Wagniskapitalinvestitionen haben einen Rekordstand erreicht. Steuererleichterungen und Bürokratieabbau sollen die Bedingungen weiter verbessern.

43 Millionen Euro sammelte das Wiener Online-Reisebüro Tourradar im Juni ein, bei dem in Klagenfurt ansässigen Streaming-Experten von Bitmovin waren es im April 24,4 Millionen Euro: Mega-Finanzierungsrunden sind in Österreich keine Seltenheit mehr. Das zeigt der Startup Report Austria, der heute veröffentlicht wird und über den das Portal „Der Brutkasten“ vorab berichtete. Herausgegeben wird die Studie von  Seriengründer und Fundraising-Coach Flo Kandler. Demnach haben die Wagniskapital-Investitionen, getrieben von einigen kräftigen Finanzspritzen, 2018 einen neuen Höchststand erreicht.

Den Erhebungen zufolge gab es 101 Deals mit einem Volumen von jeweils über 250.000 Euro. Insgesamt wurden 238 Millionen Euro Wagniskapital investiert. Im Vorjahr waren es noch 146 Millionen Euro in 66 Deals. „Das Start-up-Ökosystem insgesamt ist deutlich gereift“, sagte Birgit Reiter-Braunwieser von der staatlichen Standortmarketingagentur Austrian Business Agency (ABA) im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Regionale Cluster bilden sich

Nach Einschätzung der Start-up-Expertin ist der Investment-Boom auch auf staatliche Förderungen zurückzuführen. So hatte die Regierung im Sommer 2016 ein 185 Millionen Euro schweres Förderprogramm beschlossen, das allerdings nur unvollständig umgesetzt wurde. Bereits 2013 wurde zudem der staatliche AWS Gründerfonds initiiert, der sich mit einem Gesamtvolumen von 68,5 Millionen Euro an Start-ups beteiligt.

Auffällig ist: Auch wenn Wien nach wie vor der Top-Standort für Start-ups in Österreich ist, holen auch andere Bundesländer auf. „Es bilden sich allmählich regionale Cluster heraus“, sagt Reiter-Braunwieser. So punkte beispielsweise die Steiermark mit der Landeshauptstadt Graz mit ihrem Automobilcluster, Innsbruck in Tirol habe sich als Biotech-Standort einen Namen gemacht. In Salzburg wiederum hat kürzlich ein Accelerator für Tourismus-Start-ups eröffnet, während Oberösterreich mit seinen Industrieunternehmen vor allem B2B-Start-ups anlocke.

Kritik an bürokratischen Hürden

Des wachsenden Ökosystems zum Trotz – viele Gründer klagen darüber, von der Politik noch unnötig ausgebremst zu werden. Tourradar-Chef Travis Pittmann, der aus Australien kommt, kritisierte in einem Interview mit „Der Standard“ kürzlich bürokratische Hürden. Für alles brauche man einen Notar, zudem dauere es zu lange, um eine Arbeitserlaubnis („Rot-Weiß-Rot-Karte“) für Fachkräfte aus dem Ausland zu bekommen.

„Die Prozedur für eine Rot-Weiß-Rot-Karte dauert noch zu lange“, sagte auch Reiter-Braunwieser. „Da können wir noch besser werden.“ Sie verweist darauf, dass Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bereits eine Reform des Verfahrens angekündigt hat. Neben dem Abbau bürokratischer Hürden sind auch Steueranreize für Investoren geplant.

Nach Einschätzung der Beratung EY, die gestern Zahlen zur Start-up-Finanzierung in Europa vorgelegt hatte, ist das dringend notwendig. „Der Anteil des Investitionsvolumens für heimische Jungunternehmen am gesamten europäischen Kuchen liegt deutlich unter einem Prozent, der Anteil Österreichs an der Wirtschaftsleistung hingegen erheblich über zwei Prozent“, bemängelte Thomas Gabriel, Partner und Leiter Start-up bei EY Österreich in einem Statement.