Mit Produkten und Dienstleistungen rund um das vernetzte Zuhause wollen viele Start-ups punkten. Eine Studie zeigt: Potenzial ist für viele Marktteilnehmer da. Doch noch kann keine Branche voll überzeugen.

My Home is my well connected Castle: Start-ups mit Fokus auf dem vernetzten Zuhause sind in einem wachsenden Markt unterwegs – müssen aber eventuell ihr Geschäftsmodell noch einmal anpassen. Das zeigt eine aktuelle Studie: Die Beratungsgesellschaft Deloitte befragte für die „Smart Home Studie 2018“ insgesamt 2000 Konsumenten in Deutschland (hier geht es zum PDF). Das Potenzial ist groß: In etwa 16 Prozent der Haushalte sind bereits vernetzte und ansteuerbare Steckdosen, Thermostate, Leuchten oder Kamerasysteme verbaut. Und grundsätzlich ist in etwa jeder dritte Konsument an neuen Produkten und Dienstleistungen rund um mehr IT in der Wohnung interessiert.

Erst einmal gute Nachrichten also für Start-ups: Auf dem Markt, der alleine in Deutschland laut einer eco-Studie bis 2022 auf 4,3 Milliarden Jahresumsatz ansteigen soll, tummeln sich viele junge Unternehmen. Senic etwa entwickelt eine universelle Bedienung für die Geräte daheim und konnte jüngst eine Finanzierungsrunde abschließen. Das Münchener Start-up Tado ist mit intelligenten Thermostaten bereits seit einigen Jahren erfolgreich auf dem Markt unterwegs und muss sich dort auch gegen Nest, die Konkurrenz von Google, behaupten.

Suche nach passenden Nischen

Andere Unternehmen konzentrieren sich auf Nischen: nevisQ aus Aachen baut vernetzte Fußleisten, die ein Smart Home ergänzen könnten. Und Otego fokussiert sich auf eine technologische Lösung, um aus Wärme direkt Energie zu gewinnen – und so auch Smart-Home-Geräte von Batterien zu befreien. Parce bastelt an schlauen Steckern und konnte fast in der „Höhle der Löwen“ punkten.

Aus welcher Branche der Sieger von morgen kommt, ist dabei laut Deloitte-Befragung völlig offen: Konsumenten sind sich noch relativ uneinig, ob sie traditionelle Anbieter von Unterhaltungselektronik, Hauselektrik-Spezialisten, Telko-Unternehmen, die äußerst aktiven Energieversorger oder spezialisierte Smart-Home-Anbieter bevorzugen. Nur Internet-Unternehmen wie Google werden etwas vorsichtiger beäugt: Hier haben Nutzer häufig Bedenken wegen des Datenschutzes.

Eine vorherige Auflage der Befragung vor drei Jahren brachte sehr ähnliche Ergebnisse. Die Autoren werten das eher als verpasste Chance auf Seiten der Anbieter: Es habe sich „scheinbar niemand über besonders innovative Angebote im Smart-Home-Markt profilieren können“, heißt es in der Studie.

Schlechte Chancen mit Mietmodellen

Schlechte Nachrichten hält die Studie dagegen für das Geschäftsmodell bereit: Viele Start-ups wollen ihre Produkte und Dienstleistungen gerne an Kunden vermieten. Diese Vertriebsvariante sorgt für regelmäßige und wiederkehrende Umsätze und wird häufig auch von Investoren gerne gesehen. Das Problem: Die Kunden wollen das explizit nicht. Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, einen Kauf von Smart-Home-Produkten zu bevorzugen. Nur 14 Prozent will ein Mietmodell, der Rest ist unentschlossen. „Mit einer ausschließlichen Fokussierung auf Mietmodelle schränken Anbieter ihre Smart-Home-Zielgruppe also erheblich ein“, urteilen die Berater.

Ebenso skeptisch sind die Nutzer bei der Frage nach geschlossenen Systemen – die als Plattformen und Ökosystemen oft von den Start-ups angestrebt oder zumindest angekündigt werden. Es sei mehr als fraglich, ob geschlossene Ökosysteme funktionierten, steht es in der Deloitte-Studie: „Anbieter sollten ihre Smart-Home-Strategien entsprechend anpassen.“