Deutsch­lands ältester Tier­versicherer beteiligt sich am hessischen Start-up, das eine Gesundheitskarte für Hunde, Katzen und Co entwickelt hat.

Katzen, Hunde, Wellensittiche, Hamster, Hasen, Schildkröten. In deutschen Haushalten leben Tiere der unterschiedlichsten Art – und von ihnen ziemlich viele. 2019 waren es rund 34 Millionen Stück. 34 Millionen,  für die ihre Besitzer laut einer Untersuchung der Universität Göttingen jährlich rund 9,1 Millionen Euro ausgeben.

Ein Markt mit viel Potential also, und einer auf dem sich noch viel bewegen lässt, findet Andreas Becker. Becker ist Gründer des Start-ups Tiegoo und hat sich als Ziel gesteckt die Digitalisierung des Tiergesundheitswesen voranzutreiben und für einen sichereren und transparenten Datenaustausch zwischen Tierhaltern, Tierärzten und Versicherern zu sorgen.

Tiergesundheitskarte mit allen Infos über das Haustier

Zusammen mit seiner Frau führt der ausgebildete Pferdewirt eine Pferdepension, ist seit über 25 Jahren im Dressursport aktiv. Die Idee für Tiegoo kam ihm in seinem Alltag als Hofbesitzer. Während einer Geschäftsreise wurde er von einer Kundin kontaktiert, die ihm einen Notfall mit ihrem Pferd schilderte und sich nicht zu helfen wusste. Da Becker wegen seiner Reise ebenfalls die Hände gebunden waren, fragte er sich, warum es für Tierbesitzer keine zentrale Notfallhilfe gibt, ähnlich der Pannenhilfe für Autobesitzer.

Becker trieb die Idee um, schließlich entwickelte er die deutschlandweit erste Tiergesundheitskarte auf der alle relevanten Gesundheits- und Versicherungsdaten des Haustiers gespeichert werden – von Alter und Gewicht über bestehende Impfungen und Unverträglichkeiten bis hin zu vorangegangenen Behandlungen etwa bei Physiotherapeuten, Heilpraktikern und Kliniken.

Frisches Kapital aus der Versicherungsbranche

In Verbindung mit der dazugehörigen App können Tierhalter und Tierärzteauf all diese Daten zugreifen, sie mit neuen Informationen füllen, Versicherungen verwalten oder die 24-stündige Notfallassistenz nutzen, die Auskunft über verfügbare Tierärzte in der Umgebung gibt und telefonisch erste Diagnosen stellt.

Noch ist Tiegoo nicht am Start – doch schon konnte das Start-up sich mit der GHV Versicherung einen gewichtigen Investor an Bord holen. Über die Investmenthöhe und Anzahl der Prozente haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart, so CEO Andreas Becker gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Das frisch eingeworbene Kapital werde Tiegoo für den Markteintritt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze nutzen.

Neben Tiegoo haben sich in den vergangenen Jahren viele Start-ups mit dem Fokus Tiergesundheit etabliert, etwa Adivo, das Medikamente für an Krebs erkrankte Hunde und Katzen entwickelt, oder Vetevo, das für Tierbesitzer die Organisation von Behandlungen in einer inhabergeführtenn Partnerpraxis oder Klinik übernimmt.

150 Millionen Haustierbesitzer weltweit

Für Andreas Becker ist dieser Boom ein Zeichen, dass er auf den richtigen Markt gesetzt hat: „Europaweit gibt es über 150 Millionen Haustierbesitzer. Die Tendenz sein Leben mit Tieren teilen zu wollen nimmt in immer mehr Familien zu, so dass selbst bei der Früherziehung von Kindern oder im Therapiebereich immer Haustiere eine wichtigere Rolle spielen.” Infolgedessen denkt der Hesse bereits an eine internationale Ausrichtung seines Unternehmens. Hierzulande  könne man sich außerdem gut vorstellen auch den Agrarsektor und die Nutztierhaltung in den Fokus zu nehmen: „In über 266.700 Betrieben werden laut dem Statistischen Bundesamt mehr als 25,5 Millionen Schweine und 11,4 Millionen Rinder gehalten, sowie jährlich über 12,5 Milliarden Eier produziert – eine enorme Chance für unser junges Unternehmen”, so Becker.