Das Fintech positioniert sich als rein digitales Produkt und wirbt mit einer Balance zwischen Rendite und Sicherheit. Eine zusätzlichen Finanzspritze hilft beim Markteintritt.

Jeder sechste Deutsche sorgt gar nicht für sein Alter vor, ergab eine Umfrage des Verbraucherportals Finanztip.de im vergangenen November. Mit einem komplett digitalen Angebot will das Berliner Start-up Vantik diese Quote verbessern, vor allem in der jüngeren Zielgruppe. Nach einer langen Vorbereitungsphase öffnet das Fintech heute sein Portal – und gibt zeitgleich den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 1,4 Millionen Euro bekannt. „Wir wollen die Altersvorsorge auf das Mobiltelefon bringen“, gibt Mitgründer Till Klein im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer als Ziel aus.

Im Prinzip steckt hinter dem Produkt ein Sparplan: Nutzer zahlen monatlich Beiträge bei Vantik ein, das Geld wird in einem sogenannten ETF angelegt, der die Kursentwicklung von Aktienkursen nachempfindet. Jährlich sichert sich Vantik 1,18 Prozent der eingezahlten Summe für die Bankgebühren und den eigenen Betrieb, ein weiteres Prozent wird bei jeder Einzahlung als sogenannter Sicherheitspuffer einbehalten. Der soll garantieren, dass jeder Kunde auch bei starken Kursschwankungen am Ende mindestens seine eingezahlte Summe zurückerhält.

Fokus auf Freiberufler und Selbstständige

Das angelegte Geld darf vom Start-up nicht angerührt werden – die aktuelle Finanzierung ist daher nötig, um am eigenen Wachstum zu arbeiten. Zu den Geldgebern gehören unter anderem die Venture-Capital-Investoren Atlantic Labs und Seedcamp. Neu dabei ist jetzt auch Onvista-Gründer Stephan Schubert.

Das frische Kapital soll vor allem dem Marketing- und dem Produktteam weiterhelfen. „Wir wollen die Menschen da ansprechen, wo es relevant wird”, sagt Klein – und will mit seinem Team vor allem auf kontextbezogene Social-Media-Werbung und Weiterempfehlungsmarketing setzen.

Zugleich arbeite man neuen Funktionen wie einer sogenannten „Smart Rente“. Dahinter stecken automatische Sparregeln, die etwa jeden Monat das überschüssige Geld auf dem Gehaltskonto in den Sparplan überweisen könnten – auch andere Fintechs setzen bereits auf diese spielerische Funktion. Mit dem Fokus auf eine flexible Einzahlung zielt Vantik vor allem auf die Zielgruppe der Freiberufler und Selbstständigen. Versicherungs-Start-ups wie Clark treten ebenfalls mit digitalen Angeboten rund um die Altersvorsorge an. Durch eine Gesetzesänderung im vergangenen Jahr war zudem der Markt an Start-ups größer geworden, die sich um die betriebliche Altersvorsorge als Ergänzung zur staatlichen und privaten Rente kümmern wollen.

Hoffen auf einen europäischen Markt

An die Öffentlichkeit war Vantik bereits im vergangenen Frühjahr gegangen: 850.000 Euro hatte das Start-up da eingeworben. In den letzten Monaten hatte das zehnköpfige Team rund um Klein und seine Mitgründerin Lara Hämmerle jedoch im Verborgenen an dem Produkt getüftelt. Dabei ging es zum einen um die Benutzerführung auf der Homepage – vor allem aber auch um die notwendigen Schnittstellen zur Bank und die Umfirmierung des Fonds. „Das alles waren Features, die wirklich nicht sexy sind, aber notwendig“, sagt Klein lachend.

Registriert waren für diese Testphase nur einige hundert Kunden, wie Klein berichtet. Etwa 11.000 Interessierte hätten sich bereits eingetragen, berichtet der Gründer. Ab heute sollen sich Kunden auch direkt auf der Homepage registrieren können. Klein hofft auf etwa 10.000 Kunden bis Ende des Jahres. Insgesamt aber hofft Vantik auf einen deutlich größeren Markt: Über ein sogenanntes Pan-European Pension Product könnte man Kunden in der gesamten EU ansprechen – noch fehlt dazu aber eine endgültige Entscheidung der Union.