Das Unternehmen verabschiedet sich vom Carsharing. In Fokus steht nun ein Marktplatz, der Werber und Flottenbetreiber zusammenbringt.

Es waren ambitionierte Pläne, mit denen Uze Mobility gestartet war: Das in Aachen gegründete Start-up wollte elektrische Transporter kostenlos verleihen, finanziert über digitale Werbung an den Fahrzeugen. 500 Transporter waren bereits bei der Post-Tochter Streetscooter bestellt, Anfang 2019 sollte das Verleihgeschäft losgehen. Doch über ein paar Testfahrzeuge kam das Start-up nicht hinaus. Nun hat Uze Mobility angekündigt, sich vom schwierigen Carsharing-Geschäft komplett zu verabschieden – und sich zunächst auf das Werbegeschäft zu konzentrieren.

„Für uns steht im Vordergrund, digitale Geschäftsmodelle rund um Fahrzeuge zu entwickeln“, sagt Uze-Mobility-Chef Alexander Jablovski im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. „Der Aufbau einer eigenen Flotte hat uns dabei stark ausgebremst.“ So habe das Start-up mit einer fehlenden Lade-Infrastruktur gekämpft. Hinzu seien Lieferprobleme gekommen – und auch finanziell habe sich der ursprünglich eingeschlagene Weg nicht ausgezahlt.

Die neue Strategie: Uze Mobility will die selbst entwickelten digitalen Werbetafeln an Unternehmen mit bestehenden Flotten vertreiben – und sich als Marktplatz für über Displays ausgespielte Werbung an Fahrzeugen etablieren. Fest hält Uze Mobility an dem Plan, künftig auch Sensordaten zu verkaufen. Die Idee: Mit Hardware des Start-ups ausgerüstete Fahrzeuge könnten unterwegs etwa den Zustand von Straßen erfassen, Emissionen messen oder als mobile Wetterstation dienen.

Gesamtfinanzierung steigt auf 7,2 Millionen Euro

Mit dem Kursschwenk ist es dem Start-up nun gelungen, weitere Geldgeber zu finden. Dazu gehört ein Bremer Familienunternehmen um Peter Hoffmeyer, zu dem auch das Recycling- und Entsorgungsunternehmen Nehlsen gehört. Neuer Großinvestor ist zudem BPW Bergische Achsen. Das in Wiehl bei Köln ansässige Unternehmen ist auf Fahrwerksysteme für Lkw-Anhänger und Auflieger spezialisiert. Mit den neuen Investoren steigt die Gesamtfinanzierung von Uze Mobility laut Jablovski auf 7,2 Millionen Euro.

Die große Herausforderung für das Start-up, das seinen Hauptsitz zwischenzeitlich nach Bremen verlagert hat: Um für Werbetreibende attraktiv zu werden, muss das Unternehmen möglichst viele seiner E-Ink-Displays an Fahrzeugen von Flottenbetreibern vertreiben. Für die ist die Technik aber erst mit Anzeigenkunden interessant – ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ursprünglich wolle Jablovski durch hunderte Carsharing-Fahrzeuge eine kritische Masse erreichen.

Start im Rheinland

Stattdessen bearbeitet Uze Mobility nun Speditionen und Lieferdienste, mit ersten Displays loszulegen. Erste Zusagen gibt es laut Jablovski bereits. Im Frühjahr sollen 150 bis 200 Einheiten an Fahrzeugen in Köln und Düsseldorf angebracht werden. Schaffen die Unternehmen selbst Werbepartner heran, sollen sie 80 Prozent der Erlöse behalten dürfen. Hat Uze Mobility die Anzeigen selbst verkauft, erhalten die Flottenbetreiber nur 20 Prozent der Erlöse.

Attraktiv soll die Werbemöglichkeit vor allem für regionale Unternehmen sein, die potenzielle Kunden gezielt in bestimmten Straßen auf sich aufmerksam machen wollen. So könnte etwa ein Supermarkt in seinem Einzugsgebiet auf Sonderangebote hinweisen. Bei einem Pilotversuch in Bremen mit 50 Fahrzeugen konnte Uze Mobility unter anderem die Sparkasse, die Autovermietung Starcar und die Finanzberatung WBM Finanz für sich gewinnen.

Kooperationen mit Konkurrenten

Uze Mobility will künftig aber auch große Unternehmen ins Visier nehmen, die überregional werben wollen. Um die Reichweite zu erhöhen, arbeitet das derzeit 32 Mitarbeiter große Start-up derzeit an Kooperationen mit anderen Unternehmen, die ebenfalls digitale Werbetafeln an Fahrzeugen betreiben. Gespräche gibt es laut Jablovski etwa mit Firefly, das vor allem Taxis und Wagen von Fahrtenvermittlern wie Uber mit auf Dackgepäckträgern montierten Werbedisplays ausstattet. Das US-Start-up hatte im vergangenen Mai eine 30 Millionen Euro schwere Series-A-Finanzierungsrunde angeschlossen, wie Techcrunch berichtete. Zu den Investoren dort gehört auch GV, der Wagniskapitalarm von der Google-Mutter Alphabet.

Relevante Anbieter in Deutschland sind etwa das aus „Die Höhle der Löwen“ bekannte Start-up Roadads Interactive, Paxmove aus dem niedersächsischen Solta, Car2Ad aus Berlin und Taxi-Ad aus Hamburg. Jablovski ist optimistisch, dass sich viele Wettbewerber seinem Marktplatz anschließen. „Alle haben erkannt, dass sie alleine nicht auf die kritische Masse an Displays kommen.“ Uze Mobility biete den Unternehmen zusätzliche Erlösmöglichkeiten.