Die Verbände wollen sich intensiver für die Belange von Start-ups auf europäischer Ebene engagieren. Dafür gibt es eigentlich schon einen Akteur.

Mehr Sichtbarkeit für Start-ups in Europa: Mit diesem Ziel wollen der Bundesverband Deutsche Startups (Startup-Verband) und dessen französisches Pendant France Digital in Zukunft ihre Kräfte bündeln. Ein entsprechendes Dokument soll im Laufe dieses Nachmittags auf der Start-up-Messe VivaTech in Paris unterzeichnet werden, kündigte der Startup-Verband im Vorfeld an.

Der Zusammenschluss soll nur ein Startschuss sein: Laut Pressemeldung sei ein paneuropäischer Verbund von Start-up-Verbänden und -Initiativen geplant. „Die Stimmen der europäischen Start-ups sind nicht laut genug“, lässt sich Verbandsvorsitzender Florian Nöll in einer Pressemitteilung zitieren. Nöll leitet den deutschen Startup-Verband seit sieben Jahren und plant, sein Amt im Herbst an den Investor Christian Miele zu übergeben.

Vom Manifest zum Memorandum

Vor zwei Monaten war die deutsche Organisation gemeinsam mit France Digital mit dem Manifest „The United Tech of Europe” an die Öffentlichkeit gegangen. Andere Verbände hatten sich angeschlossen. In dem Dokument (hier als PDF) hatten die Vertretungen unter anderem europaweit einheitliche Regelungen für die Besteuerungen von Digitalunternehmen sowie einfachere Visa-Verfahren für Fachkräfte gefordert.

Insbesondere angesichts des möglichen Ausstiegs Großbritanniens aus der EU wollen sich Deutschland und Frankreich als führende Start-up-Nationen positionieren. Zahlreiche junge Digitalunternehmen haben das jeweils andere Land als einen wichtigen ersten Schritt in ihren Wachstumsplänen. Die nun angestrebte Zusammenarbeit zwischen Startup-Verband und France Digital sei „der erste Schritt, um die Interessen und Positionen europäischer Start-ups zu bündeln und vor den europäischen Institutionen hörbar zu machen“, so Nöll.

Mit diesem Mandat ist in Brüssel eigentlich bereits die Organisation Allied for Startups unterwegs, der seit ihrer Gründung 2014 insgesamt 45 Mitglieder beigetreten sind. Darunter sind viele Verbände, unter anderem France Digital sowie die Start-up-Organisationen aus Österreich, Belgien, den Niederlande, aber auch Brasilien und Chile. Die Allianz gehörte ebenfalls zu den Unterzeichnern des „United Tech of Europe“-Manifests aus dem März.

Lobby-Arbeit in Brüssel

Auch ansonsten stehen ähnliche Themen auf der Agenda: Neben den Start-up-Visa sind das beispielsweise Datenschutzfragen, Urheberrechtsreform oder Netzneutralität. Man habe zwar schon einiges an politischer und öffentlicher Aufmerksamkeit erreicht, sagt Lenard Koschwitz, der die Politikthemen bei Allied for Startups verantwortet, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns, bis die Regelungen den Alltag der Start-up-Unternehmer  verbessern.“

Teil der Mission von Allied for Startups sei es, die Mitglieder und andere Organisationen zu unterstützen, einen stärkeren Fußabdruck auf der europäischen und globalen Ebene zu hinterlassen. Auf die Frage, ob die nun gestartte deutsch-französischen Intitiative eine Konkurrenz darstelle, ging Koschwitz nicht explizit ein.