Studimed will Medizin-Studienplätze in Osteuropa vermitteln. Nun wollte das Start-up eine Niederlassung in Köln eröffnen – aber daraus wird vorerst nichts.

Ab kommender Woche sollten die Studierenden den renovierten Campus in Köln in Anspruch nehmen, als Niederlassung der Medizinischen Universität Sofia. Das Gelände ist 1800 Quadratmeter groß, bis zu 100 Studienanfänger sollten für das erste Semester einen Platz in Köln erhalten. 13.600 Euro sollte das erste Studienjahr kosten. Das Versprechen: Wer das Geld aufbringt, braucht anders als an deutschen Universitäten kein Top-Abi.

Daraus wird vorerst nichts – es fehlt eine Genehmigung des Ministerrats in Bulgarien, der Niederlassungen von staatlichen Universitäten genehmigen muss. Mehr noch: Das bulgarische Bildungsministerium hat verboten, den Campus in Köln zu eröffnen und zwei weitere Niederlassungen auf Zypern und in Italien geschlossen.

Schadensersatzforderungen an die Universität in Sofia will Gründer Hendrik Loll nicht stellen: „Ich habe Angst, dass das Projekt dann überhaupt nicht mehr weiter geht“, sagt er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

So bleibt das Start-up allerdings auf den Mietkosten für den Campus sitzen. Die bulgarische Universität ist den Studierenden entgegengekommen und hat Studienplätze in Sofia angeboten. Ein Großteil der Bewerber hat diese angenommen, nur ein Viertel wird bis zum neuen Studienbeginn im März warten, wenige verzichteten ganz.

„Es ist eine regelrechte Gruppendynamik entstanden, und plötzlich waren 65 Studierende bereit, zumindest das erste Semester in Sofia zu verbringen“, sagt Loll. Ohne zusätzliche Anreize, wie er betont. Die Studiengebühren in Sofia liegen mit 8000 Euro 5600 Euro unter denen in Köln.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, dass die Studierenden bereits gezahlt und ihr Geld nun nicht zurück bekämen. Gründer Loll weist das zurück. Das Geld sei noch nicht von den Bewerbern gefordert worden, die Zahlung des Semesterbeitrags wurde zurückerstattet. Im kommenden März soll das Studium nun in Köln beginnen – das ist auch dringend nötig, denn der Mietvertrag des Gebäudes wurde für zehn Jahren unterschrieben.

Klappt es mit einem baldigen Studienbeginn nicht, hätte das auch massive Folgen für Studimed. „Wir wären mit Sicherheit insolvent“, sagt Loll. Die Investoren sind ohnehin schon sauer: Ende des Jahres hätten sie laut Plan des Gründers zum ersten Mal von ihrem Investment profitiert. „Nun brauchen wir wohl ohnehin noch mal neues Geld.“

Dass Studimed nicht insolvent ist, liegt auch daran, dass das Unternehmen weiterhin Studienplätze in Osteuropa vermittelt – alleine 150 in diesem Jahr, vor allem nach Bulgarien, aber auch nach Rumänien, Litauen und nach Kroatien. Und das mit einer hohen Erfolgsquote, sagt Loll. „Wir versuchen die beste Universität für den Bewerber zu finden und bislang wurden unsere Studierenden kaum abgelehnt.“ Dieses Jahr habe es lediglich Schwierigkeiten in Breslau gegeben: Die Universität habe schlicht zu viele Bewerber zugelassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Kölner Start-up mit Problemen zu kämpfen hat. Vergangenes Jahr erhielt Studimed angeblich wochenlang keine Post, so auch keine Bewerbungsunterlagen mehr, und sah sich in seiner Existenz bedroht. Damals wollte Loll per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Postsendungen erzwingen. Das Gerichtsverfahren haben Loll und sein Team damals verloren – auf den Mehrkosten, die durch den Versand der Post mit anderen Anbietern entstanden sind, blieb das Start-up sitzen.