Das Start-up mit Wurzeln in Mittweida wird von einer amerikanischen Firma übernommen. Der Deal zeigt: Die neue Technologie hat Potenzial, passende Partner sind aber nicht leicht zu finden.

Eine dezentrale Investmentfirma, die Start-ups unterstützt – deren digitaler Fonds gehackt wurde. Eine Abrechnungssystem für Ladesäulen gemeinsam mit dem Energiekonzern Innogy – auf Eis gelegt im vergangenen Jahr. Und, sehr verwandt: Ein Schließsystem für die automatisierte Öffnung und Bezahlung von Aufenthalten. Das im sächsischen Mittweida gegründete Start-up Slock.it und seine Gründer waren bereits an verschiedensten Projekten in der Blockchain-Welt beteiligt.

Jetzt hat das amerikanische Unternehmen Blockchains das Start-up für einen nicht genannten Preis übernommen. Eine „natürliche Ehe“ sei die Verbindung der beiden Firmen, sagt Blockchains-Gründer Jeffery Berns. Man komplettiere sich gegenseitig, schreibt Slock.it-Gründer Christoph Jentzsch in einem Blog-Beitrag: Dem eigenen Unternehmen fehlten Expertise in Marketing und Geschäftsentwicklung, Blockchains wiederum habe nicht die Software-Fähigkeiten wie Slock.it – die sich insbesondere auf die Ethereum-Blockchain konzentrieren.

Ringen um eine gemeinsame Vision

Die Übernahme zeigt: Jenseits von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether arbeiten zahlreiche Unternehmen an Anwendungen, die auf der dezentral organisierten Blockchain beruhen. Unterstützer sehen ein enormes Potenzial in automatisiert abgewickelten Verträgen und der Ausschaltung von Mittelsmännern. Doch die Technologie hat immer noch ihre Tücken – und gerade in traditionellen Unternehmen dominiert häufig noch die Skepsis.

Mit der jetzt erfolgten Übernahme dürften sich dagegen zwei Partner mit ähnlicher Vision gefunden haben. Blockchains arbeitet ebenfalls an einem dezentralen System, mit dem sich in der Zukunft Organisationen oder sogar ganze Städte verwalten könnten. Als Testgelände hat sich das Unternehmen eine Fläche von fast 250 Quadratkilometer in Nevada gekauft, ganz in der Nähe der Gigafabrik von Tesla. Dort soll vernetzte Infrastruktur aufgebaut und getestet werden. Noch steht das Projekt dort jedoch am Anfang, wie ein Ortsbesuch der New York Times im vergangenen November zeigte.

Slock.it soll mit seinen Anwendungen die Brücke zum „Internet of Things“ bauen. Man teile die Leidenschaft, mithilfe der Blockchain eine „Sharing Economy“ aufzubauen, sagt Christoph Jentzsch. Er und sein Bruder und Mitgründer Simon leiten zukünftig zentrale Abteilungen von Blockchains. Das mehr als 30-köpfige Team von Slock.it soll deutlich ausgebaut werden – aber weiter aus dem Büro in Berlin arbeiten.