Das Start-up verkauft Tampons, Binden und Menstruationstassen. Produkte, über die nur selten gesprochen wird. Investoren sehen großes Potenzial. 

Wir schreiben das Jahr 2020 und es gibt nicht viel, über das man in Deutschland nur ungern spricht: Tabuthemen sind selten geworden. Ob auf dem Arbeitsplatz oder beim Abendessen, ob mit Freunden oder Kollegen – eigentlich gibt es nichts, über das man nicht spricht. Doch der Eindruck täuscht, sagen Aktivistinnen – zumindest, wenn es um den weiblichen Körper geht. Das Thema Periode beispielsweise werde nach wie vor stiefmütterlich behandelt. Nicht mal in der Werbung für Tampons oder Slipeinlagen werde es beim Namen genannt. 

Eine Erkenntnis, die auch Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier verwunderte und sie vor rund zwei Jahren dazu brachte The Female Company (TFC) zu gründen. Seit 2018 verkaufen sie Tampons aus biologischer Baumwolle per Briefversand im Abo-Modell, seit ein paar Monaten auch Slipeinlagen, Binden, Menstruationstassen und Slips. Ihre Mission: „Wir wollen schambehaftete Themen rund um den weiblichen Körper thematisieren.”

Zweite Millionen-Finanzierung im Laufe eines Jahres

Um ihrem Ziel die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen, launchten sie im vergangenen Frühjahr „The Tampon Book“, ein Buch, das 15 Bio-Tampons und und Geschichten enthält und das die Öffentlichkeit darauf hinweisen sollte, dass Hygieneprodukten für die Menstruation mit 19 Prozent besteuert werden – einem Steuersatz, der eigentlich für Luxusgüter vorgesehen ist. Das Buch hingegen, in dem die Hygieneartikel verpackt waren, konnte zum ermäßigten Satz von sieben Prozent verkauft werden. Damit war das Start-up Teil einer erfolgreichen Kampagne: Der Satz auf Tampons & Co. wurde im November gesenkt.

Nicht nur in der Politik und bei Kundinnen geriet das Unternehmen so in den Fokus, Claus und Stadelmaier konnten sich auch das Interesse der Investoren sichern. Nach einer ersten Finanzierungsrunde Ende April 2019 sammelten sie jetzt erneut Geld ein. Lead-Investor ist erneut Burdas internationaler Wachstumskapitalarm BurdaPrincipal Investments (BPI), neu dabei sind Acton Capital aus München und die IBB Beteiligungsgesellschaft aus Berlin. 

„Die Gründerinnen von The Female Company haben eine starke Marke aufgebaut, die von kreativem Content sowie einer großen Community flankiert und angetrieben wird. Sie konnten ihre Marktpräsenz über verschiedenste Vertriebskanäle hinweg schnell und signifikant ausbauen – ihre loyalen Kundinnen unterstützen die Marke heute mehr denn je. Wir freuen uns, dass wir dieses starke Team weiterhin dabei unterstützen können, ein Unternehmen mit einer so wichtigen Mission aufzubauen“, sagt Benita Krahforst, Principal bei BurdaPrincipal Investment.

Fokus liegt auf der DACH-Region

Die genaue Summe der Finanzierung wollten die Gründerinnen auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht nennen. Es handele sich um einen Millionenbetrag, so Ann-Sophie Claus. Mit dem frischen Kapital werde TFC insbesondere den Ausbau von Tech und Data vorantreiben und das Produktportfolio erweitern. Außerdem solle das zurzeit 20-köpfige Team bis zum Jahresende um zehn Mitarbeiter wachsen.

Neben The Female Company gibt es eine Reihe von Start-ups, die sich auf dem gleichen Feld bewegen, darunter das ebenfalls in Berlin ansässige Mylily. Angst vor der Konkurrenz habe man nicht, so Ann-Sophie Claus, der Markt sei groß genug, schließlich hätten knapp 50 Prozent der Weltbevölkerung  im Schnitt 30 Jahre ihres Lebens die Periode. Jeden Monat. „Außerdem haben wir in der Vergangenheit gesehen, dass große, internationale Wettbewerber bei der Schnelligkeit junger Firmen und dem neuen Anspruch moderner Frauen nur langsam hinterherkommen”, so Claus.

Gerade durch das „Tampon Book”, das es sogar in die Presse in Guatemala und Thailand geschafft hat, sei die Online-Kundschaft internationaler als früher. Dennoch fokussiere man derzeit weiterhin auf die deutschsprachige Region. Eigenen Angaben zufolge hat The Female Company knapp 30.000 Online-Kundinnen plus diejenigen, die sich die Produkte im stationären Handel besorgen. Im Jahr 2020 habe man bis zu 160 Prozent monatliches Wachstum verbuchen können.