Der Essenslieferdienst litt stark unter dem Lockdown, bekommt nun aber eine neue Finanzspritze. Wachsen will das Start-up mit smarten Kühlschränken.

Der Schock saß tief bei Shivram Ayyagari, als im Frühjahr viele Unternehmen alle Mitarbeiter ins Home-Office schickten – und plötzlich das ganze Geschäftsmodell von Smunch in Frage stand. Gegründet vor vier Jahren, beschreibt sich die Firma als „Deutschlands erste Online-Kantine“. Doch als niemand mehr im Büro war, blieben die Bestellungen bei dem Essenslieferanten aus. „Die Corona-Krise hat uns mit voller Wucht getroffen“, sagt der Mitgründer und CEO des Start-ups. Notgedrungen habe man eigene Mitarbeiter reihenweise in Kurzarbeit geschickt.

Bis heute spürt das Start-up die Folgen des Lockdowns – inzwischen kann Ayyagari der Krise aber auch positives abgewinnen. Zum einen seien Bestandskunden zurückgekehrt, auch wenn die Zahl der Bestellungen wegen des anhaltend hohen Home-Office-Anteils gesunken sei. Zum anderen zeigte das Neugeschäft in den vergangenen Monaten wieder nach oben: „Wir haben einige Unternehmen als Kunden gewonnen, die ihre eigene Kantine im Frühjahr geschlossen haben und wohl auch nicht wieder öffnen werden.“

Flexible Alternative zur Kantine

Der Gründer ist überzeugt davon, dass Smunch in der neuen Arbeitswelt langfristig punkten kann: Mehr und mehr Unternehmen würden sich fragen, ob es sich lohne, eine eigene Kantine zu unterhalten – zumal nun strenge Abstands- und Hygiene-Regeln eingehalten werden müssen. Das Start-up positioniert sich seit jeher als flexible Alternative, die schon für Unternehmen ab 50 Mitarbeitern geeignet sei: Jeden Tag aufs Neue werden die Bestellungen von Mitarbeitern eingesammelt. Abgerechnet wird nach der Zahl der gelieferten Essen. Hohe Fixkosten oder lange Vertragslaufzeiten wie bei einem Firmenrestaurant gibt es nicht.

Im Unterschied zu herkömmlichen Essenslieferdiensten, die ihr Geschäft vor allem abends und am Wochenende machen, sind die Gerichte deutlich günstiger. Das hat drei Gründe: Erstens kauft das das Start-up große Mengen bei Partner-Restaurants und Catering-Unternehmen ein – und kann entsprechend günstige Preise verhandeln. Zweitens ist die Logistik weniger personalintensiv als etwa bei Lieferando. Denn in der Regel werden an eine Adresse gleich Dutzende oder Hunderte Mahlzeiten angeliefert. Hinzu kommt drittens, dass Arbeitgeber das Essen oft subventionieren, was ihnen Steuervorteile und Ersparnisse bei Sozialabgaben bringt.

Vertrauensbeweis in der Krise

An das Wachstumspotenzial glauben offenbar auch die Geldgeber von Smunch trotz des Corona-Knicks noch: Eine bereits im vergangenen Jahr begonnene Finanzierungsrunde wurde nun noch einmal erweitert. Insgesamt 18 Millionen Euro flossen damit seit der Gründung in das Start-up. Unter den Geldgeber sind die US-Investoren Luxor Capital und Colle Capital sowie Nosara Capital aus London. Anteile halten auch der Handelskonzern Metro, an dessen Accelerator-Programm Smunch teilgenommen hat, sowie mehrere Business Angels. Darunter ist mit Emmanuel Thomassin auch der Finanzvorstand des Dax-Neulings Delivery Hero, bei dem Ayyagari vor der Gründung gearbeitet hat.

Aktuell hat Smunsh mehr als 100 Unternehmenskunden in Berlin, Hamburg und München – darunter Mercedes Benz, Nike und N26. Trotz der Finanzspritze will der CEO bei der Expansion in weitere Städte nun langsam vorgehen. Grund dafür sind nicht nur die Corona-bedingten Unsicherheiten. Schon vorher lief es nicht immer rund bei dem Start-up. Wie das Portal Gründerszene berichtete, gab es Ende des vergangenen Jahres eine Entlassungswelle. Ayyagari spricht von „einem großen Fehler, den ich zu verantworten habe“. Er habe zu schnell zu viele Mitarbeiter eingestellt und dies korrigieren müssen.

Wettlauf der smarten Kühlschränke

Derzeit hat Smunch nach Angaben des Gründers noch 80 Mitarbeiter, wovon die Hälfte Teilzeitkräfte für Logistik und Lieferung sind. Den Fokus will Ayyagari nun auf ein „nachhaltiges Wachstum“ legen. Dazu will das Start-up das Geschäft mit bestehenden Kunden ausweiten. Künftig sollen die Essens-Kuriere die Unternehmen nicht nur Mittagessen versorgen, sondern verstärkt auch Obstkörbe, Kaffeemaschinen oder Wasserspender bestücken. „Die Unternehmen wollen möglichst einen Ansprechpartner für alles, was mit Essen und Trinken zu tun hat“, sagt Ayyagari.

Derzeit erprobt Smunch zudem einen Hightech-Kühlschrank, über den etwa Sandwiches, Salate und Säfte verkauft werden. Ab November sollen die Geräte angeboten werden. Damit tritt das Start-up in Konkurrenz etwa zum Kochboxen-Lieferanten Hellofresh mit seinem Ableger Hellofresh Go oder dem schwedischen Familienunternehmen Convini, das sich Ende des vergangenen Jahres Brandenburger Start-up Howilike einverleibt hat. Auch der Online-Hofladen Frischepost hat gerade einen „Smart Fridge“ vorgestellt – und bewirbt diesen als „kontaktlose Kantine“.