Das Start-up hilft Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement – und verbindet ein mobiles Labor mit Telemedizin. Die Sana-Klinken kommen als Investor dazu.

Die Mini-Praxis zieht für ein paar Tage in die Niederlassung ein – und braucht für ihren Check-up nicht viel mehr als 10 Quadratmeter Fläche: Das Start-up Wellabe schickt zum Auftakt der Zusammenarbeit mit Unternehmen ein mobiles Labor samt Personal in die Firmen. Auf Wunsch können Mitarbeiter dann dort während der Arbeitszeit ihre medizinischen Werte erfassen, vom Lungenfunktionstest bis zur Blutanalyse. „Damit ist das Gesundheitsangebot maximal so weit weg wie die Kaffeemaschine“, wirbt Wellabe-Mitgründer Michael Theodossiou. Die digitale Komponente folgt im Anschluss: Über ein Videogespräch schätzt ein Mediziner die Daten der Mitarbeiter ein – und schlägt mögliche digitale Präventionsprogramme vor, die etwa die Ernährung oder die Haltung verbessern könnten.

Mit diesem Angebot mischt das Start-up seit knapp zwei Jahren unter den zahlreichen Anbietern des betrieblichen Gesundheitsmanagements mit. Die medizinische Betrachtung als Ausgangspunkt soll ein möglichst individuelles Angebot für die Mitarbeiter ermöglichen: „Es geht sowohl um das persönliche Verhalten als auch um die Verhältnisse im Betrieb“, sagt Theodossiou. Für die Präventionsangebote kooperiert Wellabe mit anderen Anbietern, die konkrete Programme oder Therapien entwickelt haben.

Attraktive Arbeitgeber dank Gesundheits-Extra

Die Rechnung für den Gesundheitscheck und das folgende Angebot zahlen die Unternehmen, in manchen Fällen unterstützt von Krankenkassen. Der Arbeitgeber, so betont Theodossiou, könne jedoch niemals Rückschlüsse auf individuelle Mitarbeiter ziehen. Im Fokus des Start-ups stehen aktuell Firmen ab etwa 500 Mitarbeitern – weil dort das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) häufiger verankert sei: „Es muss ein gewisses Grundverständnis dafür da sein, dass man in die Gesundheit seiner Angestellten investiert“, sagt Theodossiou. Zu den ersten Referenzkunden von Wellabe gehören etwa die Deutsche Bahn, Allianz oder Amazon.

Insgesamt gewinnt BGM an Bedeutung. Zum einen wollen Unternehmen verhindern, dass durch vermeidbare Erkrankungen teure Fehltage entstehen. Zum anderen nutzen die Firmen solche Zusatzangebote, um sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren – ähnlich wie es mit subventionierten Sportprogrammen oder Coachingmöglichkeiten geschieht. Corona hat in manchen Fällen diesen Trend sogar noch verstärkt.

Drei Millionen für Wellabe

Umgekehrt hat die Pandemie das Wachstum von Wellabe ausgebremst, das 2018 aus dem damaligen Accelerator der Allianz ausgegründet wurde. Einige Projekte wurden verschoben, weil Unternehmen im Jahr 2020 komplett in den Homeoffice-Modus gewechselt waren. Viele sollen jedoch in diesem Jahr nachgeholt werden, sagt Theodossiou. Eine Ende des vergangenen Jahres abgeschlossenen Finanzierungsrunde verleiht dem Start-up mehr Spielraum. Insgesamt drei Millionen Euro kamen von Investoren zusammen. Die bisherigen Gesellschafter Earlybird, Paua Ventures und Plug and Play beteiligten sich dabei erneut.

Neu dazu kamen die Sana-Kliniken, nach eigenen Angaben die drittgrößte deutsche private Klinikgruppe. Neben dem finanziellen Investment soll die Partnerschaft auch inhaltlich ausgebaut werden: Man betreue seit Jahrzehnten Menschen mit unterschiedlichsten Erkrankungen, sagt Sana-Chef Thomas Lemke. Das gemeinsame Präventionsangebot von Wellabe und Sana „setzt früher an und hilft, einen Teil dieser Erkrankungen zu verhindern.“

In Zukunft könnte sich die Zusammenarbeit noch erweitern, so Theodossiou. Denn immer wieder werden bei den medizinischen Checks am Arbeitsplatz Erkrankungen festgestellt. „Wir wollen die Patient Journey ein Stück weit verlängern, da wären auch medizinische Leistungen im Rahmen der Telemedizin denkbar.“ Wellabe mit Sitz in München und aktuell 15 Mitarbeitern ist bereits als Medizinprodukt zertifiziert – der erste Schritt hin zu einer erstattungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendung ist so bereits gemacht.