Mit unterhaltsamen Youtube-Videos hat sich das Start-up bei Schülern einen Namen gemacht. Nun kommt erstmals ein externer Investor an Bord.

Pythagoras wird als „coole Socke“ eingeführt, die Erklärung zur elektrischen Stromstärke beginnt mit der Rockband AC/DC – und die alten Römer „waren schon richtig harte Motherfucker“: Alexander Giesecke und Nicolai Schork setzen auf eine saloppe Sprache, Animationen und unterhaltsame Vergleiche, um Wissen zu vermitteln. Als Schüler haben sie vor acht Jahren damit angefangen, erste Lernvideos zu produzieren und bei Youtube zu veröffentlichen – und dann immer weiter gemacht. Heute ist der „Simpleclub“ für viele Schüler bei der Klausur-Vorbereitung nicht mehr wegzudenken. Mehr als 400 Millionen Aufrufe verzeichnen die inzwischen mehr als 3.000 Nachhilfe-Videos.

Das Unternehmen hinter den Videos haben Giesecke und Schork während ihres Studiums ohne Fremdkapital aufgebaut – nach eigenen Angaben ist das Start-up seit 2018 profitabel und macht einen siebenstelligen Jahresumsatz. Nun haben sich die Gründer dennoch für einen externen Investor geöffnet: Wie Simpleclub bekannt gab, ist mit HV Holtzbrinck Ventures einer der größten Frühphaseninvestoren Deutschlands mit zwei Millionen Euro eingestiegen. Ungewöhnlich: Von dem Wagniskapitalgeber heißt es, man hätte gerne noch mehr investiert­ – die Summe reiche dem Team aber, „um die nächste Stufe zu zünden.“

Erweiterung um die Unterstufe

Verwenden wollen die Gründer das Geld vor allem dafür, um jenseits von Youtube weiter zu wachsen. Schon länger bietet Simpleclub in einer App für zahlende Mitglieder neben den Videos auch Übungsaufgaben und Zusammenfassungen an. Eigenen Angaben zufolge hat das Start-up bereits mehr als 20.000 Abo-Kunden. Je nach Laufzeit zahlen sie monatlich zwischen 7,50 und 16,50 Euro. Ende September hat die Software ein großes Update bekommen. So erstellt die App nun automatisch Lernpläne und wertet aus, wie gut Nutzer den Unterrichtsstoff schon durchdrungen haben. Darstellen lassen sich die Inhalte entweder nach Fächern oder nach Themengebieten.

„Die Mittel von HV Holtzbrinck Venture werden wir nutzen, um massiv das riesige Wissensnetz, auf dem die App basiert, und damit unsere Lerninhalte für Schülerinnen und Schüler auszuweiten“, kündigt Mitgründer Schork an. Konkret will Simple Club noch bis zum Jahresende auch Inhalte für alle Fächer in der Unterstufe liefern. Bisher richtet sich das Angebot an Schüler ab der achten Klasse. Für das Wachstum soll nun auch das Team von aktuell 37 auf 50 Mitarbeiter wachsen. Eine Besonderheit: Ein festes Büro hat Simpleclub nicht – stattdessen organisiert sich das Remote-Team über digitale Tools.

Die Gründer wittern nun zudem die Chance, sich vom Nachhilfemarkt in den regulären Unterricht vorzutasten. Durch die neue Struktur und die neuen Inhalte könne die App auch von Lehrern im Unterricht oder zu Hause Anwendung finden, heißt es vom Start-up. Erprobt wurde das von einigen Schulen bereits während der Corona-bedingten Schulschließungen im Frühjahr, als die Nachfrage nach digitalen Bildungsangeboten plötzlich explodierte. Simpleclub bot in dieser Zeit Inhalte der App kostenlos an – anders als bei manchen Konkurrenten mussten die entsprechenden Zugänge aber von Lehrern beantragt werden.

Hürden auf dem Weg ins Klassenzimmer

Die Hürden, Teil des Regalunterrichts zu werden, sind indes groß: Zum einen fehlen an Schulen – trotz des Digitalpakts Schule – oft Budgets für den Einkauf digitaler Inhalte. Zum anderen stellt sich die Frage nach einer Qualitätskontrolle. Simple Club gibt an, Videos und Lernmaterialien mit Hilfe von Studenten zu erstellen, die häufig selbst als Tutoren tätig sind. Mit ähnlichen Ansätzen drängen auch andere Anbieter in den Markt: Konkurrent Sofatutor etwa kann bereits Pilotprojekte an Schulen in Bremen und Sachsen-Anhalt vorweisen.

Eigentlich eher eine Ergänzung denn eine Konkurrenz sind Start-ups, die Nachhilfelehrer und Schüler auf digitalen Plattformen zusammenbringen. Auch sie ringen aber um die Nachhilfebudgets von Familien – und das Geld von Investoren. Seit der Corona-Krise wächst bei Geldgebern das Interesse an den Geschäftsmodellen. Im Juni etwa hat GoStudent aus Wien eine 8,3 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde abgeschlossen. Einen Monat zuvor hat bereits Easy Tutor neue Investoren an Bord geholt. Die Kapitalspritze wollen die Gründer auch nutzen, um digitale Übungsaufgaben zu entwickeln.