Die unzerstörbare Brille von Gloryfy überzeugte in der „Höhle der Löwen“. Im Interview verrät Gründer Christoph Egger, wie es nach der Sendung weiterging.

In der fünften Ausgabe der Höhle der Löwen begeisterte der Österreicher Christoph Egger mit seinen unkaputtbaren Brillen. Mit seinem Start-up Gloryfy Unbreakable hat er besonders flexiblen Kunststoff entwickelt, so dass Gläser und Gestelle auch großem Gewicht und starken Stößen standhalten können. Eine Erfindung, die die Juroren ausnahmslos begeisterte.

Dennoch zeigten sie sich auch skeptisch. Am Ende entschieden sich Carsten Maschmeyer und Frank Thelen für eine Zusammenarbeit. Wer auch nach der Aufzeichnung an Bord blieb und wie es für Gloryfy weitergeht, erzählt Christoph Egger im Interview.

Herr Egger, herzlichen Glückwunsch! Sie konnten zwei der Löwen von einem Investment überzeugen. Wie sieht die Zusammenarbeit mit Carsten Maschmeyer und Frank Thelen mittlerweile aus?
Direkt nach der Sendung wurde unter der Leitung des Teams Maschmeyer eine umfangreiche Due-Diligence eingeleitet, die uns viel Zeit und Energie gekostet hat. Gleichzeitig haben wir dadurch aber nochmals unsere Prozesse durchleuchten und auch verbessern können. Mit Frank Thelen waren wir bis zuletzt in Verhandlungen, doch nun hat er sich entschlossen, das Investment nicht weiter zu verfolgen. Über die genauen Beweggründe können wir allerdings nichts sagen. Mit Carsten Maschmeyer und seinem Team befinden wir uns zur Zeit noch in finalen Gesprächen, diese sind allerdings schon relativ weit fortgeschritten, eine unverbindliche Absichtserklärung ist unterzeichnet und wir hoffen auf ein positives Ergebnis!

Noch einmal zurück zur Sendung. Sie baten die Löwen um 500.000 Euro und wollten dafür fünf Prozent Ihres Unternehmens abgeben. Am Ende erhielten Sie 750.000 Euro für 20 Prozent. Wie schwer fiel es Ihnen, diesen Vorschlag der Löwen anzunehmen?
Die Entscheidung ist mir schon relativ schwer gefallen, da wir von einer anderen Bewertung ausgegangen waren. Der Grund für das „Ja“ war aber darin begründet, dass ja beide Löwen einen wesentlichen Mehrwert zu dem Cash-Investment mit einbringen. Beim Team Maschmeyer sind dies natürlich die Vertriebspower und das Vertriebs-Know-How, die für uns am deutschen Markt eine große Hilfe sein werden.

Die Löwen zeigten sich alle fünf begeistert von Ihrer Erfindung. Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee?
Bei meinem ersten Start-up, einer Handyhalterung, hatte ich viel mit dem Werkstoff Silikon zu tun. Um diese Zeit herum hat sich ein Freund von mir bei einem Sportunfall schwer am Auge verletzt. Das war der entscheidende Impuls, mit der Entwicklung der unzerbrechlichen Brille zu beginnen. Erste Experimente mit Silikon schlugen jedoch fehl, die Entwicklung war eine riesige Herausforderung. Sowohl das Material als auch der Produktionsprozess waren komplettes Neuland in der Brillenwelt – wir waren die ersten, die aus dem eigens entwickelten Spezialpolymer NBFX Brille und Linsen produzierten und mussten somit auch für alle Probleme selber Lösungen finden, ohne auf Erkenntnisse von anderen zurückgreifen zu können. Schlussendlich konnten wir aber die größten Hürden beseitigen und 2011 in Serienproduktion gehen.

Sie haben sieben Jahre lang an Ihrem Produkt getüftelt und sind immer wieder Leuten begegnet, die Sie zum Aufhören bewegen wollten, weil sie nicht an Sie und Ihre Entwicklung glaubten. Was haben Sie daraus gelernt und was können Sie anderen Gründern raten?
Es ist immer schwierig, Ratschläge zu geben ohne zu belehrend zu wirken. Auf alle Fälle muss man ganz fest an sich und an die Idee glauben. Zu mir hat mal jemand gesagt: „Christoph, man spürt bei dir diesen Zug aufs Tor – du hast nichts anderes im Kopf als den Ball ins Tor zu kriegen!“ Ich denke, das beschreibt es ganz gut. Wir reden oft von unserem „unbreakable spirit“ – davon niemals aufzugeben und sein Ziel vor Augen zu haben. Gleichzeitig läuft man dabei natürlich Gefahr, dass man manchmal einen Tunnelblick bekommt und sich gewissermaßen abschottet. Ich bin in vielen Situationen an Grenzen und darüber hinaus gegangen. In solchen Situationen musste ich mir unser Motto wieder selbst vor Augen halten, um weitermachen zu können! Doch dank der Unterstützung meiner Familie und Freunde und meines Teams konnte ich mich durch solche Tiefs kämpfen und wir stehen jetzt im Jahre 2016 an einem sehr spannenden Punkt in der Firmengeschichte.

Es gab eine Szene in der Sendung, in der Frank Thelen Ihnen unterstellte, den Juroren etwas zu verheimlichen – als Sie die Umsatzzahlen der Firma offenbarten. Was war da los?
Ja, das war eine etwas merkwürdige Situation. Er meinte sinngemäß „So ein tolles Produkt und dennoch stagnieren die Umsatzzahlen die letzten Jahre, wie kann das sein?“ Fakt ist nun aber mal, dass wir in einem Bereich agieren, in dem der Gigant Luxottica mit Marken wie Oakley und Ray Ban 80 Prozent des Weltmarktes beherrscht. In Österreich haben wir sehr schnell eine gute Basis aufbauen können. Dass es in Deutschland und auf internationalen Märkten komplett andere Voraussetzungen gibt, mussten wir einfach lernen und uns darauf einstellen. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau der Kollektion. Wir haben 2014 zu der Sportsonnenbrillen-Kollektion noch eine Lifestyle-Sonnenbrillen-Kollektion hinzugefügt. 2016 kam dann unsere OPTICS-Kollektion – wir können somit heute auch optische Brillen mit unserer „unbreakable Technologie“ anbieten, was natürlich ein riesiger Vorteil ist. Wir haben keinen Grund, irgendetwas zu verheimlichen.

Welche Pläne haben Sie nun?
Zurzeit bauen wir unser Vertriebsteam in Deutschland auf, unser ganzer Fokus liegt momentan auf dem dortigen Markt. Unser Ziel ist es, neben Österreich den ersten großen Massenmarkt zu erreichen, mit einer neuen Marke, einer neuen Technik – das ist eine Herkulesaufgabe.