Die WHU Otto Beisheim School of Management bringt mehr Gründer hervor als jede andere deutsche Hochschule. Aber warum?

Von Sonja Peteranderl

Von Amorelie bis Zalando: Die deutsche Start-up-Szene wird von vielen Gründern und Managern beeinflusst, die an der WHU Otto Beisheim School of Management  in Vallendar studiert haben. Kaum eine andere Hochschule in Deutschland so viele Start-Up-Köpfe vorweisen. Doch was macht die private Business School in Rheinland-Pfalz zum Inkubator für Gründer?

„Es spornt an, wenn man Beispiele aus dem direkten Umfeld hat“, sagt Sebastian Hasebrink, Gründer und CEO von Junique, einem Online-Shop für Kunst. „Jemand, mit dem man vor zwei Jahren noch ein Bier getrunken hat. Man sieht: Wenn der das kann, ist es nicht unmöglich.“

Nach seinem BWL-Bachelor an der WHU arbeitete Hasebrink zwei Jahre lang für die Unternehmensberatung Roland Berger, 2013 gründete er sein Start-up, das heute 90 Mitarbeiter beschäftigt.

Eigenes Start-up statt Banker oder Berater

„Im Moment gibt es einen starken Trend zur Gründung“, beobachtet WHU-Rektor Markus Rudolf. Immer mehr Absolventen entscheiden sich gegen die Karriere bei Großbanken oder in der Unternehmensberatung und versuchen sich als Entrepreneur. Die WHU ziehe generell „Menschen mit einer besonderen, unternehmerischen Einstellung an”, sagt Rudolf – weil der Fokus der Business School und das Studienangebot eben unternehmerisch geprägt seien.

Aber die Hochschule achtet auch bewusst darauf, Kandidaten herauszufiltern, die Eigeninitiative zeigen, aber auch teamfähig sind, sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessieren und internationales Interesse haben. Es gibt ein Assessment-Center mit schriftlichen Tests, Präsentation und Teamdiskussionen, um so ihr Verhalten bewerten zu können. Auch die Studiengebühren von 6000 Euro pro Semester für den Bachelor Internationale BWL/Management wirken als Filter. Die WHU bietet einige Stipendien und Refinanzierungsmöglichkeiten an, doch viele Studenten, die leistungsorientiert sind und von ihren Eltern noch darin bestärkt werden, kommen aus wohlhabendem Elternhaus, manche aus Unternehmerfamilien.

„Die Mehrheit sind Typen, die Motivation und Ambition haben, die etwas bewegen wollen und bei allem, was sie tun, einen sehr hohen Anspruch an sich selbst haben“, sagt Christian van der Bosch. Er ist Gründer von Liimex, einer Plattform für digitales Versicherungsmanagement für Unternehmen. Sein Interesse für Wirtschaft entdeckte er in der Schulzeit, auch sein Vater ist selbstständiger Unternehmer. „Der Anspruch der WHU, verantwortungsvolle Unternehmertypen auszubilden“, gefiel van der Bosch – er wusste schon bei der Bewerbung, dass er später gründen will.

Die isolierte Lage der WHU schweißt zusammen

In der Ausbildung bildet sich der sogenannte „WHU Spirit“ heraus, ein Gemeinschaftsgefühl, das auch als Eintrittskarte in ein wertvolles Netzwerk dient. „Durch die kleine Semestergröße entsteht eine Gemeinschaft“, sagt Christopher Kabakis, der als Business Coach arbeitet. Auch die isolierte Lage des Campus in dem Kleinstädtchen Vallendar am Rhein schweißt zusammen – es fehlen Ablenkungen wie in Berlin oder London. Neben Kursen zu Entrepreneurship wird Eigeninitiative mit dem Engagement in 25 ehrenamtlichen Uni-Initiativen gefördert, von Hilfsprojekten bis zur Start-up-Konferenz. „Die Jahre an der WHU gehen nicht spurlos an einem vorbei“, sagt Kabakis. „Gruppenzwang und Druck sind hoch, weil man sich einem straffen Programm unterwirft und sieht, wie sich die anderen anstrengen – du wirst durch die Ambitionen und die kompetitive Atmosphäre angesteckt.“

Kabakis hat selbst eine e-Commerce-Firma für nachhaltige Möbel gegründet. „Es hilft, wenn man keine Bedenkenträger um sich hat, sondern viele, die Risiken eingehen, dich motivieren, oder dir helfen, wenn du gründen willst”, sagt er. „Du findest es vielleicht dann eher nicht normal, wenn du nicht gründest.“ Sein Start-up scheiterte zwar, mit der richtigen Idee und einem guten Team würde er trotzdem einen zweiten Versuch wagen.

Erfolgreiche Gründer wie Rocket-Internet-CEO Oliver Samwer kehren zur jährlichen IdeaLab-Konferenz nach Vallendar zurück, um Studenten zu motivieren – und rekrutieren dort auch Nachwuchs-Talente. Wenn Absolventen Ex-WHUler anmailen oder in Netzwerken wie Xing oder Linked-In anschreiben, ist eine Antwort fast garantiert – und WHUler duzen sich, selbst wenn sie sich nicht kennen. „Der WHU-Spirit hilft, weil in vielen Unternehmen WHUler sitzen”, sagt Junique-Gründer Sebastian Hasebrink. „Man hat eine andere Möglichkeit, an Leute heranzugehen.“

Auch bei Fragen zu seinem Start-up kann er sich jederzeit Ratschläge bei Experten einholen – weil sein Freundeskreis zu einem Großteil aus WHUlern besteht.