Start-ups haben es schwer in der Anfangsphase Erfolge zu melden. Deshalb werden Gründer erfinderisch. Doch das ist keine gute Idee.

In der Start-up-Szene scheint es mehr Marktführer als Märkte zu geben: Zugegeben, Presseagenturen und Gründer ohne große Marketingabteilungen werden bei ihren Pressemitteilungen einfallsreich. Aber es ist auch eine ihrer Kernaufgaben, das eigene Unternehmen möglichst gut darzustellen. Mit welcher Unverfrorenheit manche Gründer ihre Geschichten aufhübschen ist jedoch erstaunlich – um nicht zu sagen dämlich, fast schon leichtsinnig.

Ein junger Gründer berichtete neulich auf einer Pitch-Veranstaltung voller Stolz, wie er einen neuen Partner gewonnen hat: In der Präsentationsfolie unter „Kooperationen“ baute er das Logo eines Dax-Konzerns ein, bei dem er sich lediglich einmal vorstellen durfte. Der neue Partner hakte nicht nach, sondern beeilte sich vielmehr, als kleinerer Player auch mit an Bord zu sein. Ob diese Partnerschaft von Dauer sein wird, darf bezweifelt werden. Bei einem kundigen Investor dürfte solch ein Schwindel bei den Plausibilitätschecks auffallen. Aber leider lassen sich auch noch zu viele potentielle Investoren von großen Namen oder einem eloquenten Gründer täuschen.

Cleverer ist es hingegen schon, wenn junge Unternehmen statt der absoluten Kundenzahl die Wachstumsrate gegenüber der Presse kommunizieren. Das bedeutet nämlich auch, dass Gründer schon ab dem zweiten Kunden von einer dreistelligen Zuwachsrate sprechen.

Natürlich helfen solche Taschenspielertricks nicht dabei, dass das eigene Unternehmen langfristig erfolgreich wird. Jedoch wird so eine typische Journalistenfrage wahrheitsgemäß beantwortet, ohne sich gleich komplett in die Karten blicken zu lassen.

Noch besser wäre es aber, wenn Gründer zunächst hart arbeiten und dann mit wirklichen Erfolgsmeldungen in die Öffentlichkeit treten. Aber auch die Medien haben einen Anteil an dem Problem: Wenn sie Start-ups ganz zu Beginn hochjubeln, dann kann es ganz schnell eine Eigendynamik entwickeln, die Gründer kaum aufhalten können. Durch die viele Aufmerksamkeit können Start-ups den Fokus verlieren und beschäftigen sich folglich nicht mehr mit ihrer wichtigsten Aufgabe: Die eigene Idee zu etwas weiterzuentwickeln, dass der Nutzer liebt und daher dann regelmäßig nutzt.

Zusätzlich steigt der öffentliche Erwartungsdruck. Bestand die erste Pressemitteilung aus Halbwahrheiten, ist der nächste Schritt zur Lüge nicht mehr weit. Selbst wenn ein Teil glasklarer Lügen, mangels Zeit für Hintergrundrecherchen von der Presse unentdeckt bleiben würde, sollten sich Start-ups an die Wahrheit halten. Denn kein junges Unternehmen kann es sich leisten, Vertrauen zu zerstören. Denn so sagt das Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.