Das Allgäuer Unternehmen baut Speicher, um erneuerbare Energien puffern zu können. Der globale Öl-Multi investiert viel Geld, um sein Geschäft umzubauen.

Exit für ein Energie-Start-up: Das 2010 gegründete Start-up Sonnen wird von dem britischen Giganten Shell übernommen. Das teilten die beiden Unternehmen heute mit. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben. Shell war seit vergangenem Mai bereits Gesellschafter bei Sonnen mit Sitz in Wildpoldsried im Allgäu – damals hatte der Energiekonzern eine Finanzierungsrunde über 60 Millionen Euro angeführt. Der jetzigen Komplettübernahme müssen die Regulierungsbehörden noch zustimmen.

Im Kern des Geschäftsmodells von Sonnen stehen Batteriespeicher für Haushalte. Damit sollen Verbraucher etwa Energie, die sie auf dem eigenen Hausdach mit Photovoltaikanlagen erzeugen, zwischenspeichern können. Darüber hinaus hat das Start-up auch begonnen, diese Stromspeicher miteinander zu einem eigenen Stromnetz zu verbinden und experimentiert auch mit eigenen Stromtarifen.

Shell als strategischer Partner

Im Jahr 2016 machte das Start-up damit ausweislich des Bundesanzeigers einen Umsatz von knapp 38 Millionen Euro – einen Zuwachs um etwa 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Gegenüber dem Handelsblatt gab Sonnen-Mitgründer Ostermann an, dass der Umsatz 2017 auf 61 Millionen Euro gesprungen war. Allerdings hatte das stark expandierende Start-up im Jahr 2016 auch einen Fehlbetrag von etwa 15 Millionen Euro ausgewiesen.

Mit der kapitalstarken Shell an der Seite soll das ehrgeizige Wachstum nun weiter finanziert werden. Man habe den „perfekten strategischen Partner gefunden“, lässt sich Sonnen-Mitgründer Christoph Ostermann in einer Pressemitteilung zitieren. Gemeinsam wolle man „innovative und integrierte Energieangebote“ aufbauen. Dazu könnten auch Ladelösungen für Elektroautos oder Netzdienste gehören.

Shell will das Allgäuer Start-up seiner 2016 gegründeten Sparte New Energies zuordnen. Für Investitionen und Übernahmen in Produkte und Start-ups rund um neue Kraftstoffe und Strom stehen dem Bereich im Moment jährlich zwischen einer und zwei Milliarden Dollar zur Verfügung. „Die Übernahme wird es uns fortan ermöglichen, eine noch größere Produktauswahl anzubieten“, sagt der verantwortliche Manager von Shell New Energies, Mark Gainsborough.

Profitieren von der Energiewende

Sonnen arbeitete fernab vom Berliner Start-up-Hype eine lange Zeit unbemerkt von der Öffentlichkeit. Investoren sprachen dem jungen Unternehmen jedoch ein großes Potenzial zu – zuletzt erhob eine Studie Sonnen in den Rang der Start-ups, die eine Milliarden-Bewertung erreichen könnten.

Mit der Energiewende als Testfeld vor der Haustür wollen einige deutsche Start-ups den kapitalintensiven Markt erobern. Unternehmen wie Next Kraftwerke oder GridX arbeiten ebenfalls an Hard- und Software, um die schwankende Energieerzeugung durch Sonne und Wind auszugleichen. Frank Thelen investierte im vergangenen Jahr in das Start-up Kraftblock, welches Energiespeicher in Containergröße auf den Markt bringen will. Allerdings bremsen hierzulande häufig auch regulatorische Hürden: Sonnen gehörte zu den jungen Unternehmen, die im vergangenen Jahr eine Wunschliste an die Politik formuliert hatten, um bei der Energiewende voranzukommen.