Das junge Unternehmen übernimmt das Start-up Inventorum. Damit wollen die Münchener ihr Angebot für Händler und Dienstleister ausbauen. Die kommen mit digitalem Nachholbedarf aus der Krise.

Bei Instagram wird die Kundin neugierig, dort wird direkt der Termin im Friseursalon gebucht – und nach dem Haarschnitt im Salon wird per Kreditkarte über das iPad gezahlt. Die komplette Software hinter solchen Kundenbeziehungen will Shore bieten. Im Fokus stehen dabei neben Friseuren auch andere Dienstleister und kleinere Händler. Einen wichtigen Programm-Baustein hat das Start-up mit Hauptsitz in München nun dazugekauft. Shore übernimmt für einen ungenannten Betrag das Berliner Start-up Inventorum. Das hat bislang eigenständig digitale Kassen- und Abrechnungssysteme vertrieben – nun soll die Software in das Shore-Angebot integriert werden. Die 18 Mitarbeiter und Inventorum-Gründer Christoph Brem wechseln zu Shore, der eigenständige Auftritt verschwindet.

Mit dem Schritt will Shore-Chef Nikbin Rohany den Weg zu einem „All-in-One“-Anbieter für kleinere Geschäfte gehen. Dabei geht es um eine Art Betriebssystem für die tägliche Arbeit, mit der Kunden angesprochen, Termine verwaltet, Umsätze ausgewertet und Mitarbeiter eingeplant werden können. Im Einsatz ist die Software heute bei selbstständigen Händlern, aber auch bei Ketten wie etwa dem Frisör-Marktführer Klier. Shore selbst hatte zuvor mit verschiedenen Anbietern für Bezahlprozesse kooperiert. Doch das reichte dem 2012 gegründeten Start-up nun nicht mehr: „Um uns weiterzuentwickeln, ist es sinnvoll, das geistige Eigentum bei uns im Unternehmen zu haben“, sagt Rohany. „Wir registrieren eine rasant steigende Nachfrage nach tief integrierten Systemen“.

Viele Start-ups ringen um Händler und Gastronomen

Er ist überzeugt, dass in diesem Anwendungsbereich noch einiges an Marktkonsolidierung zu sehen sein wird. Das Software-Angebot gerade für kleine Unternehmen war in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Manche Start-ups fokussieren sich auf bestimmte Branchen – etwa Fitogram für den Fitnesssektor oder Betterspace für die Hotellerie. Daneben häuften sich Programme, die dasselbe Problem lösen wollen: Bei den digitalen Kassensystemen sind es etwa Start-ups wie Tillhub, Orderbird oder Gastrofix, das Anfang des Jahres verkauft wurde.

Die Start-ups stehen dabei vor ähnlichen Herausforderungen: Zum einen lockt ein großer Markt, bei dem sich die Programmierung der Software schnell auszahlen kann. Zum anderen ist der Vertrieb jedoch sehr mühselig, weil viele kleine Unternehmen angesprochen und überzeugt werden müssen. Zudem fallen immer wieder Kunden weg, wenn ein Restaurant oder ein Kleidungsgeschäft aufgeben muss. Einzelne Anbieter würden es mittelfristig schwer haben, ist Rohany überzeugt.

Mit Schwung aus der Corona-Zwangspause

Auch Shore spürte die Abhängigkeit von kleinen Anbietern in den vergangenen Wochen. Weil viele Dienstleister Corona-bedingt schließen mussten, läuteten auch bei dem Start-up zunächst die Alarmglocken. Das Neukundengeschäft ging zurück, die Zahl der Kündigungen stieg, die Zahlungsausfälle wuchsen ebenfalls. Doch nach eigenen Angaben sei mittlerweile wieder der Wachstumspfad erreicht: „Viele unserer Kunden haben die Zeit genutzt, um sich digital neu aufzustellen“, sagt Rohany. Gerade die Terminbuchung hilft dabei, den Spagat zwischen Hygienekonzept und ausreichendem Umsatz zu meistern.

Innerhalb des nächsten halben Jahres soll die Inventorum-Software nun nahtlos bei Shore integriert werden. Dabei ist Rohany überzeugt, dass sich auch die beiden ehemals eigenständigen Teams – bei Shore sind es aktuell 70 Mitarbeiter – gut miteinander auskommen werden. Dabei kann er auf eigene Erfahrungen bauen: Rohany selbst kam 2017 über den Zukauf seine vorherigen Software-Anbieters Absence.io an Bord.