eine potenzielle Hürde ist der hohe Kapitalbedarf: Die Geräte aus dem Miet-Modell muss das Start-up zunächst selbst einkaufen – und somit auch über einen gewissen Zeitraum finanzieren. Die sogenannte Asset-Finanzierung laufe zwar gut an, sagt der Gründer. Längerfristig benötige das Start-up jedoch Anschub von Banken.

Es liefen Gespräche mit mehreren Instituten – allerdings zeigten sich die Geldhäuser angesichts der aktuellen Jahresumsätze zurückhaltend. „Wir haben im ersten Jahr zehn Millionen Euro Umsatz gemacht, aber klassischen Banken ist das noch zu wenig“, sagt Janetzky. Nach der aktuellen Finanzierungsrunde halten er und seine Mitgründer Philip Pieper und Martin Wertgen nun noch 75 Prozent der Firmenanteile.