Ein anderer Aspekt der jährlich durchgeführten Studie sorgte bereits für Aufmerksamkeit: Laut Monitor stammen die meisten der 1550 dort ausgewerteten Start-ups aus NRW. Mit einem Anteil von 19 Prozent an den bundesweiten registrierten Unternehmen stürzt Nordrhein-Westfalen damit die Bundes- und Start-up-Hauptstadt Berlin vom Thron.

Die Werte sind jedoch mit Vorsicht zu genießen – der Monitor ist zwar die umfassendste Erhebung zur deutschen Gründerszene, jedoch nicht repräsentativ. Daher sind die neuen Zahlen vor allen ein Indiz dafür, dass die Start-ups-Szene im Westen der Republik besser mobilisiert hat.

Dort ist seit diesem Frühjahr auch der Bundesverband mit neuer Organisation und mittlerweile sogar einem eigenen Mitarbeiter vor Ort vertreten. Mit digitalen E-Commerce-Schwergewichten wie Zalando oder Hellofresh ist die Hauptstadt jedoch immer noch sehr gut aufgestellt, auch größere Finanzierungen werden immer wieder von Berliner Start-ups verbucht – wie etwa die gestern verkündeten 150 Millionen Dollar für den Fahrtenvermittler Go Euro belegen.

Trommeln in der Politik

Die aktuellen Zahlen sorgen jetzt dennoch für Spitzen auf der politischen Bühne: „Während Berlin nur über Kunden redet, leben in NRW die Kunden vor der Haustür“, sagt etwa Christoph Dammermann, Staatssekretär im NRW-Wirtschaftsministerium, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Der zuständige Minister Andreas Pinkwart hatte dort zuletzt ein Gründerstipendium umgesetzt, viel Aufmerksamkeit liegt auch auf der Förderung von Hochschulen.

Auch in Berlin, die den Spitzenplatz abgeben mussten, sorgten die Zahlen für Reaktionen. Bei Twitter positionierten sich etwa die Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg: „Die Konkurrenz holt auf. Das darf den Senat nicht kalt lassen“.