Mit Mercedes-Mietwagen und einer komplett digitalen Infrastruktur tritt das Start-up gegen große Konkurrenz an. 20 Millionen Euro sollen beim Überholmanöver helfen.

Mehr Mietwagen für Deutschland: Das französische Autovermietungs-Start-up Virtuo will im Laufe dieses Jahres auch hierzulande auffahren. Diese Expansion wird gestützt durch eine gerade abgeschlossene Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro. Das Start-up will auf mit Personal besetzte Ausleihstationen verzichten – Ausleihe, Übergabe und Öffnen der Fahrzeuge werden über eine App abgewickelt.

In Deutschland wil Virtuo in Berlin starten, eine zweite Großstadt soll bis Ende des Jahres folgen, teilt das Start-up auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer mit. Auch ein eigenes deutsches Team soll aufgebaut werden. Insgesamt arbeiten aktuell 45 Mitarbeiter für das Start-up mit Hauptsitz in Paris, bis Jahresende soll diese Zahl auf 90 steigen.

Klar ist jedoch: Die Konkurrenz auf dem Mobilitätsmarkt nimmt damit noch einmal zu. Carsharing-Dienste wie Car2go oder Drivenow setzen bereits auf einen durchgängig digitalen Ausleihprozess, im Segment der Vermittlungsplattformen von Privatwagen wie Turo ist die Entscheidung noch nicht eindeutig gefallen.

App statt Ärger beim Abholen

Virtuo zielt dagegen auf den klassischen Mietwagenmarkt mit Ausleihen, die üblicherweise zwischen einem Tag und einem Monat liegen. Auch hier sehen sich die Franzosen jedoch gut gegenüber der Konkurrenz aufgestellt: Anbieter wie der deutsche Marktführer Sixt betrieben lediglich digitale Dekoration mit ihren Apps, sagt Virtuo-Mitgründer Karim Kaddoura gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Man wolle die „Horrorerlebnisse des Mietwagenmarktes“, wie etwa langes Schlangestehen und zusätzliche Versicherungspakete, abschaffen.

Der Fokus auf digitale und mobile Prozesse ermögliche einen viel flexibleren Geschäftsaufbau. So arbeite man in der Regel mit selbstständigen Reinigungskräften zusammen und könne bei einem hohen Bedarf – etwa bei Festivals oder Kongressen – auch kurzfristig „Pop-up-Mietwagenstationen“ errichten.

Das zeigt jedoch: Ganz ohne physische Präsenz funktioniert es gerade im Mietwagen-Geschäft nicht. Zum einen gibt es aktuell in Frankreich, Belgien und Großbritannien 30 Stationen, die nach eigenen Angaben häufig in der Nähe von Flughäfen oder Bahnstationen zu finden sind. Neben Deutschland soll auch Spanien in diesem Jahr erschlossen werden. Dazu kommt eine Fahrzeugflotte von aktuell 1000 Autos, die bis Ende 2019 auf 3000 ansteigen soll. Virtuo setzt ausschließlich auf Modelle von Mercedes – die seien ideal für Langstreckenreisen, heißt es von Seiten des Start-ups.

Mehr Mercedes als Mietwagen

Das bindet viel Kapital. Zehn Millionen Euro hatte Virtuo bereits eingesammelt, jetzt kommen noch einmal 20 Millionen Euro dazu. Das Geld stammt unter anderem von den Risikokapitalgebern Raise Ventures sowie dem Bestands-Investor Balderton Capital.

Angeführt wird die aktuelle Finanzierungsrunde von Iris Capital. Der französische Risikokapitalgeber mit zahlreichen Büros weltweit kennt den deutschen Markt durch seine Investments gut. Iris Capital ist hierzulande unter anderem am Software-Start-up LeanIX und dem Marketing-Spezialisten Talon.one beteiligt. Man habe ein „scharfes Auge auf neue Unternehmen geworfen, die Mobilität verändern“, lässt sich Partner Stéphane Pesqué in einer Pressemitteilung zitieren. Und ein leichter Zugang zu diesen Angeboten – wie es Virtuo mit dem Fokus auf die App ermöglichen – sei der entscheidende Schlüssel für den europäischen Markt.