Mit Internet-Tools und Netzwerken schaffen es Solopreneure, alleine ein Start-up hochzuziehen. Nicht einmal auf fremdes Geld sind sie angewiesen.

Stefanie Jarantowski holte sich für ihr Start-up Hilfe von Experten aus New York und Tokio. Sie musste dafür ihr Zimmer in Berlin nicht einmal verlassen. Mitten in der Nacht saß sie vor dem Laptop und schaute sich Videos über E-Mail-Marketing an. Für die Gründerin steckte Prinzip dahinter: Immer, wenn sie beim Gründen nicht weiter wusste, suchte sie nach Hilfe im Internet. Sie lernte so die Basics im Programmieren – und fand Tools, die lästige Arbeiten übernahmen.

Mit diesem Rezept ist ihre Location-Plattform eventsofa groß geworden. „Von Anfang an habe ich alleine geplant“, sagt Jarantowski heute. Gezielt baute sie sich ein Netzwerk auf, falls sie einmal Feedback brauchte. Für größere Aufgaben holte sie sich Hilfe, etwa von einem Programmierer. Ihr Ein-Frau-Unternehmen blieb frei und flexibel. „Als Solopreneurin musste ich nie Kompromisse eingehen“, sagt die 32-Jährige.

Woher Start-ups ihr Geld bekommen

Eigene Ersparnisse
82 Prozent – Quelle: Deutscher Start-up Monitor
Familie und Freunde
32,7 Prozent
Staatliche Fördermittel
29,1 Prozent
Business Angels
28,2 Prozent
Inst. Risikokapitalgeber
21,4 Prozent
Inkubatoren
10,9 Prozent
Bankdarlehen
10,2 Prozent
Schwarmfinanzierung
4,1 Prozent

Es ist ein neuer Gründertyp, der sein Geschäftsmodell ohne Team verwirklicht. Im Gegensatz zum normalen Freiberufler warten Solopreneure nicht auf Aufträge, sondern werkeln an eigenen Produkten. „Solopreneure wollen nicht das nächste große Ding erfinden und ihr Smartphone mit einem Kühlschrank kreuzen“, sagt Ehrenfried Conta Gromberg, der das im März erscheinende Buch „Solopreneure – alleine schneller am Ziel“ geschrieben hat. Stattdessen sehnen sie sich nach Unabhängigkeit: Sie arbeiten aus dem Homeoffice oder vom Schreibtisch in einem Coworking Space. Und keiner redet ihnen rein.

Auf der Suche nach der Nische

Gründerin Jarantowski packte es vor knapp vier Jahren. Sie arbeitete damals in einer Eventagentur und suchte nach einer Plattform, auf der alle Veranstaltungsorte gesammelt sind. „Es war das Produkt, das ich mir für meine Arbeit immer gewünscht habe“, sagt Jarantowski. Sie kündigte und setzte sich an ihre Geschäftsidee: Sie würde die Plattform aufbauen, die Veranstalter für ein Profil bezahlen. Mittlerweile sind mehr als 7000 Locations auf der Seite zu finden.

Gerade diese Nischenprodukte bringen Solopreneure erfolgreich auf den Markt. Es sind oft die Ideen, nach denen die Gründer selbst gesucht haben. Etwa Timo Hetzel aus München. Er spricht in seinem Podcast “Bits und so” jede Woche mit Gästen mehrere Stunden über Technik- und Netzthemen. Von den Einnahmen kann er leben. Oder Henning Groß aus Hamburg: Er verkauft in seinem Online-Shop hasenfarm.com T-Shirts mit Hasendesigns.

Wie viele Sologründer bereits einen ähnlichen Weg gegangen sind, ist schwer zu erfassen. 2,5 Millionen Menschen arbeiten als sogenannte Soloselbstständige. Drei Viertel der Gründer starten laut KfW als Sologründer. Doch nur ein Bruchteil macht keine Auftragsarbeit und gründet allein. „Es arbeiten in Deutschland einige tausend Solopreneure“, schätzt der Experte Conta Gromberg, allerdings gibt es immer mehr Selbstständige, die zusätzlich zu ihrer Auftragsarbeit an eigenen Produkten feilen. Und darauf hinarbeiten, dass sie eines Tages von der eigenen Geschäftsidee leben können.

Die Arbeitskollegen aus dem Internet

Ohne Hilfe ist das Gründen ohne Team wie bei Gründerin Jarantowski schwer möglich. Verschiedene Tools ersetzen bei der täglichen Arbeit ihre Kollegen: Customer IO etwa verwaltet die Kommunikation mit den Kunden. Am Anfang verschickt es eine Begrüßungsmail, sieben Tage später gibt es Tipps und Hinweise. Viele weitere Aufgaben der Solopreneure lassen sich ebenso im Internet organisieren. Exactonline.de übernimmt beispielsweise die Buchhaltung, der Kundenkontakt funktioniert mit Highrise und die Logistik über Amazon. Dienste wie Skype, Evernote und Things erleichtern das Management. Die Frage, von wo aus der Solopreneur gerade arbeitet, verliert an Bedeutung.

