Start-ups aus Ostdeutschland bekommen selten Aufmerksamkeit. Zu unrecht: Ihre Ideen sind oft einzigartig – und viel Geld wert.

Gemeinsam mit einer Wirtschaftsdelegation ist Iris Gleicke, die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, gerade in den USA. Sie will dort um Wagniskapital für ostdeutsche Gründer werben: „Ostdeutschland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem hervorragenden Start-up-Standort entwickelt“, sagt Gleicke, „und das spricht sich allmählich auch im Ausland herum.“ Begleitet wird die Staatssekretärin von ostdeutschen Start-ups, die ihre Ideen auf der jährlich stattfindenden Konferenz TechCrunch Disrupt vorstellen. Diese deutschen Hidden Champions sind mit dabei.

Bubbles & Beyond GmbH (Leipzig)

Der High-Tech Gründerfonds unterstützte Gründer Dirk Schumann anfangs mit einer halben Million Euro für sein Produkt. Der Chemiker hatte einen Stoff entwickelt, der etwa Graffiti von Oberflächen entfernt und dabei komplett ohne giftige Stoffe auskommt. Doch das war erst der Anfang: Außerdem entwickelte Schumann gemeinsam mit seinem Team ständig neue Stoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung, die Schmutz entfernen. Zu den Kunden von Bubbles & Beyond gehört mittlerweile nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch Beiersdorf.

CommSolid (Dresden)

Als der US-Halbleiterkonzern Intel sein Entwicklungszentrum in Dresden im Sommer 2015 schloss, gründeten ehemalige Ingenieure CommSolid. Ziel des Unternehmens: innovative und energiesparende Konzepte für das Internet der Dinge – damit selbst kleine Geräte und Sensoren ohne externe Stromversorgung mit dem Internet verbunden sind. Im Juli schloss das Start-up seine erste Finanzierungsrunde ab, unter anderem mit dem High-Tech Gründerfonds und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen.

Data Virtuality (Leipzig)

Das Start-up Data Virtuality hat eine Software entwickelt, die Daten aus verschiedenen Quellen schnell zusammenführt. Die Gründer Nick Golovin und Karsten Beyer wollen damit die Kosten ihrer Kunden um bis zu 80 Prozent verringern.

Siltectra GmbH (Dresden)

Das 2010 gegründete Start-up Siltectra hat ein Verfahren entwickelt, das den Siliziumverbrauch etwa in der Mikroelektronik oder der Solarindustrie rapide senken soll. Dafür werden sogenannte Wafer, also dünne Scheiben aus einem Halbleitermaterial, mit Hilfe von Kunststoff und Kälte gespalten. Das spart Material, Abfall und Zeit.

siOPTICA (Jena)

Das Unternehmen aus dem thüringischen Jena hat sich auf Sichtschutzfilter für Displays spezialisiert. Diese kommen etwa bei Geldautomaten, Tablet-PCs und Smartphones zum Einsatz. Den Pin-Code oder andere Geheimnisse mitzulesen, wird dann beinahe unmöglich. Markus Klippstein, Ambrose Peter Nari und Ravi Srivastava gründeten siOPTICA 2013, ihren ersten Filter zeigte das Trio 2014 auf der Cebit – damals noch mit einem Prototyp. Anfang des Jahres konnten sie das taiwanesische Unternehmen DataImage als Kooperationspartner gewinnen. Künftig will das Unternehmen sein Produkt weiterentwickeln, die ersten Jahresumsätze lagen im unteren sechsstelligen Bereich.

Slock.it (Mittweida)

Simon und Christoph Jentzsch sowie Stephan Tual haben bereits wichtige Partner an ihrer Seite. Mit ihrer Blockchain-Technologie konnte das Start-up slock.it etwa RWE gewinnen. Der Konzern will damit den Betrieb an den Ladestationen verbessern.

Sonovum AG (Leipzig)

Der Ingenieur Miroslaw Wrobel gründete das Unternehmen 2012, um Unsichtbares sichtbar zu machen. Sonovum entwickelt mobile Geräte zur Überwachung von Hirngewebestrukturen. Als einziges Unternehmen weltweit können die Leipziger mit Hilfe ihrer Technologie schon kleinste Veränderungen in der Struktur des Gehirns erkennen. Beim Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft schaffte es das Start-up damit unter die Finalisten.

Sunfire GmbH (Dresden)

Aus Wasser und Kohlendioxid und mit Hilfe von Ökostrom will das Dresdner Start-up Sunfire künftig flüssige Kraftstoffe herstellen. Die Folge: Deutschland würde unabhängiger vom Erdöl und obendrein noch den CO2-Ausstoß senken. Der Bund war so begeistert, dass er das Projekt mit über sechs Millionen Euro förderte, weitere vier Millionen Euro kamen aus der Industrie. Das Unternehmen wurde bereits 2010 gegründet und begann 2013 mit dem Bau der Pilotanlage, die im vergangen Jahr eröffnet wurde. 2016 will das Unternehmen mit der industriellen Vermarktung des Ökosprits beginnen. Ein Liter des synthetischen Kraftstoffes soll maximal 1,30 Euro kosten.

Swarm 64 (Berlin)

Sieben Millionen Euro erhielt Swarm 64 im September 2015 unter anderem vom Münchner Wagniskapitalgeber Target Partners. Das Berliner Start-up will die Leistung von Datenbanken steigern. Die Idee dahinter: Mit mehr Leistung sollen gleichzeitig Transaktionen und Analysenabfragen möglich werden. Das Start-up kommt aus dem Inkubator der Humboldt-Universität Berlin und wurde 2013 von Eivind Liland, Thomas Richter und Alfonso Martínez gegründet.

VivoSensMedical (Leipzig)

Das Start-up hat den sogenannten OvulaRing entwickelt, der Frauen dabei helfen soll, schwanger zu werden. Der Kunststoffring wird wie ein Tampon eingeführt und soll mit Hilfe eines Temperatursensors die Körpertemperatur messen, um so die fruchtbaren Tage besser vorhersagen zu können. Die Idee für VivoSensMedical hatten Henry und Sebastian Alexander zusammen mit Holger Runkewitz im Jahr 2011. Ihr Ziel: Sie wollen die Reproduktionsmedizin revolutionieren. Der Ring soll dabei so selbstverständlich werden wie die Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt.