Die Coronakrise hat dem digitalen Bildungsmarkt ein rasantes Wachstum beschert. Das honorieren nicht nur Nutzer, sondern auch Investoren.

Seit mehr als drei Monaten steht die Bildungslandschaft in Deutschland nach Ausbruch der Coronkrise nahezu still. Schulen und Universitäten sind nach wie vor zum größten Teil geschlossen. Wer lernen will, muss das zu Hause tun.  Schwierige Zeiten also für Schüler und Studierende – und gute Zeiten für Anbieter von E-Learning-Angeboten. Nachdem zuletzt Start-ups wie das Kommunikations-Tool Sdui und die Online-Nachhilfeplattform Easy Tutor Finanzierungsrunden verkünden konnten, zieht nun das Münchner EdTech Startup StudySmarter nach, das 2017 als Spin-off der TU München und LMU München gegründet wurde.

Über dessen Plattform können Studierende und Schüler ihre Lernunterlagen wie Vorlesungsfolien und -skripte hochladen, die anschließend mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz analysiert und verarbeitet werden, so dass Nutzer den automatisch generierten Inhalt – etwa Mindmaps, Zusammenfassungen und Abfragen – abrufen können. Um die Motivation der Nutzer zu erhöhen, erhalten diese einen auf sie zugeschnittenen Lernplan, der sich je nach Fortschritten verändert und anpasst. Die Nutzer bekommen eine Rückmeldung, wie weit ihr Lernziel noch entfernt ist.

Siebenstellige Finanzierung von DvH Ventures

Für diese Idee konnten Christian Felgenhauer, Maurice Khudhir, Simon Hohentanner und Till Söhlemann, deren Firmenmotto nicht weniger ist als „Zusammen verändern wir die Zukunft der Bildung“, nun eine siebenstellige Summe von Investoren einsammeln. Wie hoch der Betrag genau ist, wollte Maurice Khudhir gegenüber WirtschaftsWoche Gründer nicht verraten. Das Geld stammt vom Frühphaseninvestoren DvH Ventures und nicht näher genannten privaten Business Angels.

Das frische Kapital solle insbesondere für die technische Weiterentwicklung der Plattform genutzt werden: „Außerdem werden wir unsere Marketingaktivitäten im DACH-Markt verstärken, um noch schneller zu wachsen und die größte Plattform für lebenslanges Lernen in Europa zu werden.“ Dabei gehe es nicht nur um Schüler und Studierende, sondern auch um Azubis oder Mitarbeiter von Firmen, betont Khudir. Bereits jetzt ist StudySmarter auf Englisch verfügbar, für 2021 sei die Expansion in den angelsächsischen Markt geplant. Dazu soll das aktuell 25-köpfige Team in den kommenden zwölf Monaten auf 50 Personen wachsen.

Nutzeranzahl ist seit der Coronakrise stark angestiegen

Die braucht es, denn die Coronakrise hat die Anzahl der neuen Nutzer bei StudySmarter in die Höhe getrieben: „Die letzten Monate haben sehr eindrucksvoll die Bedeutung digitaler Bildung hervorgehoben”, sagt Maurice Khudhir. „Unsere App war in den vergangenen zwölf Wochen  so beliebt, dass wir zwischenzeitlich die Nummer 1 im deutschsprachigen iOS Store waren, wir wurden öfter gedownloaded als Whatsapp, Instagram, TikTok und Co.“ Eigenen Angaben zufolge konnte das Start-up seit Jahresbeginn 450.000 neue Nutzer verbuchen. 

Die Basisversion der App ist für Nutzer kostenlos, das Start-up unterhält ähnlich wie Spotify ein Subscription Modell mit zusätzlichen Features wie dem Offline Modus. Geld verdienen Khudir und seine Kollegen außerdem über Unternehmenspartner wie DB, Aldi Süd , Amazon, Bain & Company, Allianz, KPMG, die Schüler oder Studierende über die App für Ihre offene Positionen, zum Beispiel ein Praktikum oder eine Ausbildung, ansprechen.