Das Heizungs-System des Start-ups nutzt Magnete, um Wärme zu erzeugen. Der Gründer war zuvor Geschäftsführer eines Konkurrenten.

Es sind große Versprechen, die Wirmag macht – treffen sie zu, ist das Marktpotenzial enorm: Das in Bad Dürkheim bei Kaiserslautern ansässige Start-up hat nach eigenen Angaben ein neuartiges, sehr energieeffizientes Heizungssystem entwickelt. Das EMI-1 getaufte Gerät soll aus dem eingesetzten elektrischen Strom ein Vielfaches an Heizenergie herausholen. Wartungsfrei und günstig sei das System obendrein.

Das Start-up gibt an, sich den sogenannten magnetokalorischen Effekt zunutze zu machen. Dieser beschreibt die Tatsache, dass sich die Temperatur bestimmter Metall-Legierungen verändert, wenn diese einem äußeren Magnetfeld ausgesetzt werden. Die Magnete in der Heizung rotieren, so dass es zu einer schnellen Magnetisierung und Entmagnetisierung kommt. Durch die entstehende Wärme wird Wasser erhitzt.

„EMI-1 ersetzt einfach den Heizungskessel im Keller – weitere Umrüstungen sind nicht erforderlich“ erklärte Matthias Ehrlich auf Nachfrage von WirtschafsWoche Gründer. Der frühere Web.de-Manager und Chef von United Internet Media hat sich mit seinem Unternehmen Ehrlich Strategies 2017 an Wirmag beteiligt und ist dort auch im Tagesgeschäft involviert. So hat Ehrlich zusammen mit Gründer Lars Stevenson einen neuen Investor an Bord geholt: die Deutsche Wohnen.

Vertrieb über B2B-Partner

Wie der Wohnungskonzern kürzlich mitteilte, hat sich das Unternehmen über seine Beteiligungsgesellschaft an Wirmag beteiligt. Eine Investmentsumme wurde nicht genannt – laut Ehrlich handelt sich aber um einen Millionenbetrag. Wichtiger noch für das Start-up: Der Konzern möchte EMI-1 auch selbst nutzen. Dafür soll nun eine größere Variante des eigentlich für Ein- und Mehrfamilienhäuser ausgelegten Heizungssystems entwickelt werden.

„Bis Ende des kommenden Jahres rechnen wir mit einem Absatz von etwa tausend Geräten“, sagte Ehrlich. Dabei knüpfe man Partnerschaften – etwa mit Firmen, die Photovoltaikanlagen verkaufen. Denn das System sei ein Weg, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu erhöhen, wenn sich die Einspeisung in das Stromnetz durch gekürzte Förderungen nicht mehr lohne. Die Produktion einer ersten Variante von EMI-1 hat laut Ehrlich bereits begonnen. In den kommenden Wochen sollen Vorbesteller ihre Geräte bekommen.

Bis dahin ist schwer zu bewerten, wie wirksam das Heizungssystem tatsächlich ist. Die Produktankündigung hat jedenfalls in Fachforen im Netz Skepsis hervorgerufen. Unbestritten ist aber, dass der magnetokalorische Effekt sich grundsätzlich für Heiz- und Kühlsysteme nutzen lässt. So entwickelte der Chemiekonzern BASF zusammen mit dem Hausgerätehersteller Haier und dem Technologieunternehmen Astronautics Corporation of America einen Weinkühler, bei dem eine magnetokalorische Wärmepumpe die Kälte erzeugt. Auch das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg erforscht Anwendungen.

Konflikt mit früheren Geschäftspartnern

Mit Ekomo gibt es bereits seit 2015 ein Start-up, das ebenfalls Magnet-Heizungen bauen will. Dahinter stehen der Tüftler Klaus Landes und seine Tochter, die Anfang 2016 den späteren Wirmag-Gründer Lars Stevenson zum Geschäftsführer machte. Nach nur zehn Monaten verließ er das Unternehmen aber – bei Ekomo heißt es dazu, es habe unterschiedliche Auffassungen über den Kurs des Unternehmens gegeben. Stevenson entschied sich, das Konzept in einem neuen Start-up weiterzuverfolgen.

Vorher hatte sich Stevenson als Software-Unternehmer einen Namen gemacht: 2008 gründete er das Start-up Human Machine Intelligence. Mit seiner KI-basierten Spracherkennungssoftware für Callcenter heimste das Unternehmen mehrere Auszeichnungen ein – darunter den Innovationspreis der WirtschaftsWoche. Inzwischen gibt es die Firma, die Stevenson 2013 wieder verlassen hatte, aber nicht mehr.