Auch wenn die Wirtschaft stottert: Die meisten Start-ups blicken optimistisch in die Zukunft, zeigt eine aktuelle Studie. Investieren wollen sie vor allem in Mitarbeiter und Marketing. Das ist aktuell wichtig – langfristig darf der Fokus jedoch nicht verloren gehen.

Jedes zweite deutsche Start-up sieht sich bereits heute in einer guten geschäftlichen Lage – zwei von drei Start-ups rechnen sogar damit, das sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden sechs Monaten sogar verbessert. Das zeigen die Ergebnisse des Start-up-Monitors, der heute veröffentlicht wurde. „Während in vielen Branchen die Sorgen vor einer Wirtschaftskrise zunehmen, sehen Start-ups weiterhin gute Marktchancen“, sagt Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutsche Startups (Startup-Verband).

Die jährlich durchgeführte Umfrage zeichnet ein recht umfassendes Bild der deutschen Gründerszene – für die aktuelle Auswertung wurden fast 2000 Datensätze berücksichtigt. Repräsentativ sind die Angaben nicht. Es handele sich, so betonen es auch die Autoren der Studie (hier geht es zum PDF), stets nur um eine „Momentaufnahme des Start-up-Geschehens in Deutschland“.

Die lässt trotzdem einige Rückschlüsse zu. Einige etablierte Unternehmen fangen bereits an, ihrer Belegschaft Kurzarbeit zu verordnen. Zahlreiche Großkonzerne haben bereits den umfangreichen Abbau von Stellen angekündigt. Junge Digitalunternehmen blicken dagegen weiter überwiegend positiv in die Zukunft. Der Geschäftsklima-Saldo, den die Start-up-Studie berechnet, liegt mit 52,9 Punkten nur geringfügig unter dem Vorjahreswert von 53,4. Für die Gesamtwirtschaft war er im Laufe des Jahres abgesackt, wenn auch mit leichter Erholung im September.

Gute Gründe für den Optimismus

Für den Optimismus gibt es gute Gründe: Viele größere Unternehmen kommen von einem hohen Umsatzniveau und einem ebenso hohen Mitarbeiterstamm. Sinken die Einnahmen, muss schnell auch der Kostenblock angegangen werden. Start-ups dagegen arbeiten meist in kleinen Teams – laut Start-up-Monitor besteht ein Team durchschnittlich aus 13,3 Mitarbeitern.

Dazu kommt: Ein Großteil der Umfrageteilnehmer arbeitet in Start-ups, die sich an Geschäftskunden richten. Nur ein gutes Viertel der jungen Unternehmen erzielen ihre Umsätze ausschließlich mit Verbrauchern. Sinkt hier die Kaufkraft der Menschen, tun sich die Start-up schwerer, einen Teil der Ausgaben zu sichern. Gelingt es dagegen, Geschäftskunden zu vermitteln, dass sich mit den eigenen – meist digitalen – Lösungen entweder Kosten einsparen oder zusätzliche Umsätze erzielen lassen, sind sie gerade in einer Krise begehrte Ansprechpartner.

Investoren stehen bereit

Die Herausforderung in diesem Geschäft: Bis es zu ersten Verträgen und damit Einnahmen für die Start-ups kommt, kann es dauern. Einkaufsabteilungen in Konzernen entscheiden selten so impulsiv wie ein Handynutzer im App-Store. Die Start-ups sind daher längere Zeit auf Risikokapital angewiesen, um die neben der Entwicklungs- auch die Vertriebsphase vorzufinanzieren.

Das scheint theoretisch kein Problem für deutsche Gründer zu sein: Die Fonds der Investoren sind gut gefüllt – und werden über die nächsten drei bis fünf Jahre auf Beteiligungen verteilt werden. Die Bewertungen von Start-ups könnten dagegen in einer möglichen Krise wieder etwas von den derzeitigen Höchstständen sinken.

Warnung vor der Wachstumsbremse

In der Praxis des Start-up-Monitors beklagen jedoch zahlreiche Gründer, dass insbesondere der Zugang zu Business Angels, Fördermitteln und Venture-Capital-Gesellschaften noch nicht so gut gelingt wie gewünscht. Das deute auf eine „Wachstumsbremse für Start-ups“ hin, urteilen die Studienautoren.

Wachsen wollen die befragten Start-ups vor allem bei Mitarbeitern (im Schnitt will jedes Start-up acht neue Mitarbeiter einstellen) und im Marketing (um die Vertriebs-Pipeline zügiger zu füllen): Das sind laut der aktuellen Umfrage die Bereiche, in die die jungen Unternehmen in der näheren Zukunft am häufigsten investieren wollen – mit Zustimmungsraten von jeweils über 70 Prozent.

Nur knapp 62 Prozent der Start-ups wollen dagegen ihre bestehenden Produkte verbessern, sogar nur 56 Prozent neue Produkte entwickeln. Das deutet darauf hin, dass sich die befragten Unternehmen in einer Wachstumsphase befinden. Langfristig könnte dieser Fokus jedoch gefährlich werden – schließlich sind Innovationen in Technologie oder Prozessen die Kernkompetenz der meisten Start-ups.