Valerie Bures-Bönström hat Erfahrung mit Fitnessstudios und Reha-Einrichtungen. Ihr neues Start-up will in die Wohnzimmer der Menschen. Ein US-Vorbild fürchtet sie dabei nicht.

Noch ist das neue Start-up von Valerie Bures-Bönström in der Aufwärmphase – aber bald will die Gründerin der Fitnessstudio-Kette Mrs Sporty das Tempo anziehen. Unter dem Produktnamen Vaha will sie dann Spiegel vertreiben, die in Wohn- und Schlafzimmer schick aussenen sollen – und sich auf Knopfdruck in einen Bildschirm verwandeln, über den die Nutzer mit persönlichen Fitnesstrainern verbunden werden können. „Wir wollen die Flow-Momente im Alltag maximieren“, gibt Bures-Bönström vollmundig als Devise für die neue Unternehmung aus – der Unternehmensname sei die Übersetzung von Flow in Punjabi.

Die startet mit ordentlicher Unterstützung von Investoren: Nach eigenen Angaben haben HV Holtzbrinck Ventures, der Samwer-Fonds Global Founders Capital sowie die Risikokapitalgeber TQ Ventures und RTP Global bereits einen zweistelligen Millionenbetrag in das neu gegründete Start-up hinter Vaha investiert. Dabei sind die selbst entworfenen Spiegel noch gar nicht auf dem Markt. In den kommenden Wochen sollen erste Vorbestellungen zum Preis von rund 2000 Euro möglich sein. Ab 2020 soll dann auch das digitale Trainingsangebot starten.

Fitnessstudio für die eigenen vier Wände

Denn den Reiz des Geschäftsmodells für die Unternehmerin – und vor allem die Investoren – macht der Club-Gedanke aus. Um Videokurse zur selbst gewählten Zeit nutzen zu können, ist eine Basis-Mitgliedschaft nötig, die knapp 40 Euro im Monat kosten soll. Wer sich virtuell immer mal wieder mit einem persönlichen Fitnesstrainer verbinden will, der dank einer eingebauten Kamera live Korrekturen durchgeben kann, zahlt drauf.

Eine Konkurrenz zu ihren bisherigen Gründungen sieht Bures-Bönström nicht. „Je mehr Fitnessangebote es gibt, desto spezifischer kann man sie auf die Kunden ausrichten“, sagt die Unternehmerin gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Mit dem Monats-Preis liegt Vaha etwa ein Drittel unter der Mitgliedsgebühr einiger Mrs-Sporty-Filialen. Das Fitnessstudio für Frauen hatte Bures-Bönström 2004 gestartet – über ein Franchise-System wuchs das Konzept auf mittlerweile 540 Clubs in sieben europäischen Ländern.

Komplexe Mischung aus Hardware und Software

Etwas weniger in der Öffentlichkeit steht Bures-Bönströms zweites Start-up Pixformance. Das entwickelt seit 2012 digitale Sportgeräte für Fitnessclubs, aber auf für Reha-Einrichtungen und Sportangebote für Unternehmen. Mit Vaha soll ein sehr ähnliches Konzept nun auch in Privatwohnungen wandern. Bures-Bönström sieht sich durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre gut vorbereitet: „Hardware und Software ist immer eine spannende Kombination“, sagt die Gründerin. „Wenn man damit nicht lange Jahre Erfahrung hat, ist es schwierig, schnell loszulegen.“ Das hohe Anfangs-Investment der Geldgeber hilft dabei, die teurere Hardware-Entwicklung und -Produktion vorzufinanzieren.

Klar ist: Mit dem Sport-Spiegel will sich die Unternehmerin ein Stück vom boomenden Fitness-Markt sichern. Von Fitness-Apps über Wearables bis zu teuren Trainingsgeräten versuchen die großen Sportartikelhersteller und einige Start-ups, die Branche mit digitalen Elementen aufzuladen.

US-Konkurrent arbeitet mit ähnlicher Mischung

Vaha zielt auf eine Gruppe, die eher wenig Zeit und viel Geld hat. Ganz neu ist die Idee jedoch nicht. In den USA tritt das Start-up Mirror mit der Kombination aus Heim-Bildschirm und Videokursen bereits als „nahezu unsichtbares Heim-Fitnessstudio an“. Vor der Konkurrenz hat Bures-Bönström jedoch keine Sorge: „Die Welt ist groß, es gibt immer Potenzial für mehrere Player am Markt.“

Einen ähnlichen Wettkampf gibt es bei Fitness-Abos, mit denen sich zahlreiche verschiedene Sportangebote zum Fixpreis nutzen lassen. In Deutschland ist der Urban Sports Club mit viel Investorengeldern voran gesprintet – in diesem Frühjahr brachte der US-Pionier Classpass sein Modell auch auf den deutschen Markt.