Kapital, Netzwerk und Know-how: Business Angel sind für Start-up-Gründer mehrfach wertvoll. Doch wie kommt man an die Unternehmensengel heran? WiWo Gründer erklärt es.

Noch nie soll es für Gründer so einfach wie jetzt gewesen sein, an Anschubfinanzierung zu kommen. Acceleratoren, Company-Builder, Venture Capital, Crowdinvestoren und Business Angels fördern junge oder angehende Unternehmer finanziell.

Doch Crowdfunding ist unsicher. Venture Capital kommt meist erst später für Wachstumsfinanzierung in Frage. Acceleratoren bieten oft eher Fließband-Monitoring als finanzielle Ressourcen. Und Company Builder wie Rocket Internet entwickeln Start-ups nach ihren Vorstellungen.

Business Angels hingegen sind Einzelpersonen, die sich mit persönlichem Einsatz für die Idee des Gründers oder Gründer-Teams engagieren. Meist handelt es sich um Unternehmer, die ihre Erfahrung gerne weiter geben möchten. Sie setzen ihr eigenes Kapital ein, bringen unternehmerisches Können sowie Kontakte mit. Und sie investieren ganz am Anfang, wenn es anderen Investoren noch zu riskant erscheint. Als Gegenleistung erhalten die Business-Engel einen Anteil am Unternehmen.

Bekannt sind vor allem die oft zitierten „Super Angels“, die etliche sehr erfolgreiche Start-ups unterstützt haben. Doch es gibt viele Unternehmensengel, auch in Deutschland. Zum Glück sind sie im Gegensatz zu anderen Engeln gut sichtbar und über mehrere Wege zu erreichen. WirtschaftsWoche Gründer stellt vier Wege vor.

Tipp 1: Die Angel-Liste

Auf angel.co, der AngelList, sind mehr als 15.000 Business Angels auf der ganzen Welt eingetragen, darunter 300 aus Deutschland oder mit Interesse an einer Investition in Deutschland. Gründer können direkt sehen, an wie vielen Start-ups sich der jeweilige Investor schon beteiligt hat und wie viel er bereit ist, zu geben (oft zwischen 25.000 und 250.000 US-Dollar). Manche Investoren haben sich zu Syndikaten zusammengeschlossen und können so auch größere Investments ermöglichen.

AngelList ist eine Art Soziales Netzwerk, über das sich Start-ups und Investoren folgen und direkt kontaktieren können. Tatsächlich eine reine Liste von Business Angels und anderen Seed-Investoren in Berlin finden Gründer hier (für Angels runterscrollen).

Tipp 2: Angel-Netzwerke

Etwas regionaler als AngelList ist der Weg über eines der 40 Business-Angel-Netzwerke in Deutschland, zum Beispiel Thüban (Thüringen), das Hanse-Netzwerk oder die Business Angels Frankfurt, Rhein-Main. Im Bundesverband Business Angels Deutschland (BAND) und den angeschlossenen regionalen Netzwerken sind etwa 1400 Unternehmensengel organisiert. Nach Verbandsschätzung ist das etwa ein Fünftel aller Business Angels in Deutschland. BAND nimmt explizit nur „zweiflügelige“ Business Angels auf, die getreu der eigentlichen Idee neben Kapital auch unternehmerisches Know-how einbringen.

Start-ups können vom Verband ein von allen Mitgliedern akzeptiertes Formular für eine Art Executive Summary des Business Planes erhalten. Der Verband leidet es dann an potenzielle Investoren weiter. Zudem organisieren die einzelnen regionalen Netzwerke Matching Abende und ähnliche Veranstaltungen, bei denen sich Gründer und Business Angels kennenlernen können.

Tipp 3: Start-up-Konferenzen

Auch auf Konferenzen und anderen Start-up-Events können Gründer auf Business Angels treffen. Beim Entrepreneurship-Kongress der EBS University of Business and Law im Rheingau speed-daten Gründer mit Investoren. Ebenso beim IdeaLab der Otto Beisheim School of Management in der Nähe von Koblenz.

Viele Netzwerktreffen richten sich wie diese beiden gleichzeitig an Start-ups auf der Suche nach einem Business Angel und Start-ups, die sich nach Venture Capital umschauen.

Tipp 4: Pitching-Events

Konkreter erfolgversprechend als Speed-Daten – aber auch härter umkämpft – sind Pitching-Events, etwa der monatliche Rheinland-Pitch in Köln oder der zweimal im Jahr in Wiesbaden stattfindende Gründermarkt. Bei beiden präsentieren Start-ups ihre Idee pointiert in kurzer Zeit auf der Bühne. Beim jährlichen Investors Dinner in Berlin pitchen 15 ausgewählte Start-ups bei einem Abendessen vor 30 Angel.

Auch die Business-Angel-Netzwerke haben bei ihren Treffen meist eine Pitching-Session im Programm, auf die sich Start-ups bewerben können.