In der Höhle der Löwen gab es für Math42 kein Investment. Für Maxim und Raphael Nitsche war das kein Problem. Sie hatten längst einen gefunden.

Die gute Nachricht kam kurz vor Weihnachten: Die Familie Klett, die hinter dem gleichnamigen Bildungsverlag steht, steigt bei der Nachhilfe-App mit einem sechsstelligen Betrag ein. Das war allerdings nicht ganz so viel, wie die beiden Brüder in der Höhle der Löwe gefordert hatten. Damals verlangten Maxim und Raphael Nitsche zwei Millionen Euro – und scheiterten, wenn auch nur knapp. Sie erhielten nämlich ein Angebot von Frank Thelen und Vural Öger, aber am Ende kam es zu keinen Investment. Das lag nicht zuletzt an der Gesellschafterstruktur des Familien-Start-ups: Damals war noch der Vater der eigentliche Chef von Math42 ist und er in der Sendung nicht dabei war, wollten die „Löwen“ nicht investieren. Mittlerweile sind Maxim Nitsche und sein Vater gemeinsam Geschäftsführer. Der Auftritt in der Höhle der Löwen aber hat eine Welle der medialen Aufmerksamkeit losgetreten – und auch einige Angebote waren darunter.

“Am Tag nach war es eigentlich wie am Tag vor der Ausstrahlung: Wir haben Math42 verbessert, die Verhandlungen zu unserer ersten Finanzierungsrunde abgeschlossen und an unserem neuen Produkt — dem Math42 API  — gearbeitet”, sagt Maxim Nitsche rückblickend. “Der einzige Unterschied war die mediale Aufmerksamkeit, die plötzlich auf einen zukam: Die meisten großen Medien haben über uns berichtet: Wirtschaftswoche, Focus, Stern, Bild, Markus Lanz Show — plötzlich wurde man auf der Straße erkannt.”

Durch diese Medien-Präsenz kamen auch einige Investoren auf die Brüder zu, die sagten:  “Wenn es die Löwen nicht machen, dann machen es wir.” Daraus wurde aber nichts. “Wir wussten sehr genau, dass wir einen Investor brauchten, der das Geschäft versteht und in der Branche alle kennt: Dieser Investor ist Klett”, sagt Nitsche.Der Kontakt zum Verlag kam bereits vor zwei Jahren zustande; “Wir haben dann immer mal wieder über eine Kooperation geredet und als es schließlich dazu kam, dass wir ein Finanzierungsrunde machen wollten, sind wir natürlich sofort mit David Klett im Gespräch gewesen.” Der Verlag hält nun 6,25 Prozent an dem Start-up. Die Klett Gruppe, bei der Michael Klett im Aufsichtsrat sitzt, zählt zu einem der größten Bildungsunternehmen in Deutschland. Der Konzern, zu dem 56 Töchter wie etwa der Ernst Klett Verlag gehören, beschäftigt knapp 2900 Mitarbeiter und hat 2014 einen Umsatz von 460 Millionen Euro erzielt.

Mit dem frischen Geld soll das Produkt weiter entwickelt werden, darunter der Math42 API, eine Technologie als Schnittstelle für Bildungsunternehmen, um so auch neue Produkte anzubieten. Jede Aufgabe in einem digitalen Lernprodukt wird dabei Schritt-für-Schritt erklärt und etwa durch Graphen veranschaulicht. Die Finanzierung ermögliche es, „weltweit und über alle Plattformen hinweg zu expandieren“, hieß es damals in einer Mitteilung von Math42.

Maxim und Rapahel Nitschen haben Anfänge der App schon als Teenanger entwickelt, als sie selbst Nachhilfe gaben. „Unsere Schüler stellten einfach immer wieder die gleichen Fragen“, so Maxim Nitsche. Mit ihrer App wollten sie diese Fragen beantworten. Mit gerade einmal 14 beziehungsweise 15 Jahren präsentierten die Brüder ihrem Vater ihre Geschäftsidee. Dieser verlangte einen Businessplan von seinen Söhnen. Ein halbes Jahr und 90 Seiten Geschäftskonzept später starteten sie mit Math42, noch einmal dreieinhalb Jahre später gingen sie mit der App auf den Markt.

2016 soll es die App dann auch auf Android-Betriebssystemen und im Web geben, ” um tatsächlich alle Schüler weltweit anzugehen.” Außerdem wolle das Unternehmen – nach eigenen Angaben – viel für Flüchtlinge machen, in dem Kooperationen mit anderen Organisationen und Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Das scheint anzukommen, nicht nur im Appstore gehört die App nach wie vor zu einer der beliebtesten Apps, auch die Sendung, in der die Nitsche-Brüder auftreten, hat besonders viele Menschen interessiert: “Unsere Sendung bei der Höhle der Löwen hatte knapp 2,5 Millionen Zuschauer — gegenüber einem Durchschnitt von 1,9 Millionen. Die Medien-Präsenz hatte einen unglaublichen Download-Spike zur Folge: Wir hatten in der Woche der Ausstrahlung über 250.000 Downloads in Deutschland”, sagt Maxim Nitsche.