Die Höhle der Löwen gibt es künftig auch an der Hochschule Augsburg. In der Jury zieht manomama-Gründerin Sina Trinkwalder. Was ihr wichtig ist.

Von Fridtjof Atterdal

Sieben erfolgreiche Gründer fühlen an der Hochschule Augsburg den Geschäftsideen von Wirtschaftsstudenten auf den Zahn. Im „Hörsaal der Löwen“, frei nach der erfolgreichen VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, müssen die Teilnehmer des Praxis-Seminars „StartUp Business“ mit ihren Konzepten überzeugen. Mit in der Jury sitzt Sina Trinkwalder, Hochschulrätin und erfolgreiche Unternehmerin mit der ökosozialen Textilfirma manomama. Das Unternehmen stellt ausschließlich Mitarbeiter ein, die beim Jobcenter als schwer vermittelbar gelten. Für ihr Engagement erhielt Sina Trinkwalder zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz.

WirtschaftsWoche Gründer: Was ist die Idee hinter dem „Hörsaal der Löwen“?

Sina Trinkwalder: Wir möchten mit dem Hörsaal der Löwen, Studierenden die Möglichkeit geben, schon mal etwas Realität zu schnuppern. Innerhalb einer Hochschule entstehen so viele tolle Projekte, die alle so brachial theoretisch sind. Basierend auf der Fernseh-Show „Die Höhle der Löwen“, wo auch einige Gründer sauber an die Wand fahren, andere dafür mit ordentlich Investitionskapital ausgestattet werden, wollen wir den Studenten die Möglichkeit geben, ihre Ideen von einer Jury bewerten und auf Machbarkeiten einschätzen zu lassen.

Das heißt, die Hochschule will näher ans wirkliche Geschäftsleben?

Ich glaube, dass für Studierende eine Bewertung von Leuten, die draußen in der Wirtschaft ihre Position behaupten, wichtig ist. Was an der Hochschule passiert, ist pure Theorie. Das wird spannend werden, was die Bewertung einiger Ideen betrifft. Wir versuchen, innerhalb des hochschulischen Rahmens, mehr Praxisbezug zu bekommen. Es soll auch die Gründerkultur gefördert werden, aber nicht Gründerkultur auf Märchenschloss und Wolke, sondern Unternehmertum. Der Unterschied zwischen einem typischen venturekapitalisierten Junggründer und einem Unternehmer ist, dass der Gründer von vornherein seinen Exit plant. Und das ist das letzte, woran der Unternehmer denkt.

Sie werden als eine der „Löwinnen“ in der Jury sitzen. Worauf legen Sie besonderen Wert?

Ich lege besonders viel Wert auf Ideen, die die Welt ein bisschen besser machen. Für mich ist ein Geschäftskonzept, das auf Raubbau der Menschheit und der Umwelt basiert, nicht zukunftsfähig. Es muss gesellschaftlich relevant sein. Und ich lege Wert darauf, dass die potenziellen Gründer zu 1000 Prozent hinter ihrem Konzept stehen. 100 Prozent reichen nicht. Die Idee muss sich nicht realistisch anhören. Mein Projekt war vor sechs Jahren auch alles andere als realistisch. Ich weiß aber, dass alles möglich ist, wenn man hart für den Erfolg arbeitet. Von dem her geht es mir darum, ob der Glaube an die eigene Idee so unerschütterlich ist, dass jemand so hart arbeiten kann, bis er erfolgreich ist.

Ein harter Anspruch an Studenten.

Ja, aber die sind mittlerweile 25, 26, 27 Jahre als – da haben andere schon zehn Jahre gearbeitet. Da bin ich knüppelhart. Die Generation Praktikum bis 40 habe ich gefressen. Leute, ich bin 37 und habe 24 Jahre Berufstätigkeit hinter mir.

Kann man Entrepreneure an der Hochschule heranziehen?

Man kann ihnen Handwerk mitgeben. Ich glaube, Unternehmer kann man nicht ausbilden. Das bist Du oder nicht, das ist eine Charaktereigenschaft. Aber um ein guter Unternehmer zu werden, brauchst Du handwerkliche Fähigkeiten. Ein Unternehmer zeichnet sich dadurch aus, dass er Menschen liebt. Das kannst Du nicht lernen. Wenn Du nicht mit Menschen kannst, dann bleibt das so. Dann kannst Du höchstens noch Manager werden. Als Unternehmer sind mein höchstes Gut und mein wichtigstes Werkzeug meine Kolleginnen und Kollegen. Also muss ich sie lieben, damit ich sie pflegen und schützen kann. Wenn das nicht gegeben ist, kannst Du es vergessen. Aber, wie man betriebswirtschaftlich ein Unternehmen führt, wie man kommunikativ die Dinge macht, wie man Personalwesen strukturiert oder was auch immer, das sind grundlegende Fähigkeiten, die man einem Unternehmer oder einem Gründer mitgeben kann.

Ihnen sind nachhaltiges Unternehmertum und soziale Verantwortung wichtige Anliegen – sind das Werte, die an der Hochschule vermittelt werden?

Nein, und das ist ganz schlimm. Ich habe an den verschiedensten Hochschulen Vorträge gehalten und halte sie immer wieder. Das Bild, gerade in den betriebswirtschaftlichen Lehrstühlen, schockiert mich schon ziemlich. Auch in den „nachhaltigen“ Lehrstühlen. Auf die Frage ‚Was ist Nachhaltigkeit?‘ habe ich von Studenten nur gehört: ‚Die Sicherung des Wohlstandes künftiger Generationen‘. Da muss wohl noch einiges passieren. Auf der anderen Seite tröste ich mich. Die Jungs und Mädels vor denen ich da stehe, sind zwischen 20 und 24 Jahre. In dem Alter war ich selbst auch noch ziemlich egoistisch. Da fand ich es auch noch toll, eine fette Karre zu fahren, schön essen zu gehen und möglichst viele Flugreisen zu machen. Das Hirn setzt erst etwas später ein. Da ist Hopfen und Malz also noch nicht verloren.

Was braucht man zum erfolgreichen Unternehmer?

Am wenigsten gebraucht habe ich jedenfalls mein Abitur. Da fragt mich kein Mensch mehr danach. Ich habe ein hundsmisserables Abitur und zwei abgebrochene Studiengänge. Das Schöne ist, dass scheinbar außer der schulischen Bildung noch andere Kriterien zählen um „erfolgreich“ zu sein. In der Wahrnehmung von äußeren Kreisen bin ich erfolgreich – mir ist es ziemlich wurscht, ich möchte wertvoll sein. Wenn man meinen Lebenslauf nimmt, bin ich nicht besser als 80 Prozent meiner Ladies. Die Dinge die ich mache, tue ich aus vollem Herzen und dann funktionieren sie auch. Um etwas zu bewegen brauchst Du keine Schulbildung. Du brauchst Herzensbildung und musst Menschen mögen.

Ist aus Ihrer Sicht gerade eine gute Zeit, um als junger Mensch ein Unternehmen zu gründen?

Das ist wie schwanger werden oder Welt verbessern. Wenn man sich fragt, ist es momentan gut ein Kind zu kriegen, passt es nie. Wenn man sich fragt, rette ich jetzt die Welt, passt es auch nicht. Also sprich – einfach machen. Dann wird man schon sehen. Und am Ende des Tages passt es immer.