Die Investitionen in deutsche Finanztechnologie-Start-ups gehen zurück. In anderen Ländern beflügeln Mega-Deals die Branche.

Die Kontoanbieter Kontist und Penta freuten sich über kräftigte Finanzspritzen, die Kreditvermittlung Smava sammelte satte 54 Millionen Euro ein und die Smartphone-Bank N26 erreichte sogar Einhorn-Status: Viele deutsche Fintechs konnten im vergangenen Jahr frisches Wagniskapital einwerben. Insgesamt 57 Deals mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Dollar zählte die Unternehmensberatung KPMG.

Grund zum Jubeln sehen die Marktbeobachter aber nicht. In ihrem aktuellen Bericht „The Pulse of Fintech 2018“ weist die Beratung darauf, dass der Geldfluss im Vergleich zum Vorjahr ins Stocken geraten ist: 2017 wurden noch 88 Deals gezählt – zusammen 1,7 Milliarden Dollar hatten deutsche Start-ups bekommen.

„Investoren scheinen hierzulande einen gewissen Sättigungsgrad im Fintech-Sektor zu befürchten, vor allem im Zahlungsbereich“, kommentiert KPMG-Partner Sven Korschinowski. Die Geldgeber seien wählerischer geworden – und konzentrierten sich auf Start-ups mit besonders hohem Umsatzpotenzial. „Ich gehe davon aus, dass die Fintech-Szene dieses Jahr weiter konsolidieren wird, weil sich die erfolgreichen Player deutlich vom Wettbewerb absetzen“, so der Experte.

Weltweite Investitionen verdoppelt

Die weltweiten Investitionen in Fintechs indes haben sich im vergangenen Jahr gegenüber 2017 mehr als verdoppelt – auf 111,8 Milliarden Dollar. Die Treiber seien mehrere „Mega-Deals“ gewesen, so KPMG. Die Beratung ist bei ihrer Start-up-Definition allerdings sehr großzügig. So wurde auch eine 17 Milliarden Dollar schwere Übernahme eingerechnet, die zwischen etablierten Unternehmen stattfand: Blackstone wurde Anfang 2018 Mehrheitseigentümer der Finanzmarktdaten-Sparte vom Medienkonzern Thomas Reuters. Die Sparte firmiert seither als Refinitiv.

Zweitgrößter Deal war eine Finanzierungsrunde von Ant Financial: Das Tochterunternehmen des chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba hatte im Juni 14 Milliarden Dollar eingeworben. 12,8 Milliarden Dollar flossen der bei im Januar 2018 abgeschlossenen Übernahme des Zahlungsabwicklers Worldpay durch den Rivalen Vantiv. Daneben floss laut KPMG in Europa das meiste Geld in den Zahlungsdienstleister Nets (5,5 Milliarden), ETF Securities (3,5 Milliarden) und den Mobile Payment-Anbieter iZettle (2,2 Milliarden).

Attraktiv für Wagniskapitalgeber: Fintechs gelingt es zunehmend, sich als Partner etablierter Unternehmen zu positionieren. Bis zu 500 neue Kooperationen pro Jahr zählte die Beratungsgesellschaft PwC zuletzt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern ist das entscheidend, um sich am Markt zu etablieren.