Mit gesunden, plastikfreien und klimapositiven Snacks will das Start-up Käufer zu besseren Konsumenten machen. Die Investoren ziehen schon mal mit.

Der Anfang war alles andere als einfach. Als Thomas Stoffels, einer der drei Gründer von The nu company, im Familien-und Freundeskreis nach dem Ende seine Elektrotechnik-Studiums verkündete ein eigenes Unternehmen starten zu wollen – und dann ausgerechnet im Food-Bereich – erntete er vor allem eines: Skepsis. Alle wollten wissen, warum er nicht als Ingenieur arbeite, schließlich seien die Verdienstaussichten gut, die Branche habe Zukunft und er habe die notwendige Expertise. „Ich verstand die Verwunderung, aber für mich war die Entscheidung gefallen. Ich wollte einen Weg gehen, der mir Spaß macht und den ich für sinnvoll halte“, erinnert sich Stoffels heute.

Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Christian Fenner und Mathias Tholey gründete er 2016 The Nu Company, ein Start-up, das sich der Herstellung von gesunden, plastikfreien und klimapositiven Snacks verschrieben hat. Dazu gehören unter anderem Nuss- und Schokoriegel, aber auch Proteinshakes. Nachhaltigkeit ist das Credo des Unternehmens – und zwar in allen Bereichen. So nutzt das Trio nicht nur natürliche, pflanzliche Biozutaten – frei von Konservierungsstoffen, Industriezucker und synthetischen Aromen – sondern setzt auf Verpackungen aus Zellulosefolie, die kompostierbar sind.

3,7 Millionen Euro für das Snack-Start-up

Vier Jahre nach dem Start verkündete das Unternehmen nun seine erste große Finanzierungsrunde: Neben ForestFinance, einem der führenden Anbieter von Wald-Direktinvestments in Europa, beteiligen sich unter anderem der strategische Food- und Beverage-Investor Square One Foods, Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg und Develey-Geschäftsführer Michael Durach. An Bord sind außerdem weitere Business Angels und Risikokapitalgeber aus den Bereichen Food und Digital, wie BackBone Ventures. Insgesamt flossen rund 3,7 Millionen Euro. Bereits Anfang des kommenden Jahres wolle man im Rahmen einer Series A-Runde weitere Geldgeber an Bord holen. Mittlerweile sei die Anfrage so groß, dass man es sich leisten könne, bei deren Auswahl genau hinzuschauen, sagt Stoffels: „Uns ist wichtig, woher unser Geld stammt, darum prüfen wir unsere Investoren auf ihre ´Grünheit´.”

Die Gelder sollen in die Entwicklung neuer Produkte, etwa die Herstellung weitere Geschmacksrichtungen, sowie in die Konzeption neuer, umweltfreundlicher Verpackungen fließen: „Nach unseren Listungen bei dm und Rewe vertiefen wir weiterhin unsere Distribution im Handel und streben somit das dritte Jahr in Folge ein Umsatzwachstum von über 200 Prozent an.”

Klimaneutrale Wertschöpfungskette im Blick

Erfreuliche Zahlen, dennoch betonen die Gründer, dass es ihnen nicht ausschließlich um Profit gehe. Die Leipziger wollen zeigen, dass soziales, ökologisches Unternehmertum und Verdienst kein Widerspruch sein müssen. Seit Gründung hat The Nu Company eigenen Angaben zufolge 9,2 Tonnen Plastikverpackung gespart und 57,2 Tonnen Zucker ersetzt. Seit 2018 pflanzt das Start-up für jedes verkaufte Produkt einen Baum, das sind eigenen Angaben zufolge sechs Prozent des Umsatzes. „Damit binden wir 675 mal mehr Emissionen, als unsere Produkte entlang der gesamten Wertschöpfung verursachen”, sagt Stoffels.

Doch mit diesem Ansatz sieht sich The Nu Company weitgehend alleine auf weiter Flur:  „Nachhaltiges Wirtschaften ist heutzutage leider immer noch ein Wettberwerbsnachteil”, kritisiert Stoffels. „Mit Plastikverpackungen, Zucker als Hauptzutat sowie fehlendem ökologischem Engagement lässt sich nach wie vor ein besserer Preis rausschlagen.”

Eine Kampfansage an etablierte Unternehmen. Doch die Gründer nehmen nicht nur die Unternehmen in die Pflicht. Es sei möglich als Unternehmer profitabel und wettbewerbsfähig zu sein und gleichzeitig  indirekt oder direkt zum Wiederaufbau unserer Ökosysteme beizutragen. „Doch dafür müssen auch die Kunden mitziehen. In einem Land wie Deutschland, wo man sich gern eine teure Einbauküche und den Mittelklassewagen leistet, aber sein Essen immer noch größtenteils beim Discounter kauft, muss ein Umdenken über den Wert unserer Lebensmittel stattfinden.“

Werben für die Zuckersteuer

Die Gründer sind jedoch zuversichtlich, dass dieses Umdenken bereits stattfindet. Um auch die Politik auf das Thema Missstände in der Lebensmittelindustrie aufmerksam zu machen, schrieben sie vor wenigen Tagen einen offenen Brief an Gesundheitsministerin Julia Klöckner, in dem sie die Politik der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft anprangerten: „Die Zielvorgaben unserer Wirtschaft berücksichtigt den ökologischen Wiederaufbau, das Tierwohl und die Gesundheit der Menschen leider immer noch viel zu wenig.”

Thomas Stoffels, Christian Fenner und Mathias Tholey fordern darum, die Kosten, die eigentlich durch das Produkt entstehen wie CO2-Ausstoß, Plastikverschmutzung oder die Belastung des Gesundheitssystems in den Preis eines Lebensmittels einzubeziehen, beispielsweise in Form von CO2-Steuer oder Zuckersteuer. Das langfristige Ziel: Nachhaltigkeit soll in Zukunft kein schönes ´Nice To Have´ mehr sein, sondern in jedem Geschäftsmodell verankert werden – notfalls unter Zwang.