Ob Imagevideo oder Clip für das Intranet: Das Start-up aus München hilft dabei, Video-Inhalte zu erstellen und zu verwalten. In der Krise wächst die Nachfrage von neuen Kundengruppen.

Die erste Wohnungsbesichtigung findet komplett kontaktfrei statt – als Video-Rundgang durch die Immobilie. Und das Restaurant an der Ecke kann nicht mehr mit seiner offenen Küche für sich werben, sondern setzt auf einen kurzen Clip auf der Facebook-Seite. Die Corona-Krise stellt viele Unternehmen auch vor die Herausforderung, sich und die eigenen Dienstleistungen anders zu präsentieren als bisher. Das Start-up Storybox hofft, dass Videos dabei immer populärer werden. Denn die Münchener entwickeln ein Software-Paket, mit dem Firmen kurze Filme schnell selbst erstellen und speichern können. „Wir sehen, dass aktuell verstärkt auch in Zielgruppen wie Handel, Immobilien und Gewerbe – also alles von der Krise stärker betroffene Industrien – die Nachfrage deutlich wächst“, sagt Storybox-Gründer Ben Rodrian.

Mit seiner Lösung geht das 2017 gegründete Start-up selbstbewusst vor. Statt Kamerateam, Produktionsfirma und PR-Agentur sollen ein Smartphone und die Software von Storybox ups reichen, um Videos zu erstellen. Das Programm bietet nach Angaben von Rodrian über 1000 Vorlagen, die Unternehmen nutzen können – ob für die Vorstellung eines Produkts, die Beschreibung einer freien Stelle oder einer Botschaft an die Mitarbeiter. Die seien einfach individualisierbar, so Rodrian. Wie eine Art Powerpoint für Bewegtbild würde das Programm den Nutzern „Schritt für Schritt vorschlagen, was gefilmt werden muss“, sagt der Gründer.

Videobotschaft vom Vorstand

Auch langfristig sich das Team rund um Rodrian und Mitgründer Rusmin Causevic auf dem richtigen Pfad: „Video ist in vielen Bereichen effektiver, weil es schneller verstanden wird als Geschriebenes oder Erklärtes“, sagt Rodrian gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Besonders in der internen Kommunikation – und gerade auch in Homeoffice-Zeiten – seien Videoinhalte hilfreich: „Gerade, wenn Teams verteilt sind, wird dieser Bedarf noch größer werden“, so Rodrian.

In den vergangenen Jahren hat sowohl die Bildqualität als auch die Bearbeitungssoftware auf vielen Smartphones deutlich zugelegt. Dennoch fürchtet Storybox keine Konkurrenz durch entsprechende Apps. Das Programm fokussiert vor allem auf die Arbeitsbedingungen in größeren Unternehmen – also gehören auch Freigabe-Prozesse mit zum Paket. Bessere Kameras in Smartphones können aber dafür sorgen, dass mehr Mitarbeiter Video-Material erstellen können. „Die Entwicklung wird dabei für uns spielen, weil auch die hardwareseitige Qualität immer besser wird“, sagt Rodrian.

Millionenbetrag für das Start-up

Nach eigenen Angaben nutzen bereits Unternehmen wie Iveco, Evonik oder KTM das Programm. Die Zahl der heute mehr als 20 zahlenden Kunden soll in Zukunft stark ansteigen. Das dürfte auch im Interesse der neuen Investoren von Storybox sein. In einer aktuellen Finanzierungsrunde hat das Start-up einen einstelligen Millionenbetrag eingesammelt. Das Geld stammt vom Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF), der bayerischen Beteiligungsgesellschaft BayBG sowie der privaten Vermögensverwaltung CK Venture Capital. Hinter der stehen die beiden Unternehmerinnen und Schwestern Conny Hörl und Katja Ruhnke. Aktuell arbeiten zehn Mitarbeiter für Storybox – bis zum Jahresende soll sich diese Zahl mindestens verdoppeln.