Immer mehr Unternehmen gründen eigene Hubs, um Start-ups und ihre Ideen für sich zu gewinnen. Aber wer macht eigentlich was?

Große Unternehmen wollen immer hipper und cooler sein – und versuchen junge Start-ups anzulocken, in vielen verschiedenen Bereichen. Aber hilft das wirklich und bewährt sich der Versuch? WirtschaftsWoche Gründer stellt auf den folgenden Seiten, große deutsche Unternehmen vor, die eigene Hubs gründen – und manchmal auch ein bisschen mehr.

25 Jahre Poly THF Fabrik, C569

BASF hat bereits 2001 die BASF Venture Capital GmbH zur Förderung von Start-ups gegründet. Mit 175 Millionen Euro Kapital investiert die Gesellschaft in Gründer, die Technologien entwickeln, bei denen chemiebasierte Materialien ein Erfolgsfaktor sind und Innovationen für existierende Arbeitsgebiete der BASF-Gruppe versprechen. „Damit soll Zugang zu für die BASF neuartigen Technologiefeldern geschaffen werden“, sagt Holger Kapp von BASF. Die Gesellschaft strebt Eigenkapital-Beteiligungen in Höhe von 1 bis 5 Millionen Euro an. Zuletzt hat BASF Venture Capital in SmartKern investiert. Das Start-up ist in der Erforschung und Entwicklung von hochleistungsfähigen, organischen Halbleiter-Tinten tätig.

Neuen biologischen Lösungen auf der Spur: Cecilia Wilson untersucht Erdbeerpflanzen im Forschungslabor für Pflanzenpathologie von Bayer CropScience. ------------------------------- Researching for new biological solutions: Cecilia Wilson, Plant Pathology Lab Scientist at Bayer CropScience, examines strawberry plants.

Neuen biologischen Lösungen auf der Spur: Cecilia Wilson untersucht Erdbeerpflanzen im Forschungslabor für Pflanzenpathologie von Bayer CropScience.

Bayer hat in Berlin einen eigenen Inkubator. „Ziel des weltweiten Inkubator-Konzepts ist es Forschern von jungen Unternehmen aus dem Life Sciences-Bereich beim Aufbau ihrer Forschungslabore zu unterstützen“, sagt Katharina Jansen von Bayer. Die Firmen bleiben unabhängig, können jedoch zusätzlich zu den Labor- und Büroräumen auch Zugang zur Expertise und dem Bayer-Forschungsnetzwerk erhalten. Aktuell sitzt dort unter anderem das Start-ups Calico GmbH, das monoklonale Antikörper und Biomarker entwickelt.

Des Weiteren fördert Bayer HealthCare mit dem Accelerator Grant4Apps die Entwicklung von innovativen Software-, Hardware-, Technologie- oder Prozesslösungen für den Gesundheits- und Pharma-Bereich. Das Programm richtet sich an Studenten, Start-ups, Universitäten und Institute. Fünf Projekte erhalten jeweils 50.000 Euro Startkapital, Laborräume für fünf Monate in Berlin und Beratung durch Mentoren.

Außerdem ist das Unternehmen einer der privaten Investoren des High-Tech Gründerfonds. Mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, der KfW Bankengruppe und der privaten Wirtschaft beteiligen sich rund 20 Investoren am 304 Millionen Euro großen Fond.

Telekom

Der Inkubator „hub:raum“ der Telekom

Die Deutsche Telekom fördert seit 2012 Startups aus dem Bereich der mobilen Kommunikation und internetbasierter Geschäftsmodelle. Dafür hat sie ein Inkubator- und ein Accelerator-Programm gestartet. Der Inkubator „hub:raum“ fördert Gründerteams in einem Zeitraum von neun bis zwölf Monaten mit einer Seed-Finanzierung von bis zu 300.000 Euro sowie mit Zugang zur Telekom, zu einem Netzwerk von Mentoren und zu Büroräumen. Bisher gefördert wurde unter anderem das Start-up Salonmeister, das eine Terminverwaltung anbietet. Start-ups, die das Inkubator-Programm absolviert haben, können sich um eine Folgefinanzierung durch beispielsweise die T-Venture, den Venture Capital-Arm der Telekom, bemühen.

Das Accelerator-Programm stellt hub:raum-Gründern ein Angebot zur Verfügung, um ihre Ideen in ein finanzierbares Geschäftsmodell umzuwandeln. Nach eigenen Angaben liefert es dafür Kurse, hilft bei der Partnersuche und stellt Mentoren bereit. Der Accelerator ist über das ganze Jahr zugänglich, und ausgewählte Teams können für drei Monate im Coworking-Space arbeiten und das hub:raum Programm nutzen.

eon

E.On fördert Ideen mit Energiebezug

E.ON hat seit 2013 ein eigenes Gründerprogramm, das interne und externe Ideengeber mit Energiebezug fördert. Mit dem :agile-Accelerator werden für drei Monate fünf Geschäftsmodelle getestet. Die Jungunternehmer können sich finanziell an den Gründungen beteiligen. „Jedes der ausgewählten Projekte erhält eine individuelle Förderung aus finanziellen Mitteln mit bis maximal 30.000 Euro in der Accelerator-Phase“, sagt Bettina Donges von E.ON. „Dazu gehört auch Coaching, Engineering-Expertise, Arbeitsplätzen sowie Beratung bei Marketing und Vertrieb.“ Darüber hinaus können die Geschäftsideen nach eigenen Angaben auch bei Bedarf mit E.ON-Kunden getestet werden. Im Anschluss an die dreimonatige Accelerator-Phase findet der so genannte Demo Day statt. Die Gründer stellen ihr Geschäftsmodell vor potenziellen Investoren aus allen Unternehmensbereichen vor, um sich um eine Anschlussfinanzierung zu bewerben.

