Wie misst man den Erfolg der Start-up Szene?

Wir haben hier ein Wirtschaftsfeld, wo es keinen Index oder ähnliches gibt. Das bedeutet, man wird sich typischer Weise stark auf erfolgreiche Beispiele beziehen. Aber darin liegt auch das Problem: Aus meiner Sicht kommt es nicht unbedingt darauf an, dass wir fünf oder sechs Star-Start-ups produzieren, die alle Preise abräumen. Es reicht auch nicht, wenn sich ganz viele Gewerbe-Anmeldungen in der Statistik nachvollziehen lassen. Wichtig ist, dass möglichst viele Start-ups entstehen, die ein vernünftiges Wachstumspotential haben. Die müssen jetzt gar nicht so prominent und überall präsent und zitierfähig sein, sondern gute Entwicklungschancen haben. Dass davon möglichst viele und im Zweifel mehr als in der Vergangenheit entstehen, das ist aus meiner Sicht wichtig.

Was raten Sie Ihren Studenten konkret: Worauf kommt es für ein junges Unternehmen 2016 an?

Ich glaube weiterhin – obwohl das ein bisschen als antiquiert gilt – dass Start-ups einen vernünftigen Business-Plan schreiben sollten. Also einen Business-Plan klassischer Art mit einer finanziellen Prognose und einer ordentlichen Markt- und Wettbewerbsanalyse. Außerdem: Die Internationalisierungsfrage prüfen. Bin ich ein Unternehmen, bei dem es Sinn macht früh zu internationalisieren, auch wenn ich dafür mehr Geld brauche? Das ist typischer Weise eine ganz wichtige Frage. Und ein weiterer Punkt, der in der Frühphase wichtig ist, ist über das Team nachzudenken. Da halten viele zu Gründungsteams ihre Konstellation für selbstverständlich das richtige.

Gibt es Branchen, die 2016 besonders profitieren können?

Die drei Sektoren Life-Science, Hightech und Digitalwirtschaft haben sich in den letzten fünf, sechs Jahren etabliert, ich glaube da herrscht eine gewisse Stabilität. Wenn ich bei irgendwas einen Aufschwung sehe, dann sind das die Fin-Tech-Unternehmen – quasi als Nebenzweig der Digitalwirtschaft. Ich spreche von Unternehmen, die versuchen unterhalb der traditionellen Regulierungsschwelle von Banken und Versicherungen durchzuschlüpfen und dem Finanzsektor neue Angebote machen. Ich glaube, da stehen genug Unternehmen in den Startlöchern, die clevere Ideen haben. Da würde ich noch einiges erwarten.

Die deutschen Start-ups verändern sich rasant. Zuletzt gab es zum Beispiel immer mehr Gründerinnen. Welche Trends werden sich in 2016 fortsetzen?

Die Internationalisierung ist ein Trend, der ist ziemlich deutlich. Aber nicht nur die Teams werden internationaler, sondern auch die Business-Ziele. Die geschäftlichen Inhalte werden schneller auf Internationalisierung umgestellt. Viele Unternehmen wollen sich nicht mehr wie früher erst auf dem deutschen Markt etablieren und wenn sie damit fertig sind, den Schritt ins Ausland wagen. Sondern die so genannten „Born Globals“ gehen unmittelbar in die Internationalisierung hinein. Das halte ich für eine gute Sache, denn diese Unternehmen haben überdurchschnittliche Chancen.

Welche Rolle spielen internationale Investoren?

Das meiste Geld auf dem deutschen Venture Capital Markt kommt nicht aus Deutschland. Wir haben ungefähr gleich große Drittel: Ein Drittel des Kapitals kommt aus Deutschland, ein Drittel aus den europäischen Nachbarländern und ein weiteres Drittel kommt von außerhalb Europas. Ein bisschen Schade ist, dass die großen internationalen Technologie-Investoren wie zum Beispiel Intel Capital und Google nicht wirklich präsent in Deutschland sind. Die finden uns mit unserer Sprache und unserem Rechtssystem ein bisschen schwierig zu erreichen, sodass man praktisch zu denen hingehen muss. Das macht den Zugang für deutsche Unternehmen nicht leichter.