Weil immer mehr Deutsche ihr Liebesglück online suchen, sehen Start-ups darin ein lohnenswertes Geschäftsfeld.

Eigentlich hat Angela Gutser beim Gründen ihres Start-ups vor allem an ihr eigenes Liebesglück gedacht, besser gesagt, an das nicht vorhandene Liebesglück. Was andere nicht schaffen, gelingt mir vielleicht im Alleingang, dachte sich die 33-Jährige als sie im Juni 2015 nach fast einjähriger Planungszeit die Dating-Plattform „Unverbluemt“ an den Start brachte.

Seit einigen Jahren suchte sie bereits nach einer ernsthaften Partnerschaft, nach einem Mann, mit dem sich auch ihr Kinderwunsch erfüllen ließe, doch auf den gängigen Plattformen wurde sie nicht fündig. „Ich war in mehreren Portalen aktiv, doch meinen Ansprüchen wurde kein Kontakt gerecht. So entstand Idee selbst ein Portal zu erschaffen, welches meinen Wünschen und somit auch den Wünschen vieler anderer Frauen und Männer in meiner Situation entspricht. Viele Singles haben einen echten Leidensdruck und wollen nicht dauerhaft zum Spaß sexy Fotos hin und herwischen.“

Darum schuf sie bei Unverbluemt den Kinderwunsch-Button, mit dem das Portal heute wirbt und mit dem es sich von den zahlreichen anderen Anbietern abheben möchte. „Durch die Pflicht-Angaben Ja, Nein oder Vielleicht wissen beide potentiellen Partner, ob die Erwartungshaltung auf beiden Seiten übereinstimmt“, erklärt Angela Gutser.

So gibt es am Ende kein böses Erwachen, wenn es nach einigen Wochen des virtuellen Kontakts zum ersten Treffen kommt und sich herausstellt, dass der eine Teil des potentiellen Paares bereits von einem Eigenheim mit Garten für den Nachwuchs träumt, der andere sich Kinder – wenn überhaupt – jedoch erst in fünf bis zehn Jahren vorstellen kann.

Mehr als 2000 Dating-Portale

Unverbluemt ist das neueste von rund 2000 Dating-Portalen in Deutschland – eine Art Anti-Tinder für Menschen, die ernsthafte Beziehungsabsichten hegen. In dieselbe Richtung arbeitet auch Sabine Bächer, seit sie im Dezember 2010 ihre Partnervermittlungsplattform „Match-Patch“ gründete. Auch sie suchte im Internet nach einer ernsthaften Beziehung, fand aber nur Spaß und unverbindliche Treffen.

„Als ich mich dann ungeplant in einen Mann mit Kind verliebte, wurde mir bewusst, wie schwierig es für familienorientierte Singles ist, im Dating-Dschungel ein passendes Gegenstück zu finden. Alleinerziehende merken zum Beispiel, dass die Angabe ihrer Kinder die Chancen auf eine Partnerschaft mindert und Singles mit Kinderwunsch lernen, dass sie zwar schnell Sex haben können, aber keine Familie.” Also schuf sie ein Portal, das genau diese Kunden anspricht. Match-Patch, die “Plattform für Singles mit Familiensinn”, wie Sabine Bächer sie beschreibt, hat mittlerweile 43.000 Registrierungen.

Der Markt der Dating-Portale bietet auf den ersten Blick großes Potential. „Bereits ein Drittel aller in den letzten Jahren gebildeten Paare haben sich über das Internet kennengelernt, und diese Zahl wird sich in Zukunft noch steigern“, sagt Manfred Hassebrauck, Sozialpsychologe und Beziehungsforscher an der Universität Wuppertal. Einfach ist es für Start-ups in dieser Branche dennoch nicht. „Es gibt bereits eine ganze Reihe sehr bekannter und etablierter Angebote mit hohem Marktanteil, die auch mit groß angelegten Werbekampagnen auf sich aufmerksam machen.“

„Familienorientierte Singles bevorzugen spezialisierte Anbieter“

Trotz dieser Skepsis, Angst vor der Konkurrenz haben die Gründerinnen nicht: „Natürlich war mir die Präsenz der Marktführer bewusst, jedoch war ich überzeugt, dass sich familienorientierte Singles auf einem spezialisierten Portal besser aufgehoben fühlen und so schneller den passenden Partner finden“, sagt Sabine Bächer.

Ähnlich sieht das Angela Gutser und fügt hinzu: „Wir sind uns sicher, dass wir in dieser Nische als Newcomer gut wachsen können.“ Dabei helfen soll auch die Videofunktion mit der Unverbluemt anstelle von Profilfotos arbeitet: „Hier kommen Energie und Herzklopfen rüber, was jedes Bild plus zahlreiche E- Mails in Sekundenschnelle in den Schatten stellt.“

Tatsächlich sei eine solche Videofunktion sinnvoll, sagt Manfred Hassebrauck, schließlich böten sie mehr Realität als ein Foto: „Und auch Merkmale wie Mimik, Gestik und nicht zu vergessen die Stimme können sofort Sympathie oder Antipathie hervorrufen. Bereits in den 90er Jahren gab es im Privatfernsehen Programme, in denen Singles sich per Video präsentierten und so auf Partnersuche gingen.“

Und so planen beide Gründerinnen unabhängig voneinander bereits den nächsten Schritt. Eine App soll den Kunden helfen auch von unterwegs aus bequem auf Partnersuche gehen zu können. „Das Erstellen und Hochladen eines Profil-Videos soll spielend leicht sein“, sagt Angela Gutser. Bisher ist die Münchnerin sehr zufrieden mit dem Interesse der Kunden an Unverbluemt, auch wenn sie genaue Anmeldezahlen nicht nennen will. Dieser Zuspruch tröstet sie auch darüber hinweg, dass sie selbst – trotz der vielversprechenden Plattform – noch immer Single ist.