Das Start-up will die Organisation von Dienstreisen für Mitarbeiter vereinfachen. Geldgeber stützen das jetzt mit weiteren 60 Millionen Dollar.

Ein Kundentermin im Sauerland, eine Konferenz in London, eine Baustelle in China, eine Aufsichtsratssitzung in Spartanburg: Mehr als 50 Milliarden Euro geben alleine deutsche Unternehmen jedes Jahr für Geschäftsreisen aus. Das spanische Start-up Travelperk will Firmen helfen, diese Summe zu reduzieren – und sich gleichzeit selbst ein Stück davon sichern. Mit einer Plattform, über die Mitarbeiter leichter Preise vergleichen und Tickets buchen können und die bei der Abrechnung helfen soll, umwirbt das junge Unternehmen hierzulande Mittelständler und Konzerne.

Bereits im vergangenen Herbst hatten Risikokapitalgeber dem Start-up 44 Millionen Dollar überwiesen – und eine zweite Tranche zugesagt, wenn bestimmte Wachstumsziele erreicht werden. Nach eigenen Angaben hat sich der Umsatz des Start-ups allein 2019 bereits verdreifacht. Deshalb legen eine ganze Reihe von Venture-Capital-Firmen, darunter Kinnevik, Target Global und Sunstone, nun 60 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 53 Millionen Euro) nach.

Das Geld will das Start-up vor allem nutzen, um sich in den europäischen Märkten weiter vorzuarbeiten. Ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht dabei der deutschsprachige Raum. Seit Anfang des Jahres baut Eugen Triebelhorn von Berlin aus ein Team für die Region auf – aktuell arbeiten etwa zehn Vertriebler und Großkundenbetreuer in Deutschland. Die alltägliche Kundenbetreuung sowie die technische Weiterentwicklung der Plattform erfolgt vom Hauptsitz in Barcelona aus.

Viele Unterschiede in Europa

„Die Herausforderung in Europa ist die starke Fragmentierung der Märkte“, sagt Triebelhorn im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Das betrifft zum einen die unterschiedlichen Steuervorschriften in vielen europäischen Ländern, zum anderen die vorhandenen Verkehrsnetze: In Deutschland hat etwa der Lufthansa-Konzern mittlerweile einen extrem hohen Marktanteil. Zudem ist durch das dichte Schienennetz auch die Bahn eine Alternative für viele innerdeutsche Verbindungen – undenkbar in Großbritannien „Die lokalen Voraussetzungen sind sehr verschieden“, so Triebelhorn.

Gestartet ist das Start-up mit Digitalunternehmen als Kunden, die rasch von dem Sinn eines Software-Tools überzeugt werden konnten. Jetzt sucht Travelperk auch den Zugang zu der traditonellen deutschen Wirtschaft. Besonders im Mittelstand herrsche ein großes Bewusstsein für die Kostenersparnis und die Effizienz, die Buchungs- und Abrechungstools bringen könnten, sagt Triebelhorn: „Es war auch für uns überraschend, dass wir hier auf so offene Ohren gestoßen sind.“ Dabei setzt das Start-up nach eigenen Angaben auf eine Benutzerführung, die viele Mitarbeiter aus dem Privatgebrauch von Seiten wie Airbnb oder Booking kennen.

Das Start-up selbst will dabei auf zwei Wegen Umsätze generieren. Zum einen zahlen die nutzenden Unternehmen Gebühren pro gebuchter Reise. Zum anderen erhält Travelperk auch in einigen Fällen Provisionszahlungen von Anbietern, deren Produkte sie vermitteln. Auf eine sehr ähnliche Zielgruppe zielt das Münchener Geschäftsreise-Start-up Lanes & Planes. Zudem bemühen sich große Travel-Management-Spezialisten, wie die niederländische BCD Travel, mit neuen Apps um digitalere Buchungsprozesse.