Aufsteiger unter den jungen Technologiefirmen kommen oft nur außerhalb der EU an hohe Summen, zeigt eine Studie. Vor allem ein Land rückt bei Mega-Deals in den Fokus.

Unter den finanzstärksten Investoren bei europäischen Tech-Scale-ups sticht ein Name heraus: Der japanische Konzern Softbank mit seinem Vision Fund ist verantwortlich „für einen massiven Zufluss von Later-Stage-Finanzierungen in Europa“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Marktforschungsunternehmens Tech.eu und des Zahlungsdienstleister Stripe, die Anfang der Woche den Report „Blooming Late“ veröffentlicht haben. Für den Bericht wurden öffentlich bekannte Wachstumsfinanzierungen europäischer Tech-Unternehmen ab 2013 analysiert (hier geht es zum Report).

Ganze vier Milliarden Euro an Kapitalspritzen gehen demnach allein in den vergangenen vier Jahren auf Softbank zurück. Mit weitem Abstand auf Platz zwei landet der US-Investor Insight Venture Partners, der in der Zeit rund 1,4 Milliarden Euro in europäische Tech-Scale-ups steckte.

Großbritannien noch an der Spitze

Insgesamt verweist der Report auf den hohen Stellenwert des Kapitals aus der Ferne: So stammen der Auswertung zufolge 75 Prozent der Mittel aus Later-Stage-Runden von außerhalb der EU. An großen Finanzierungsrunden über 100 Millionen Euro beteiligen sich insbesondere Investoren aus den USA, Japan, Südafrika, Hongkong, Singapur und China – sechs von zehn der aktivsten Geldgeber bei Mega-Deals stammen nicht aus Europa.

Was die Finanzierungsmöglichkeiten allein auf dem Kontinent angeht, hat Großbritannien in den vergangenen vier Jahren die stärkste Beteiligung an Later-Stage-Runden zu verzeichnen – insgesamt 30 Unternehmen stellten Wachstumskapital zur Verfügung. Frankreich kann in der Kategorie immerhin 20 besonders aktive Investoren vorweisen, Deutschland dagegen 17.

Börsengänge verlieren an Bedeutung

Im laufenden Jahr sehen die Marktforscher die Wachstumsfinanzierungen in Europa auf Rekordkurs. Bei 52 Transaktionen kamen in den ersten drei Quartalen jeweils mehr als 100 Millionen Euro zustande – etwa für den Lieferdienst Deliveroo, die Smartphonebank N26 oder den Zahlungsdienstleister Klarna. Auf ein Volumen von insgesamt zwölf Milliarden Euro kommen Tech.eu und Stripe in ihrem Bericht für die ersten drei Quartale. Damit liegt das laufende Jahr bereits jetzt um das Vierfache über dem Wert von 2016 mit drei Milliarden Euro.

Auswirkungen habe das etwa auf die Bereitschaft zum Gang an die Börse, wie Tech.eu-Gründer Robin Wauters in einer Stellungnahme erklärt: „In der Vergangenheit gab es eine Lücke bei der Finanzierung von Tech-Scale-ups in Europa im Spätstadium, so dass viele von ihnen von US-amerikanischen oder asiatischen Käufern erworben oder mangels Optionen an der Börse notiert wurden.“ Diesen Schritt gehen nun immer weniger Unternehmen, wie der Report zeigt. So gab es in diesem Jahr erst fünf sogenannter Tech-IPOs, während es im vergangenen Jahr noch 21 und 2017 sogar 36 waren.