Unter Finanz-Start-ups setzt sich die Konsolidierung fort, zeigen Zahlen von PwC. Meist verschmelzen dabei zwei Digitalunternehmen zu einem größerern Angreifer.

Kooperation, Übernahme, Aufgabe: Der Markt der deutschen Finanz-Start-ups ist in steter Bewegung. In diesem Jahr deutet sich nach Erhebungen der Beratungsgesellschaft PwC ein Übernahme-Rekord an. 16 abgeschlossene Transaktionen zählten die Autoren im ersten Halbjahr, eine ähnliche Zahl erwarten sie für die zweite Jahreshälfte. Das wäre ein gutes Drittel mehr als in den vergangenen Jahren.

Die Überlegungen hinter einzelnen Deals sind dabei individuell. Das zeigt auch ein Blick in die vergangenen Monate: Zahlungs-Gigant Visa übernahm kürzlich das Münchener Fintech Payworks. Billomat kaufte sich die Software des insolvent gegangenen Steuer-Start-ups Taxbutler. Und das Zinsportal Raisin drehte im Frühjahr den Spieß um – und kaufte sich die 45 Jahre alte Geschäftsbank MHB.

Aus dem Nichts entstehen diese Übernahmen selten. Meist kooperien die Partner im Vorfeld schon lange – der Kauf sei dann ein konsequenter Schritt, sagt PwC-Fintech-Leiter Sascha Demgensky: „Durch die Akquisition sichert sich der Käufer den zeitlich unbefristeten Zugang zu Technologie, Kunden und Mitarbeitern des jeweiligen Fintechs.“

Das verflixte vierte Jahr für Fintechs

Die Berater zählen seit 2013 insgesamt 92 Akquisitionen (hier geht es zum PDF der Studie). Noch reichen die Zeitreihen daher nicht allzu lang zurück. Aktuell zu erkennen ist, dass fast jede zweite Übernahme zwischen dem dritten und fünften Jahr des Bestehens eines Fintechs erfolgt. In vielen Fällen ist die Entwicklung der Technologie da abgeschlossen und das Produkt eingeführt.

Dann folgt jedoch die teure und komplizierte Phase der Marktbearbeitung, in der viele Fintechs aktuell auch stecken. Denn viele Geschäftsmodelle sind auf Größe angelegt – ein exponentielles Kundenwachstum ist jedoch nicht immer möglich. Das vierte Jahr sei „häufig entscheidend für den zukünftigen Erfolg“, sagt Demgensky. „In diesem Jahr finden nach unseren Analysen sowohl die meisten Geschäftsaufgaben aber eben auch die meisten Übernahmen statt.“

Kommt es zum Verkauf, ist in der Hälfte der Fällen der Käufer ein anderes Finanz-Start-up. Dabei dürfte es sich in vielen Fällen um kleinere Deals handeln. Bei zehn Übernahmen schlug ein IT-Unternehmen zu und stärkte sich mit Finanz-Kompetenz. In kombiniert knapp 30 Fällen war der Käufer eine Bank, ein Versicherer oder ein Finanzdienstleister.

Bei diesen strategischen Übernahmen bringen die Fintechs ihre oft hochspezialisierte Technologie ein, die etablierten Institute holen sich neue Geschäftsmodelle und Software ins Haus – „in vielen Fällen eine klare Win-Win-Situation“, urteilt Berater Demgensky.