Die Plattform analysiert, welche Applikationen bei welchen Anbietern am besten aufgehoben sind. Nun ist ein Investor bei dem Unternehmen eingesteigen. 

Eine größere Flexibilität und geringere Kosten: Das versprechen sich Unternehmen, wenn Sie ihre Applikationen vom eigenen Rechenzentrum zu Cloud-Anbietern wie Amazon, Google oder Microsoft umziehen. Doch gerade bei Konzernen ist das Vorhaben extrem komplex – technische Hürden müssen gelöst, Investitionen getätigt und rechtliche Vorgabe eingehalten werden. Helfen bei der Transformation will Txture. Das Spin-off des Instituts für Informatik der Universität Innsbruck hat eine Plattform entwickelt, die die bestehende IT-Landschaft analysiert und Empfehlungen für die jeweils passenden Cloud-Anbieter abgibt.

„Im Bereich Enterprise-IT steht die Migration in die Cloud noch am Anfang“, sagte Txture-CEO Matthias Farwick im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Er hatte das Start-up 2017 zusammen mit Thomas Trojer gegründet. „Gerade Compliance- und Sicherheitsaspekte bereiten vielen Unternehmen Kopfzerbrechen.“ Txture berücksichtige deswegen beispielsweise auch, wo Rechenzentren der Cloud-Anbieter genau stehen. Die Unternehmensanforderungen werden durch Fragebögen von der Software abgefragt, während die technische Analyse weitgehend automatisiert erfolgen soll.

Von dem Konzept hat das Start-up mit dem Beratungsunternehmen Accenture bereits einen namhaften Großkunden überzeugt. Vertrieben wird die Plattform außer an Beratungen auch direkt an Großunternehmen. Erster Kunde war der Chiphersteller Infineon – entstanden ist die Zusammenarbeit im Bereich der IT-Analyse laut Farwick bereits in einem Forschungsprojekt an der Universität Innsbruck.

Vertriebsbüro in Deutschland angedacht

Um den Vertrieb auf breitere Beine zu stellen, hat Txture nun einen externen Investor an Bord geholt. Wie die Unternehmen gestern mitteilten, investiert red-stars.com data einen nicht näher spezifizierten Millionenbetrag. Dabei habe die Wiener Holding, die in B2B-Start-ups mit einem Fokus auf Digitalisierungsprozesse investiert, auch die bestehenden Anteile der Universität Innsbruck übernehmen. Gesellschafterin neben den Gründern bleibt aber eine Professorin, die an der Entwicklung beteiligt war.

Aktuell beschäftigt Txture zwölf Mitarbeiter in Innsbruck. „Der Standort hat den großen Vorteil, dass wir einen guten Zugang zu Nachwuchstalenten haben“, sagte Farwick. Weil Deutschland aktuell der wichtigste Zielmarkt für das Start-up sei, denken die Gründer aber darüber nach, hier ein Vertriebsbüro zu eröffnen. Von anderen Anbietern abheben will sich das Start-up dadurch, dass die Plattform von der Analyse bis zur Umsetzung den ganzen Migrationsprozess abbildet.

Großes Potenzial sieht Farwick etwa im Bankensektor: Viele Geldinstitute vertrauten noch auf selbstentwickelte Bankensysteme, die technisch oft veraltet seien. Alternativen aus der Cloud bieten auch Start-ups an – darunter Mambu aus Berlin und die Finleap-Beteiligung Elinvar. Beide Unterhemen haben sich in diesem Jahr millionenschwere Finanzierungen gesichert.