Von Schwierigkeiten berichtete vor einigen Wochen auch die in New York lebende Macherin der Website “MakeLoveNotPorn”, Cindy Gallop. Essei wahnsinnig schwer, für ein Sex-Start-up Geld bei Banken oder Investoren zu sammeln. Ihr Schmuddelimage legt die Branche scheinbar nur sehr langsam ab. Berlin mit seiner liberalen Atmosphäre und seinem gut entwickelten Öko-Start-up-System könnte aber vielleicht zum Zentrum der Sex-Technologieunternehmen werden.

Bei Gründern löst die Bezeichnung “Sex-Unternehmen” dagegen eher Unbehagen aus. Pia Poppenreiter möchte explizit nicht, dass ihre Appmit Sex in Verbindung gebracht wird. Ohlala vermittelt bezahlte Dates. Das funktioniert so: Männer beschreiben, was sie wann suchen und wie viel Geld sie dafür bezahlen möchten. Interessierte Frauen können sich daraufhin binnen 21 Minuten vorstellen, der Mann wählt aus. “Wir wissen nicht, was während eines Dates passiert”, erklärt Poppenreiter. Das bleibe privat.

Amorelie-Gründerin Cramer verortet ihr Start-up im Bereich Lifestyle und Schönheit. “Wir sind eine Plattform für alles, was intim, sinnlich und körperlich ist”, sagt sie. “Für uns ist Sexualität nicht das eine herausragende Element, sondern ein ganz normaler Baustein in unserem Leben.” Diese Offenheit habe geholfen, unproblematisch Investoren zu finden und Amorelie nach nur zwei Jahren mehrheitlich an den Medienkonzern ProSiebenSat.1 zu verkaufen.

Für die Gründer von Einhorn kommt ein schneller Exit nicht in Frage. Die Berliner Kondomhersteller haben es sich auf die Fahne geschrieben, 50 Prozent ihrer Gewinne zu reinvestieren – in soziale und nachhaltige Projekte wie einen natur- und tierfreundlichen Kautschukanbau. Außerdem sollen die Arbeitsbedingungen und Löhne aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten verbessert werden. Die Kondome bestehen aus Naturkautschuk – und sind vegan. Sind das nicht
alle Kondome? Nach Angaben von Einhorn geben manche andere Hersteller ein Milchprotein als Weichmacher dazu.

Ähnlich wie die Amorelie-Gründer haben auch die Einhorn-Macher den Anspruch, ihr Produkt aus einer schambehafteten Nische zu holen. “In den Supermarktregalen stehen die Kondome meist irgendwo zwischen Tampons, Waschmittel und Klopapier”, sagt Gründer Philip Siefer. “Dabei soll Sex doch etwas sein, was nicht schmuddelig ist.” Die klassischen Kondome steckten außerdem in Verpackungen, die Zigarettenschachteln ähneln. Einhorn verkauft seine Kondome daher in kleinen Tüten mit lustigem Design, etwa aufgedruckten Pommes.