Die Finanzierungsrunden von jungen Unternehmen im Automobil-Sektor werden größer. Das meiste Geld fließt in die USA und nach China.

Knapp eine halbe Milliarde Euro kamen von Softbank: Mit dem Einstieg des japanischen Technologiekonzerns gelang der Gebrauchtwagenplattform Auto1 im Februar 2018 eine der größten Finanzierungsrunden in Deutschland überhaupt. Doch im internationalen Vergleich relativiert sich die Summe schnell, wie eine aktuelle Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt. Demnach konnten Mobilitäts-Start-ups aus China und den USA im vergangenen Jahr teils erheblich größere Mengen an Wagniskapital gewinnen als Newcomer aus Europa.

Von den 30 größten Finanzierungsrunden in der Branche entfielen 14 auf chinesische Start-ups, die USA kamen auf zwölf. Spitzenreiter mit 3,4 Milliarden Euro war der Roboterauto-Spezialist Cruise aus San Francisco – ein Spin-off von General Motors. 1,9 Milliarden Euro konnte die chinesische Frachtbörse Mangbang einsammeln. „China gewinnt deutlich an Dynamik, wir werden eine weitere Erhöhung des Investitionsvolumens in dieser Region sehen“, kommentiert Andreas Nienhaus, Principal bei Oliver Wyman. „Der reifste Markt befindet sich hingegen in den USA, dort wird es weiter einen Finanzierungswettlauf geben.“

Insgesamt flossen der Analyse zufolge im vergangenen Jahr weltweit 27,5 Milliarden Dollar Risikokapital in Mobilitäts-Start-ups. Im Schnitt sammelte jedes Unternehmen dabei 39 Millionen Dollar ein – 2015 waren es noch 22 Millionen. Auffällig: Während die Größe der Kapitalspritzen sich fast verdoppelt hat, ist die Zahl der Finanzierungsrunden im selben Zeitraum nur um zwölf Prozent gestiegen. Oliver Wyman sieht das als Zeichen dafür, dass der Markt stark gereift ist und Investoren wählerischer werden.

Uber, Lyft & Co. sammeln besonders viel Geld ein

Das meiste Geld konnten in den vergangenen Jahren Mobilitätsdienstleister wie Uber und Lyft einsammeln. Die Segmente alternative Antriebe, Sales/Aftersales und autonome Fahrzeuge folgen. Bei der Technik für Roboterautos erwarten die Berater eine Übernahmewelle durch Zulieferer und Automobilbauer. Letztere seien in Sachen Risikoinvestitionen bisher zurückhaltend. Zu den Ausnahmen gehört Daimler – der Autokonzern hat sich in den vergangenen Jahren an einer Reihe von Mobilitätsdienstleistern beteiligt. Dazu gehört etwa Turo, ein in den USA gegründeter Anbieter für privates Carsharing.

Dass vergleichsweise wenig deutsche Start-ups in dem Segment aktiv sind, hängt auch mit den restriktiven gesetzlichen Rahmenbedingungen zusammen. So bremst das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) bisher unter anderem Fahrtendienstleister und digitale Anrufsammeltaxi aus. Der Bundesverband Deutsche Start-ups mahnt in einem gestern veröffentlichten Positionspapier (hier geht es zum PDF), bei der geplanten Reform des Gesetzes „die besonderen Bedürfnisse von Mobilität-Start-ups mitzudenken.“