Mit Hilfe von KI will xbird Therapien personalisieren und deren Erfolg vergrößern. Zur Weiterentwicklung der Idee gab es nun eine Millionen-Finanzierung.

Bereits 2016 schlug die Weltgesundheitsorganisation Alarm: Die Zahl der Diabetiker habe dramatisch zugenommen. Alleine in Deutschland sind fünf Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, weltweit mehr als 400 Millionen. Innerhalb der letzten 35 Jahre habe sich die Zahl der Erkrankten vervierfacht. Schuld sei, so die WHO, häufig die Lebensweise der Menschen. Ihre Art zu  essen und sich (nicht) zu bewegen führe zu Übergewicht und Fettleibigkeit. Schützen könnte man sich auf teilweise simplen Wegen, erklärten die Experten: Täglich Sport zu treiben und auf eine gesündere Ernährung zu achten, könne das Risiko an Diabetes zu erkranken bereits verringern.

Diesen Ansatz verfolgt auch das 2015 gegründete Berliner Start-up xbird. Das Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz (KI), um Diabetes-Therapien zu personalisieren und bessere Ergebnisse zu erzielen: Mittels Smartphone und anderer Wearables erfasst es das Verhalten und den Lebensstil von Patienten und erinnert diese an ihr Fehlverhalten. 

Software erinnert Patienten an Fehlverhalten

„Bei Diabetes ist es sehr wichtig jeden Betroffenen individuell zu behandeln. Diabetiker sehen ihren Arzt aber im Durchschnitt nur wenige Male pro Jahr. An den restlichen Tagen müssen sie sich auf ungefähre Empfehlungen verlassen, die vielleicht gar nicht zu ihren aktuellen Lebensumständen passen. Unsere Software schafft Abhilfe, indem sie die besprochene Therapie mit dem Arzt ergänzt“, erklärt CEO und Co-Gründer Sebastian Sujka gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

So soll die Software den Patienten auch im Alltag daran erinnern seiner Krankheit durch die richtigen Maßnahmen entgegenzutreten: Sitzt ein Diabetes-Patient beispielsweise lange und legt dennoch in kurzer Zeit eine weite Strecke zurück, geht die Software davon aus, dass er in einem Fahrzeug unterwegs ist. „Auto zu fahren kann für Diabetiker schwer einzuschätzende Konsequenzen haben“, so Sebastian Sujka „darum reagiert unser System direkt auf ungewöhnlich lange Fahrten und erinnert den Nutzer daran einen Messpunkt hinzuzufügen, so dass die Blutzuckermessung weiterhin korrekt ist und der Patient vor Unterzuckerung gewarnt wird.“

Millionen-Finanzierung durch IBB Beteiligungsgesellschaft

Für die Weiterentwicklung der Software erhielten die Gründer Sebastian Sujka und Matteo Carli nun eine Finanzierung in Höhe von einer Million Euro durch die IBB Beteiligungsgesellschaft (IBB Bet) mit Mitteln aus dem Corona-Maßnahmenpaket, das innovative Unternehmen finanziert, die ein außerordentliches Wachstumspotenzial aufweisen, deren Finanzierungsrunden jedoch aufgrund der Corona-Krise nicht im vorgesehenen Umfang realisiert werden konnten.

xbird wird in Form eines Software-Development-Kit angeboten, das in die digitalen Lösungen Dritter, wie Gesundheitsunternehmen, Krankenkassen und Diabetes-Helfer, integriert werden kann und momentan vor allem in Deutschland und den USA zum Einsatz kommt. Man spiele bereits mit dem Gedanken die Entwicklung auch auf andere Erkrankungen zu übertragen. Um welche es sich genau handelt, wollte Sebastian Sujka noch nicht verraten. Nur so viel: “Prinzipiell ist die Anwendung solcher Software-Modelle  da am einfachsten, wo viele Datenpunkte verfügbar sind, zum Beispiel weil sehr viele Menschen von einer Krankheit betroffen sind.”