Travador-CEO Johannes Sehring spricht darüber, warum die Reiseplattform drastisch Stellen abgebaut hat – und auch sonst vieles verändert hat.

Manchmal müssen Firmenlenker unpopuläre Entscheidungen treffen, sagt Johnnes Sehring. Der Ex-Manager von Rocket Internet arbeitet seit vier Jahren bei Travador – und hat das 2013 von ehemaligen Mitarbeitern des Schnäppchenportals Groupon gegründete Münchener Start-up seither auf links gedreht. Nach seinem Amtsantritt als Chief Operating Officer (COO) hat er einen Großteil der Mitarbeiter entlassen. Statt einst 120 beschäftigt das Unternehmen nun nur noch 28 Mitarbeiter.

Auch an der Marketingstrategie und dem Geschäftsmodell hat das Start-up, das Sehring inzwischen als CEO zusammen mit Mitgründer Thorsten Schröppe führt, gedreht: Zwar bietet Travador nach wie vor Kursreisen mit zahlreichen Inklusivleistungen an, doch statt einmaliger Schnäppchen stehen nun dauerhaft buchbare Pakete im Vordergrund. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt Sehring, warum die Schritte unabdingbar waren, um das Start-up profitabel zu machen.

Herr Sehring, kurz nach Ihrem Amtseintritt als COO gab es bei Travador zwei Entlassungswellen. Warum war der drastische Schritt aus Ihrer Sicht nötig?
Wir hatten exorbitant hohe Personalkosten. Das Unternehmen war in den Jahren davor extrem schnell gewachsen – da blieb vieles auf der Strecke. Es wurde nicht mit System gearbeitet und passende Tools fehlten. Das führte dazu, dass alles manuell gemacht wurde. Deswegen haben wir anderthalb Jahre sehr stark in Technik investiert und Dinge automatisiert.

Beliebt gemacht haben Sie sich mit den Entlassungen vermutlich nicht…
Natürlich ist es unschön, wenn Leute gehen müssen. Manchmal muss man aber unpopuläre Entscheidungen treffen. Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen im Übrigen auch aus eigenem Antrieb verlassen, die Stellen haben wir dann nicht nachbesetzt. Der größte Block war der Kundenservice, den wir Mitte 2015 an einen Dienstleister im Ausland ausgelagert haben. Das war nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Qualitätsthema: Die Hotline muss auch am Wochenende und spätabends besetzt sein – das mit eigenen Mitarbeitern zu stemmen, ist für ein Start-up unserer Größe fast unmöglich.

Was war der Schlüssel, um Arbeitsschritte zu automatisieren?
Wir haben sehr an unseren Prozessen gearbeitet. Dabei haben uns IT-Tools geholfen. Das Rückgrat bildet nun Salesforce – mit der Software stellen wir nun neue Produkte zusammen. Wir sprechen intern von ‚Produktionsstraßen‘. Fast alle anderen Fremdtools haben wir herausgeschmissen und stattdessen selbst Systeme etwa für das Backend und das Marketing entwickelt. Am Markt gab es nämlich keine Software, die genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist.

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