BMW

BMW unterstützt Start-ups mit der »BMW Startup Garage«.

BMW unterstützt Start-ups mit der »BMW Startup Garage«. Ausgewählte Gründer durchlaufen dafür ein mehrmonatiges Programm und erhalten Hilfe beim Aufbau ihres Netzwerks im Konzern und beim Erstellen ihres Business-Plans. „Kern des Programms ist die Entwicklung eines funktionalen Prototyps“, sagt Verena von L’Estocq von BMW. Dabei suchen sie Technologien, die auf fahrzeugtechnische Anwendungen übertragbar sind.

BMW hat zudem die Venture Capital Gesellschaft BMW i Ventures mit Sitz in New York gegründet. „Die Gesellschaft tätigt Investments im Bereich von Dienstleistungen, die das Potenzial besitzen, urbane Mobilität intelligenter, effizienter und flexibler zu gestalten”, sagt von L’Estocq. Nach eigenen Angaben liegt der Investmentfokus auf innovativen Car-Sharing-Modellen, intelligenten Park-Lösungen, standortabhängigen Dienstleistungen, e-mobilitätsbezogenen Dienstleistungen und intermodalen Ansätzen. Die Höhe des Investments ist abhängig von der Entwicklungsphase des Start-ups und der Beteiligungsstruktur. BMW i Ventures hat einen Gesamtrahmen von bis zu 100 Millionen Euro. Zuletzt hat sich das Unternehmen am Start-up JustPark beteiligt, das die Parkplatzsuche einfacher machen will.

Allianz

Zielsetzung ist die Arbeit an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Die Allianz hat 2013 die Allianz Digital Accelerator GmbH gegründet. Zielsetzung ist laut eigenen Angaben die Arbeit an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Technologien in allen Kernmärkten der Allianz. “Gefördert werden externe und interne Gründer, die im Bereich Versicherung und Finanzdienstleistung tätig sind”, sagt Petra Krüll von der Allianz. „Gründern wird neben Bürofläche und Teams aus unter anderem der IT, Business Development und Digital Marketing auch Zugang zu Experten im Finanzdienstleistungssektor geboten.”

DeutscheBank

Die Deutsche Bank hat zusätzlich eine Volunteering-Initiative gegründet

Die Deutsche Bank unterstützt Start-ups mit IT-basierten Geschäftsmodellen. “Das Programm “Start-ups@Berlin” bietet Gründern die komplette Expertise der Bank aus einer Hand”, sagt Christian Hotz von der Deutschen Bank. Das Angebot reicht nach eigenen Angaben von der Kontoeröffnung und Kontoführung, über das Cash- und Währungsmanagement, bis hinzu Finanzierungsthemen. “Die Deutsche Bank versucht damit einen Austausch zwischen Unternehmen der „old“ und der „new“ economy zu fördern”, sagt Hotz.

Zudem hat die Deutsche Bank eine Volunteering-Initiative gegründet. Mitarbeiter der Bank bringen dabei ihr Fachwissen aus dem Finanzsektor bei jungen Social Start-ups in Hamburg und Berlin ein. Die Tandems aus Social Entrepreneur und ein bis zwei Volunteers führen in drei bis sechs Monaten einen sogenannten „Investment-Readiness-Check“ durch. “Mit dieser Analyse erhält das Social-Start-up eine qualifizierte Rückmeldung über die aktuellen Finanzierungsvorhaben in der jeweiligen Gründungsphase”, sagt Hotz. In einem zweiten Schritt wird ein Maßnahmenplan zur Vorbereitung auf künftige Finanzierungssituationen entwickelt.

Lufthansa

Ziel dieses Innovation Hubs ist es, die Stärken von Lufthansa und Digitalisierung so zu verbinden.

Die Lufthansa hat 2014 den „Innovation Hub“ in Berlin gegründet, “um näher an die Welt der Start-Ups und an die digitale Technologieszene zu rücken”, sagt Anja Lindenstein von Lufthansa. Der Hub soll sowohl Partner als auch Gründer von Start-ups sein. “Ziel dieses Innovation Hubs ist es, die Stärken von Lufthansa und Digitalisierung so zu verbinden, um neue Ideen entlang der Reisekette des Passagiers und neue Geschäftsmodelle für das Kerngeschäft der Lufthansa Group zu entwickeln.”

Bosch

Die Gründer sind bei der GmbH angestellt und erhalten bei Erfolg des Start-ups jährlich einen Bonus.

Bosch hat 2008 die Robert Bosch Venture Capital GmbH gegründet. Diese investiert in externe Gründungen mit Geschäftsideen aus typischen Boschbereichen.

Des Weiteren gibt es seit 2013 die Bosch Startup GmbH mit Sitz in Ludwigsburg. Der Inkubator stellt Gründern Infrastruktur und Know-how zur Verfügung und übernimmt das Start-up dafür zu 100 Prozent. Die Gründer sind bei der GmbH angestellt und erhalten bei Erfolg des Start-ups jährlich einen Bonus. Bisher hat das Unternehmen nur Gründer aus dem eigenen Unternehmen gefördert, nimmt aber auch externe Gründer auf, wenn die Idee langfristig Bosch-Geschäft werden könnte. Aktuell werden drei Start-ups gefördert.