Braucht Deutschland mehr Social Entrepreneurship?
Ja, definitiv. Deutschland braucht mehr Social Entrepreneure, weil wir klassischerweise ein Land sind, bei dem gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen erst einmal getrennt scheinen von der wirtschaftlichen Welt. Sprich, wenn es hier jemandem nicht gut geht oder wir auf ein gesellschaftliches Problem treffen, ist der erste Reflex zumeist, der Staat muss sich darum kümmern. Da gibt es andere Länder – etwa Großbritannien oder die USA – wo dieser Reflex nicht so stark ist und wo die Verquickung von wirtschaftlichem Handeln und einem sozialen Gedanken schon in der Kultur und der Geschichte deutlich stärker verankert ist. In diesen Ländern herrscht deshalb weniger Skepsis, wenn jemand sagt, er möchte sozialen Mehrwert schaffen und sich dafür unternehmerischer Mittel bedienen. Großbritannien und die USA sind da weltweit führend, während Deutschland noch großen Nachholbedarf hat.

Kommt Social Entrepreneurship in der Bundesrepublik denn voran?
Einerseits glaube ich, dass auch die Regierung mittlerweile langsam erkennt, wie wichtig Social Entrepreneurship ist. Das Bundeswirtschaftsministerium legt etwa ein Programm auf, um Social Entrepreneure zu unterstützen und die KfW-Bank hat damit begonnen für Social Entrepreneurship Darlehen mit speziellen Geldquellen verfügbar zu machen. Da scheint also zumindest langsam jemand aufzuwachen und das Potenzial zu erkennen. Andererseits gibt es mittlerweile immer mehr spannende Intermediäre auf dem Markt. Etwa eine Social-Entrepreneurship-Akademie, die als Netzwerkorganisation Vorträge, Weiterbildungen und Beratungen anbietet. Es wächst also gerade ein Ökosystem heran, bei dem man sich bedienen kann und natürlich lohnt sich immer auch der Blick ins Ausland: etwa nach London, wo die Branche schon acht, neun Jahre weiter ist und von der wir hierzulande viel lernen können.

Wenn jemand über einer sozialen Start-up-Idee brütet und die gerne verwirklichen möchte, was würden Sie demjenigen raten?
Vielleicht zunächst einmal, dass er nicht mit zu vielen Menschen sprechen sollte, weil viele grundsätzlich schon davon abraten und die Idee wohl als Schwachsinn bezeichnen werden. Dafür ist die generelle Skepsis in der Gesellschaft noch zu groß. Man sollte mit den richtigen Leuten sprechen, die sich auskennen und einen darin bestärken können, wenn die Idee es wert ist. Es gibt mittlerweile viele Einrichtungen – etwa Co-Working-Spaces – speziell für Social Entrepreneure, wo sie die passende Unterstützung bekommen. Es gibt auf dem Weg immer genug Menschen, die einen als Spinner bezeichnen – auch die eigenen Eltern wahrscheinlich – und deshalb ist es gut sich Unterstützer zu suchen, die das System des Social Entrepreneurship verstehen.

Was macht Social Entrepreneurship aus?
Wenn man erfolgreichen Social Entrepreneuren zuhört, wenn die ihre Geschichten erzählen, dann strahlen sie häufig eine große Zufriedenheit aus. Das ist ein Gefühl, das sich aufzusaugen lohnt. Denn wenn die schweren Zeiten kommen, kann man sich dann bewusst machen, wofür man das Ganze eigentlich auf sich nimmt, während es bei einer normalen Gründung schnell einfach nur darum geht viel Geld zu verdienen. Das ist in meinen Augen einer der großen Vorteile des Social Entrepreneurs.