Tipps für den Business-Plan

Genaue Beschreibung des Produkts
Wenn Sie ein Produkt vertreiben wollen, muss der Businessplan den aktuellen technischen Entwicklungsstand beinhalten sowie Informationen über bestehende Patente oder Lizenzen. Handelt es sich dagegen um eine Dienstleistung, sollten Sie vor allem Alleinstellungsmerkmale betonen. Was macht Ihr Angebot anders als das des Wettbewerbers? Für beides gilt, möglichst genau.
Marktanalyse
Auch ein Blick auf den Wettbewerber ist wichtig: Wer kann Ihnen Konkurrenz machen und welche Strategien verfolgen andere Unternehmen? Dazu lohnt eine genaue Zielgruppendefinition inklusive Einkommen und Zahlungsmoral der möglichen Kunden.
Chancen und Risiken
Eine Unternehmensgründung ist immer auch mit Risiken behaftet. Um zu zeigen, dass Sie Ihr Vorhaben realistisch sehen und mögliche Risiken in Ihre Berechnungen einbezogen haben, sollte alles möglichst genauso berechnet werden. Empfehlenswert ist dazu ein Best-Case- und ein Worst-Case Szenario.
Investitionen
Eine der wichtigsten Rollen bei der Existenzgründung spielt Geld. Daher sollten Sie in Ihrem Businessplan diesen Punkt extra ausarbeiten und mit Zahlen und Fakten belegen. In einem ersten Teil können mögliche Anschaffungen der nächsten drei bis fünf Jahre aufgelistet werden. Daraus ergeben sich der Kapitalbedarf und die jährlichen Ausschreibungen.

Günter Faltin hat diesen Weg erforscht. Das Gründen mit sogenannten Komponenten ist ein Ansatz, den der Professor aus Berlin seit Jahren predigt. „Überall in der Wirtschaft reden alle von Arbeitsteilung, nur der Gründer soll der Zampano sein, der alles alleine macht“, sagt Faltin. Mit Komponenten meint der Professor genau dieses Auslagern von Aufgaben. Der Solopreneur sitzt am Ende an seinem Schreibtisch und hält die Fäden in der Hand.

Der Professor ist kein reiner Theoretiker. Sein Konzept hat er entwickelt, weil er die Probleme kennt – aus eigener Erfahrung. Vor fast 30 Jahren gründete er gemeinsam mit einer Gruppe von Studenten die Teekampagne. Die Idee: Tee in großen Mengen und ohne Zwischenhändler nach Deutschland zu importieren. Das Produkt: Nur die Sorte Darjeeling und der Verkauf nur in großen Packungen – dafür bietet die Teekampagne gute Qualität und ein niedrigen Preis. Faltin ist mit der Teekampagne mittlerweile der weltgrößte Importeur von Darjeelingtee.

Schwierigkeiten hatte die Studentengruppe zu Beginn gleich mehrfach mit der Software. „Wir haben zweimal ein selbstgebasteltes Programm verwendet“, erzählt Faltin. Beide Male schmierte die Software ab. Der Professor zog daraus den Schluss diesen Vorgang möglichst auszulagern. „Studenten, Schulfreunde und Bekannte eignen sich nicht für diese Aufgaben“, sagt Faltin. Es brauche professionelle Dienste. Schnell lagerten sie andere Dinge wie die Verpackung und das Versenden des Tees ebenfalls aus.

Durch das Outsourcen braucht der Solopreneure keine großen Maschinen im Keller. Das hat einen großen Vorteil: Niemand muss Tausende von Euro in die Idee stecken und sich womöglich noch bei der Bank verschulden. Thorsten Kucklick ist mit seinem Start-up MeinSpiel nur mit eigenem Geld gestartet. „Es hat den Vorteil, dass sich die Idee vom ersten Tag an beweisen muss“, sagt er. Sei die erste Phase erst einmal überwunden, könne das Unternehmen mit den laufenden Einnahmen auch das Produkt weiterentwickeln. „Ich bleibe als Gründer immer Herr der Lage“, sagt Kucklick.

Keine Ideologie

Während andere Start-ups über Monate nach Geld suchten, könnte der Solopreneur, der sich selber finanziert, sein Produkt schon auf den Markt bringen. Kucklick hat über seine Erfahrungen mit dem sogenannten Bootstrapping ein Buch geschrieben. Mit dem passenden Titel: „Das 1000-Euro-Startup“.

Die eventsofa-Gründerin Jarantowski finanzierte sich bislang auch nur mit eigenem Kapital. Um Geld für das Coworking Space zu sparen, saß sie öfter in der Berliner Stadtbibliothek zwischen lernenden Studenten und lesenden Rentnern.

Doch für sie – wie für viele Solopreneure – ist diese Art des Arbeitens keine Ideologie. Mittlerweile hat Jarantowski einen festen Platz in einem Coworking Space und beschäftigt fünf Mitarbeiter. Und sie sucht jetzt erstmals nach Fremdkapital für das Unternehmen – für den nächsten großen Schritt. „Ich würde genauso wieder alleine starten“, sagt die Berliner Gründerin.