Der Company Builder von Viessmann startet ein neues Programm, um hochtechnisierte Start-ups zu gründen. Im Fokus stehen dabei Gründungswillige aus dem Mittelstand.

Starthilfe für Technik-Themen: Seit 2016 schiebt der in Berlin ansässige Company Builder WattX Gründungen mit an. Jetzt schreibt das Team, hinter dem Geld des Familienunternehmens Viessmann steckt, ein neues Inkubator-Programm aus: „Voltage“ richtet sich insbesondere an potenzielle Gründer, die eine Idee aus dem Bereich Deeptech mitbringen – dazu zählen Technologien wie Blockchain, Machine Learning, aber auch das Internet der Dinge.

Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer sprechen WattX-Chief Operating Officer Martin Mittermeier und Cheftechnologe Martin Unger darüber, wieso sie sich auf die Suche nach externen Ideengebern machen – und wieso sie die gerade aus dem deutschen Mittelstand abwerben wollen.

Vorher lag der Fokus bei WattX bereits auf Hardware und Internet-of-Things-Themen. Warum jetzt ein explizites Inkubator-Programm für Deeptech-Start-ups?
Mittermeier: Der neue Inkubator ist eine Erweiterung dessen, was wir schon seit 2016 machen. Seitdem ist eine Erkenntnis gewachsen, dass viele potenzielle Gründer mit einem anderen Risikoprofil existieren. Es gibt eine große Zahl von unternehmerisch denkenden Personen, die Lösungen für komplexe Probleme entwickeln wollen – aber die bereits ein Haus abbezahlen müssen und eine Familie ernähren müssen. Denen bieten wir einen deutlich sicheren Start.

Das soll reichen?
Unger: Wir bieten ein Team von 30 Mitarbeitern, die bei der Gestaltung der Nutzererfahrung, Anwendungsprogrammierung, Data Science, Personalsuche und Geschäftsentwicklung helfen können – und zudem bieten wir den Gründern eine unternehmerische Chance. Wir wollen an den neu gegründeten Unternehmen eine Minderheitsbeteiligung halten, die grobe Marschrichtung sind dabei 25 Prozent. Und dafür bieten wir im ersten Schritt 250.000 Euro und dann nach sechs Monaten noch einmal 750.000 Euro. Damit sichern wir für etwa eineinhalb Jahre die Finanzierung ab und geben dem jungen Unternehmen die Möglichkeit am Markt Fuß zu fassen. 

Dabei verzichten Sie auf regelmäßige Programmlaufzeiten und wollen laufend Gründer erreichen. Wieso?
Unger: Wenn man in solchen festgelegten Batches arbeitet, erreicht man immer nur die Leute, für die ein bestimmter Zeitpunkt gerade passt. Das wollen wir vermeiden.

Droht der Inkubator so nicht überrannt zu werden?
Mittermeier: Wir haben die Ressourcen, um am Anfang helfen zu können – aber die sind keineswegs unbegrenzt. Wenn wir realistisch sind, wird sich die Anzahl der vielversprechenden Projekte wahrscheinlich auf etwa vier im Jahr beschränken. Es gibt zwar viele andere spannende Ideen, aber häufig fehlt dort ein Markt.

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Woher sollen die Bewerber kommen?
Unger: Es gibt gerade im Mittelstand viele Menschen, die ein Problem gefunden haben und es lösen wollen. Aber das ist in den vorhandenen Strukturen häufig schwierig. Wenn die Lösung nicht zum Kerngeschäft der Unternehmen gehört, fehlt oft die Unterstützung der Vorgesetzten.

Experimentieren nicht genügend andere Mittelständler mit Inkubatoren?
Unger: Viele Mittelständler kämpfen schon damit, neue Einheiten aufzubauen, die nicht mit Blick auf das Kerngeschäft arbeiten. Das wollen wir unbürokratisch mit einem agil arbeitenden Team hinkriegen. Das Interesse aus dem Mittelstand, so etwas auch als Company-Building-as-a-Service anzubieten, ist groß. Das langfristige Ziel von WattX wird auch sein, mehr Partner aus dem Mittelstand zu involvieren. 

Stört dabei nicht die eigene Nähe zum Familienkonzern Viessmann?
Mittermeier: Wir bauen Unternehmen, die explizit nicht im Kerngeschäft von Viessmann liegen. Das wird in einer eigenen internen Digitaleinheit gemacht. Aber auch, wenn wir langsam als eigenständige Marke wahrgenommen werden, müssen wir diese Botschaft noch stärker in den Markt hineintragen.

Welche Aufgabe haben Sie dann in der Viessmann-Welt?
Mittermeier: Unser Ziel ist es, zur Diversifikation des Portfolios beizutragen und einen finanziellen Gewinn zu erzielen. Ob das durch den Verkauf von Start-ups an einen strategischen Investor geschieht oder durch andere Exit-Kanäle, ist für uns erst einmal zweitrangig. Im Mittelstand muss man sich eingestehen, dass es länger dauern kann, bis B2B-Geschäftsmodelle richtig an Fahrt aufnehmen. Wir haben da durchaus den Rückhalt, länger dabei zu bleiben – wir müssen nicht zwangsläufig nach fünf Jahren raus.