Bitkom-Experte Niklas Veltkamp meint: Angehende Gründer sollten sich an Pokémon Go orientieren – und einfach mal was wagen.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

Was auch immer man von Pokémon Go hält, das Spiel beweist: In der digitalen Welt sind die Chancen für einen globalen Erfolg riesig.

Eigentlich nur als Aprilscherz von Google gedacht, ist die Minimonster-Jagd auf dem Smartphone erfolgreicher als der Kurznachrichtendienst Twitter, zumindest im Hinblick auf die derzeit täglich aktiven Nutzer.

Dabei ist die App technisch alles andere als ausgefuchst, das Spielprinzip überschaubar und der Anbieter leidet ständig unter Server-Störungen. Erst künftig sollen neue Anwendungen dazu kommen, die zum Beispiel die Interaktion der Spieler fördern oder die Vermarktung in Form von Werbung ermöglichen sollen.

Doch trotz all dieser Schwächen: Angehende Gründer können vom Erfolg des Spiels lernen.

Nicht zu lange zögern

Erfolg, das lehrt auch das Pokémon-Sammeln, lässt sich nicht vorhersagen. Wer vor wenigen Wochen Berater, Investoren und andere Experten zu den Erfolgschancen einer App befragt hätte, die auf Augmented Reality (AR) setzt, hätte vermutlich Achselzucken und skeptische Blicke geerntet.

Und heute? Heute wird schon eine neue Ära von Augmented-Reality-Apps vorhergesagt, weil plötzlich Millionen von Menschen diese Technik in einem Spiel genutzt und verstanden haben. Künftig werden wir uns vielleicht tatsächlich im Museum Zusatzinfos zu Exponaten auf unserem Smartphone oder der AR-Brille einblenden lassen, effektiver lernen und im Beruf ganz selbstverständlich digitale Unterstützung bei unseren Aufgaben angezeigt bekommen.

Der Erfolg des Spiels zeigt vor allem aber auch: Man muss manchmal Dinge einfach tun und ausprobieren – weil diejenigen, die über bevorstehenden Erfolg oder Misserfolg urteilen, oft genug selbst daneben liegen. Und weil in der digitalen Welt die Kosten, etwas zu versuchen, oft extrem niedrig sind. Und das gilt nicht nur für eine lustige Spiele-App.

Seit Jahren wird beispielsweise über die Chancen des autonomen Fahrens diskutiert. Sicher, die Automobilkonzerne lassen schon seit einiger Zeit ihre klügsten Köpfe an dem Thema tüfteln und haben viele Innovationen entwickelt und Patente zugesprochen bekommen. Aber wer hat dem Thema zum Durchbruch verholfen? Ein Start-up.

Tesla kündigte einfach an, die notwendige Software per Update auf ihre bereits verkauften Fahrzeuge aufzuspielen – etwas, was für traditionelle Unternehmen weder aus technischer Sicht (ohne Rückruf in die Werkstatt geht da gar nichts) noch unter Marketinggesichtspunkten (neue Features kommen in die neue Modellgeneration und kosten Geld) vorstellbar gewesen wäre.

Eine neue Richtung einschlagen

Seitdem kann jeder Tesla-Fahrer das Feature eines Fahrassistenten nutzen. Verbunden mit dem Hinweis, dass es sich um eine Beta-Software handelt, er selbst weiterhin voll verantwortlich für sein Handeln sei und die Kontrolle über sein Fahrzeug jederzeit selbst ausüben müsse.

Plötzlich verstehen wir, was autonomes Fahren bedeuten kann. Daran ändern auch einzelne tragische Unfälle nicht, die vor allem hierzulande gerne als grundsätzlicher Beleg für das Versagen einer neuen Technologie gesehen werden.

Vielleicht sollten manche Gründer und CEOs von etablierten Unternehmen bei dem schönen Sommerwetter eine Runde Pokémon Go spielen und danach im Büro eine neue Richtung vorgeben. Zum Beispiel mit diesen drei Tipps:

  1. Lieber klein anfangen – dafür aber schnell starten.
  2. Nicht warten, bis alles perfekt funktioniert, sondern im laufenden Betrieb nachbessern
  3. Experten auch mal ignorieren: Wenn eine Idee einen Nerv trifft, dann setzt sie sich durch – auch wenn niemand damit gerechnet hat – oder gerade deswegen.