Drei Stuttgarter Gründerinnen bieten Online-Kurse in den unterschiedlichsten Kunstrichtungen an – und überzeugen damit Nutzer und Investoren.

Für Dalvin Gill, Coco Hannemann und Alice Würtz lief alles nach Plan. Anfang 2020 hatten sie sich mit ihrem Start-up The Floox selbstständig gemacht und boten in ihrer Wahlheimat Stuttgart Kreativ-Kurse in den Bereichen Handlettering, Acryl malen, Töpfern und moderne Kunst an. Die Workshops – gegeben von jungen Künstlerinnen – kamen gut an und so beschlossen die drei Gründerinnen ihr Konzept auch auf weitere deutschen Städte auszuweiten. Der Rollout in den ersten Ort stand kurz bevor, doch dann kam Corona und nicht nur der Ausweitung des Geschäfts wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht – auch der bisherige Erfolg stand auf der Kippe, schließlich durften während des Lockdowns keine Präsenzkurse mehr angeboten werden.

Wie so viele andere Start-ups auch mussten sie von heute auf morgen ihre Geschäftsidee überdenken. „Die Lage auszusitzen war keine Option und so mussten wir sofort reagieren. Innerhalb von zwei Wochen haben wir alle Kurse auf eine Online-Version umgestellt“, erklärt Alice Würtz. Ein Teil der Workshops findet in einer Live-Version statt, ein Teil wird den Nutzern und Nutzerinnen unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung gestellt und kann 365 Tage lang abgerufen werden. Die für die Kurse notwendigen Materialien werden den Teilnehmern vor Beginn der Schulungen per Post zugesendet. 

Investment trotz Corona-Lockdown

Geholfen hat bei der Neuorientierung auch die Tatsache, dass die Gründerinnen kurz nach Ausbruch der Pandemie in das Förderprogramm Start-up BW Pre-Seed aufgenommen wurden und so eine Finanzierung in Höhe von 200.000 Euro erhielten, die zu 80 Prozent von der Staatsbank und zu 20 Prozent von Business Angels kommt. Hinzu komme die Tatsache, dass die neue Situation auch Vorteile mit sich bringe, so Alice Würtz: „Es ist uns jetzt möglich auch Kurse von Künstlerinnen aus anderen Ländern anzubieten, beispielsweise aus Dalvins Heimat Singapur. Auch ein Special mit Berliner Künstlern ist in Planung.“

Nicht nur für die Teilnehmerinnen soll diese Ausweitung einen Mehrwert bringen und kreative Tätigkeiten „abseits der Beschäftigung mit dem Smaprtphone“, im Lockdown ermöglichen – auch die Künstler und Künstlerinnen, denen auf Grund der Pandemie Aufträge wegfallen könnten davon profitieren. „Wir hoffen  die Künstlerinnen durch unser Angebot einer breiteren Masse bekannt zu machen und ihre Reichweite zu vergrößern.“ Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Auch nach dem Ende des Lockdowns wollen die Gründerinnen an der Online-Variante festhalten. „Der Fokus soll auch zukünftig auf dem digitalen Geschäftsmodell liegen, da wir so Künstlerinnen und Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt zusammenbringen können“, erklärt Alice Würtz.

Rückkehr zu Präsenzveranstaltungen?

Sie ist zuversichtlich, dass das Interesse am Thema anhalten wird: „Produkte mit den eigenen Händen herzustellen, ist eine ganz besondere Sache, das Ergebnis ist so viel wertvoller als alles, was man kaufen kann.“ Und das gelte nicht nur für Nutzerinnen in Deutschland. „Unserer Meinung nach wird das Modell auch international sehr gut funktionieren.“

Auch andere Anbieter, etwa das Berliner Start-up Art Night, das von Aimie-Sarah Carstensen und David Neisinger gegründet wurde, und das Nutzer in Restaurants und Bars zu Veranstaltungen wie Mal-, Cocktail, Back- und Pflanzenworkshops zusammenbringt, musste bedingt durch die Lockdowns tausende Events absagen und büßte dementsprechend einen Großteil des Umsatzes ein. Die Lösung war auch hier eine Umstellung auf Online-Workshops. Anders als The Floox allerdings wollen Carstensen und Neisinger so bald wie möglich wieder auf Präsenzveranstaltungen setzen. Dies sei und bleibe das Kerngeschäft des Unternehmens, auch wenn die Online-Variante Teil des Angebots bleiben soll.