In der Medienszene zu gründen, ist nicht immer leicht. Auf der Social Media Week in Hamburg erklärt Lina Timm wie es gehen kann.

160 Events, 3000 Teilnehmer und ganz viel Digitalisierung: Bei der 5. Social Media Week Hamburg sprach Ulrike Klode mit Lina Timm, Leiterin des Media Lab Bayern, über Start-ups in der Medienbranche und wie schwierig es sein kann, in der Medienszene zu gründen. Das digitale Kaminfeuer loderte während des Gesprächs im Hintergrund.

Im vergangenen Jahr gab es gleich mehrere erfolgreiche Medien-Gründungen. Besonders hervorgetan hat sich dabei etwa Edition F, ein Online-Magazin für Frauen, das unabhängig von einem Verlag ist und eine eigene Medienmarke etablieren konnte. Neben den Unternehmensgründungen in der Medienbranche wachsen aber auch Förderprogramme für Medien-Start-ups, wie etwas das Media Lab Bayern.

„Wir müssen den Journalismus neu denken“

Das Media Lab Bayern sucht kreative Vordenker, die ihre eigenen Medienprojekte nicht nur erfinden, sondern auch umsetzen wollen. Als Inkubator fördern sie Gründer-Teams durch finanzielle Unterstützung, Meet-ups und vernetzen Journalisten, Programmierer und Designer miteinander. Im Business-Coaching wird den jungen Start-ups regelmäßig bei der Entwicklung des Geschäftsmodells geholfen. Sie bekommen ein eigenes Büro und Expertise durch Workshops. Im „Founders Fellowship“, dem Stipendien-Programm des Media Labs Bayern, gibt es zweimal im Jahr eine Bewerbungsphase, der erste Durchgang hat das Programm schon abgeschlossen. Das Media Lab wird durch das bayrische Wirtschaftsministerium gefördert. Der Unterschied zu anderen Inkubatoren und Acceleratoren sei also, dass das Media Lab Bayern nicht getrieben von großen finanziellen Interessen ist. „Ein Projekt muss nicht zwanghaft riesig werden und viel Geld bringen, weil wir ja keine Anteile haben“, sagt Lina Timm im Kamin-Gespräch. Businessmodell und Prototyp können auch während der Beratung entstehen, denn das Media Lab fördert Gründer oder Gründungsinteressierte in einer sehr frühen Phase.

Für Timm ist außerdem ein gesunder Idealismus sehr wichtig: „Als Einrichtung, die öffentlich gefördert wird, ist es unsere Aufgabe, dem Journalismus zu helfen, sich in Zeiten der Digitalisierung neu zu finden“. Das Media Lab Bayern fördert nicht nur neue Gründungen, sie wollen auch den Medienwandel mitgestalten.

„Wenn Investoren skeptisch sind, überzeugt die Leser“

Ein großes Problem ist es, dass „technische Ideen besser zu skalieren sind als Content. Eine Redaktion mit Journalisten ist ein begrenztes Konzept“, sagt Timm auf der Social Media Week. Investoren seien skeptisch und glauben häufig nicht an den Erfolg von Gründungsideen, die auf journalistischem Inhalt basieren. Timm sagt, dass Journalismus selbst noch nie wirklich Geld verdient hat. Technologien seien deutlich leichter zu vermarkten als Content, aber eine Chance gibt es für journalistische Geschäftsmodelle: Man müsse die Leser überzeugen, wenn Investoren skeptisch sind. „Es bleibt super schwer, mit gutem Journalismus Geld zu verdienen, aber Crowdfunding und Crowdinvesting sind die Finanzierungsmöglichkeiten der Zukunft.“

Was Gründer in der Medienbranche mitbringen sollten? Lina Timm empfiehlt, dass sich die Teams ergänzen sollten und unterschiedliche Skills vereinen. „Ein gutes Team funktioniert besser als eine gute Idee. Denn wenn der Wille des Teams stimmt, kommt die gute Idee automatisch.“